Politik

Die AfD behauptet, Björn Höcke habe für die NPD geworben

Unter dem Pseudonym Landolf Ladig soll der AfD-Politiker faschistische Artikel in NPD-Zeitschriften veröffentlicht haben.
13.4.17
imago | Steve Bauerschmidt

Als Björn Höcke hat man es wirklich nicht leicht. Da ist man schon einer Partei beigetreten, in der man gegen die "Schwulen-Lobby" wettern darf und offen sagen kann, dass es doch in Ordnung sei, auf Flüchtlinge zu schießen. Und dann ist man denen trotzdem noch zu rechts.

Ein Grund dafür: Reden wie jene in Dresden Anfang des Jahres, in der Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnete.

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Ein weiterer Grund: Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Thüringer Landtag soll unter dem Pseudonym Landolf Ladig Texte in NPD-Zeitschriften veröffentlicht haben. Der Verdacht existiert schon länger, doch mittlerweile scheint es kaum noch Zweifel daran zu geben. Dafür verantwortlich ist ausgerechnet Höckes eigene Partei. Die AfD sammelt nämlich gerade Fakten, die gegen Höcke sprechen, damit sie ihn aus der Partei ausschließen kann, denn selbst für Frauke Petry ist Höcke zu rechts.

In dem Ausschlussantrag, den ein Gelsenkirchener Rechtsanwalt im Auftrag des Bundesvorstands verfasst hat und der einigen Medien vorliegt, heißt es, Höcke habe "unter dem Namen 'Landolf Ladig' in den NPD-Veröffentlichungen Volk in Bewegung und Eichsfeld-Stimme Artikel verfasst, in denen die NPD für ihre politischen Ideen und das politische Konzept gelobt wurde."

Der Vermutung geht der Soziologe Andreas Kemper schon seit Jahren nach. In einem Blogpost vom letzten Jahr geht er ausführlich auf die Behauptung ein, Höcke habe 2011 und 2012 für die Zeitschriften geschrieben, deren Herausgeber Thorsten Heise war, ein mehrfach vorbestrafter Neonazi und Mitglied des NPD-Bundesvorstands.

Landolf Ladig warb dafür, die NPD zu wählen. Laut Kemper schrieb er in Volk in Bewegung außerdem, dass Deutschland zweimal von Fremdmächten überfallen worden sei – im 1. und 2. Weltkrieg – aus purem Neid auf das prächtig gedeihende Deutschland." (Funfact: Höcke ist Geschichtslehrer.) Die Zeitschrift ordnet der Soziologe Kemper sogar als rechter ein als die NPD. Warum zeigt auch eine weitere Aussage Ladigs, in der er fordert, dass die Gegner des Systems, also Rechte wie er, in einer kommenden Revolution ihren Führungsanspruch durchsetzen.

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Kemper fand viele ungewöhnliche Worte, die Ladig nutzte, wie "Pertubation", "Behaviorismus" oder "Entelechie", und die später auch in Äußerungen von Höcke auftauchten. Der Soziologe beurteilt das wie folgt: "Ladig vertritt hier also einen nationalrevolutionären Ansatz gekoppelt mit NS-Verherrlichung. Die faschistische Ideologie, die in Höckes Aussagen deutlich wird, wird in den Ladig-Texten zugespitzt und unverblümt NS-verherrlichend. Was unter dem Pseudonym Ladig geschrieben wurde, ist also tatsächlich noch 'krasser'."

Höcke hat stets bestritten, die Artikel unter dem Pseudonym verfasst zu haben. Dennoch lehnte er eine von der Parteispitze schon 2015 geforderte eidesstattliche Versicherung ab.

Im Parteiauschlussantrag gegen Höcke heißt es nun, aufgrund der Beweise seien "vernünftige Zweifel daran, dass der Antragsgegner unter der Bezeichnung 'Landolf Ladig' veröffentlicht hat, nicht mehr möglich".

Als Beleg ist die Aussage des ehemaligen thüringischen AfD-Chefs Matthias Wohlfahrt angeführt, der von einem Treffen von Höcke mit einem anderen AfD-Politiker, Heiko Bernardy, berichtet: "Hier ist ein Gespräch geführt worden, in dem der AG [Antragsgegner Höcke, Anm. d. Red.] Herrn Bernardy gegenüber unverblümt zugegeben hat, dass er Landolf Ladig ist. Herr Bernardy führte darüber hinaus noch aus, dass selbst dem kleinsten NPD-Funktionär die früheren Aktivitäten des AG kein Geheimnis seien."

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In dem Antrag heißt es weiterhin, Höcke habe eine "Wesensverwandschaft mit dem Nationalsozialismus". Beigefügte Reden von Adolf Hitler sollen diese Behauptung stützen. (Ob ihr selbst Höcke- und Hitler-Aussagen auseinanderhalten könnt, könnt ihr in unserem Quiz testen.)

Die Parteispitze, insbesondere Frauke Petry, will mit dem Fall Ladig den Druck auf Höcke erhöhen und damit auch die Chancen, dass er tatsächlich ausgeschlossen wird. Sicher ist das nämlich nicht. Obwohl der Bundesvorstand im Februar mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit dafür gestimmt hat, entscheiden letztendlich das Landes- und dann das Bundesschiedsgericht. Dort hat Höcke viele Unterstützer.

Gegenüber dem Tagesspiegel sagte der Sprecher Höckes: "Zu diesen hanebüchenen Vorwürfen werden wir uns nicht äußern." Höcke selbst hat unterdessen angekündigt, an dem AfD-Parteitag übernächste Woche nicht teilzunehmen.

Vielleicht nutzt er ja die Zeit, um eine Stellenanzeige zu verfassen: "Rechter Politiker sucht rechte Partei, die ihn nicht einfach fallen lässt, nur um so zu tun, als seien sie gar nicht so rechts."

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