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Kolumbien

Tee trinken mit kolumbianischen Schamanen

Ich nahm einen Schluck halluzinogenen Yagé-Tee (a.k.a. ayahuasca). Dann fing alles an zu pulsieren.

von Munchies Staff
06 Januar 2015, 8:00am

„Darum geht es zu Weihnachten wirklich", sagte Manque Runa.

Mit diesen Worten tauchte Manque Runa, ein kolumbianischer Schamane, eine Holztasse in einen Topf mit halluzinogenem Yagé-Tee und reichte sie mir. Ich war in den Amazonas gekommen um mit den circa vierzig Schmananen der Gemeinschaft Weihnachten einmal anders zu feiern.

Manque Runa verbrachte drei Jahre mit der Perfektionierung dieses Tees, einer Mischung aus der namengebenden Pflanze und ein paar anderen, im Amazonas vorkommenden Vertretern der Psychotria-Familie. Die Mischung enthält die psychotrope Substanz N,N-Dimethyltryptamin (DMT), die zu Halluzinationen führen kann. Für die gnostischen Schamanen, die sich Arrayanes—nach einer heimischen Baumart—nennen, öffnet das Getränk Tür und Tor zu den Göttern.

„Die Pflanzen bilden die Grundlage für alles", sagte Manque Runa.

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Wir rauchten Joints und sangen „Hare Krishna Hare Rama." Ich fühlte mich wie im Indien der 60er Jahre. Ziemlich Hippie.

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Ich kippte den lauwarmen Yagé-Tee in vier großen Schlücken hinunter. Es war rostbraun und schmeckte nach bitterem Kaffee und Magensäure. Dann wurde es still um mich. Nach 40 Minuten stand ich auf und rannte mit heftigem Brechreiz raus—in meinen Socken. Alles um mich herum vibrierte und ich war umgeben von leuchtenden Farben. Die Pflanzen sprachen zu mir, aber ich weiß wirklich nicht mehr worüber.

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Manque Runa bot mir eine weitere Tasse an und ich trank. Das hätte ich nicht machen sollen. Dieses Mal krümmte ich mich zusammen und zitterte. Mein Magen meldete sich erneut und ich kotzte und kotzte und kotzte. Mir wurde kalt, ich wickelte mich in Decken, schloss meine Augen und schlief ein, während die anderen bis in die frühen Morgenstunden ihre Holzflöten spielten und „Hare Krishna Hare Rama" trällerten.

„Es war gut, dass du zwei mal getrunken hast", meinte Manque Runa am nächsten Morgen, „du hast dich viel übergeben, das ist sehr gut".

Es war nicht das beste High meines Lebens, aber durch das viele Übergeben fühlte ich mich klar, ruhig und so leicht wie schon lange nicht mehr.

Geläutert und richtig ausgekotzt.