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Guerilla Gardening–es ist höchste Zeit, Bomben zu werfen!

Laut des von der Heinrich Böll Stiftung jährlich veröffentlichten Bodenatlas werden zwei Drittel der Weltbevölkerung bis 2050 in Städten leben. Deshalb ist es an der Zeit, sich mit Urban Gardening auseinanderzusetzen und Saatbomben zu schmeißen!

von Vanessa Guertler
28 Mai 2015, 8:25am

Laut des von der Heinrich Böll Stiftung jährlich veröffentlichten Bodenatlas werden zwei Drittel der Weltbevölkerung bis 2050 in Städten leben. Mit immer mehr Menschen und immer weniger fruchtbarem Boden hängt unsere Lebensqualität davon ab, wie effizient die Städte der Zukunft geplant sind.

2015 ist das internationale Jahr der Böden. Die UN will damit auf die Wichtigkeit des Bodenschutzes aufmerksam machen.

Wie man urbane Flächen für Ackerbau effizient nutzt, ohne wertvolle Energie zu verbrauchen, lernt man nicht unbedingt von Wissenschaftlern und Technologen, sondern von denen, die schon in Städten wohnen. Kuba gehört zu den Vorreitern des städtischen Ackerbaus, da der Lebensmittelimport aufgrund des bestehenden US-Embargos schwierig ist. Auch in der krisengeschüttelten amerikanischen Geisterstadt Detroit existieren inzwischen 1.200 Gärten, darunter eine 8.000 m² große Anbaufläche in der Innenstadt.

ESSEN: Wie man in Kuba wie ein Einheimischer isst, erfährst du hier.

Not macht erfinderisch

Vieles spricht dafür, die Stadtflächen für den Lebensmittelanbau zu nutzen: Städte sind generell wärmer, weil Gebäude Sonneneinstrahlung speichern und Fahrzeuge, Heizungen und Fabriken Wärme erzeugen. Durch urbanen Pflanzenanbau werden die Städte gekühlt und die Luft wird verbessert, da Pflanzen das Kohlendioxid durch Sauerstoff ersetzen und Staub binden. Laut Bodenatlas wirkt sich schon ein 50 bis 100 m breiter Gürtel aus Bäumen und Büschen positiv auf die Luft in einem Umkreis von 300 m aus.

Und Pflanzen duften! Außerdem kann durch effizienten Pflanzenanbau gesichert werden, dass Gemüse und Obst ohne lange Transportwege frisch auf den Tisch kommen. In Mexiko-Stadt werden beachtliche 15.000 Tonnen Gemüse jährlich auf einer 22.800 Hektar großen Fläche angebaut.

Städte sind feuchter als das umliegende Land, weil Rauch und andere Stoffe in der Luft zu mehr Regen führen. Wenn der Boden nicht versiegelt ist, kann das Regenwasser ablaufen und Überschwemmungen verhindern. Sogar in Berlin zum Beispiel, der grünsten Stadt Europas, wird das Abwassersystem im Jahr an die 35 Mal völlig überlastet.

Wissenschaftler arbeiten an neuen, hochtechnologischen Methoden des Pflanzenanbaus—Ackerwirtschaft ohne Acker. In riesigen Glashäusern werden Pflanzen ohne Erde, in Wasser, mit künstlichem LED-Licht so schnell wie möglich produziert. Systeme wie Hydroponik werden sicher wichtig werden, aber sie benötigen wahnsinnig viel Energie und funktionieren nicht ohne die Kontrolle von Menschen oder Computern.

DENKEN: Die größte Indoor-Vertical-Farm der Welt

Wie wärs mit ein paar Erdbeeren oder Radieschen vom eigenen Hausdach oder Balkon? Du könntest dir aber auch mit Hilfe von Paletten einen vertikalen Garten bauen. Das einzige, was du dafür an Platz brauchst, ist eine Wand.

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Angenommen, wir würden auf den zahlreichen Grünflächen der Berliner Sonnenallee oder auf den Dächern von Tiefgaragen, Industrieanlagen oder Tankstellen ein paar Samen pflanzen, wäre es dann nicht schön zu sehen, dass da vielleicht etwas wächst?

Erstmals dokumentiert wurde das Bepflanzen von nicht eigenen Flächen 1973 in New York. Vor allem in britischen Städten wie London und Glasgow werden seit Jahren unschöne oder brachliegende Flächen, mögen sie noch so klein sein, bepflanzt. In Deutschland gibt es zwar verschiedene Facebook-Gruppen und Initiativen, die Guerilla Gardening bewerben, zurzeit scheinen die sich aber im Winterschlaf zu befinden. Deshalb ist es höchste Zeit, dass ihr eure eigenen Saatbomben selber bastelt oder euch die richtig stylische Kabloom-Variante bestellt und los geht's!

VIDEO: Diese Londonerin ist die „Q" in der Welt der Guerilla-Gärtner:

Auch wenn man urbane Gartenarbeit nur im kleinen Rahmen betreibt, und so wahrscheinlich nicht mehr als ein paar Kräuter oder Bohnen ernten wird, so ist es doch ein Anfang, sich mit dem immer wichtiger werdenden städtischen Ackerbau anzufreunden. Und man sitzt mal nicht vorm Rechner, sondern in der Sonne.

Also, raus mit euch und vergesst die Samen nicht!