Antifaschismus

Antifaschisten haben die rechtsextreme Burschenschaft Olympia angegriffen

Zum Todestag des KZ-Überlebenden Ernst Kirchweger haben sie das Burschenschaftshaus beschmiert und ein Bekennerschreiben veröffentlicht.

von Paul Donnerbauer
03 April 2017, 12:16pm

Titelfoto: Screenshot via Facebook

Wie über das linke Nachrichtenportal Indymedia bekannt wurde, haben Antifaschistinnen und Antifaschisten in der Nacht von Sonntag auf Montag das Haus der rechtsextremen Burschenschaft Olympia in Wien angegriffen und die Fassade beschmiert.

Auf mehreren Fotos ist zu sehen, dass die erst kürzlich neu gestrichene Hauswand mehrere Farbbeutel abbekommen hat. Die Angreifer dürften dabei auch einen Feuerlöscher oder ähnliches mit Farbe befüllt und die Fassade besprüht haben.

In dem Bekennerschreiben, das auf Indymedia veröffentlicht wurde, wird auf den Todestag des Antifaschisten und KZ-Überlebenden Ernst Kirchweger Bezug genommen, nach dem das linke Wiener Kulturzentrum EKH benannt ist.

Kirchweger wurde 1965 während einer Demonstration gegen den antisemitischen Universitätsprofessor Taras Borodajkewycz getötet. Die Demonstration wurde von Mitgliedern des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) angegriffen und gestört. Unter ihnen war auch der damals 25-jährige Neonazi und RFS-Aktivist Günther Kümel, der Kirchweger bei einem Angriff so schwer verletzte, dass dieser seinen Verletzungen erlag. Kümel soll laut dem Buch Völkische Verbindungen – Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich der Österreichischen Hochschülerschaft auch Mitglied der Burschenschaft Olympia gewesen sein.

Die Fassade der Burschenbude vor dem Angriff | Foto: Christopher Glanzl

"Der Mörder von Ernst Kirchweger war nicht nur Mitglied des Rings Freiheitlicher Studenten, sondern auch der Burschenschaft Olympia – jene Burschenschaft, die in der Geschichte des österreichischen Rechtsextremismus und Neonazismus eine zentrale Rolle einnimmt", heißt es in dem Bekennerschreiben.

Tatsächlich ist die Burschenschaft Olympia immer wieder Schnittstelle zwischen der akademischen Rechten und rechtsextremen Gruppierungen, wie den Identitären. So ist zum Beispiel Alexander Markovics, Mitbegründer der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ), Mitglieder der Olympia.

"Als Antifaschist*innen können wir es nicht hinnehmen, wenn Rechtsextremismus zu Normalität wird."

Die Burschenschaft fiel aber auch schon mit fragwürdigen internationalen Gästen auf. Zum Beispiel soll schon der deutsche Liedermacher Frank Rennicke in der Burschenbude zu Gast gewesen sein. Rennicke war an führender Stelle beim Projekt Schulhof-CD der NPD beteiligt, bei dem CDs mit teilweise rechtsextremen Liedgut in der Nähe von Schulen verteilt wurden.

Auch den britischen Holocaust-Leugner David Irving hat die Burschenschaft bereits zu sich eingeladen. Im April 2016 organisierte die Olympia außerdem ein Treffen mit einem Mitglied der in Ungarn verbotenen Jugendbewegung der 64 Burgkomitate (HVIM), einer Gruppe teils militanter Rechtsextremer.

Für manche Antifaschisten war diese lange Verknüpfung mit rechten Gästen offenbar Grund genug, die Hausfassade der Burschenschaft zu beschmieren: "Mit der sauberen Fassade soll davon abgelenkt werden, was in der Bude vor sich geht [...] Als Antifaschist*innen können wir aber nicht hinnehmen, wenn Rechtsextremismus zu Normalität wird. Im Gedenken an Ernst Kirchweger haben wir deshalb die Fassade jener Verbindung markiert, welche als zentrale Kaderschmiede des österreichischen Rechtsextremismus und Neonazismus gelten muss – damals wie heute. Denn die Olympia soll auch nach außen hin sichtbar eines sein: ein Schandfleck der weg muss!", so die Angreifer in ihrem Bekennerschreiben.

Die Burschenschaft Olympia selbst war bis zum Erscheinen dieses Artikels für keine Stellungnahme erreichbar.

Paul auf Twitter: @gewitterland

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