Musik löst tatsächlich (kleine) Orgasmen aus

Deine Gänsehaut kommt nicht von ungefähr.

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Juli 12 2016, 12:05pm

Gabriel S. Delgado C./Flickr

Die Wirkung von Musik—Symbolbild. Foto: Gabriel S. Delgado C. (CC BY 2.0)

Woher die sogenannte Gänsehaut evolutionsbiologisch stammt, ist nicht vollkommen geklärt. Dass sie ein Reflex auf Kälte, Angst oder Erregung ist jedenfalls klar. Viele Menschen kriegen sie aber auch, wenn sie zum Beispiel Musik hören. Eine neue Studie der Harvard und Wesleyan University ist diesem Phänomen nun neurologisch auf den Grund gegangen und hat herausgefunden, dass dieses Gefühl kleinen Orgasmen gleicht.

Die Studie bestand aus zwei Gruppen mit jeweils zehn Leuten. In einer Gruppe waren Menschen, die angaben, beim Hören von Musik schon mal Gänsehaut bekommen zu haben, während die andere dieses Gefühl noch nicht hatte. Die zweite Gruppe war die sogenannte Kontrollgruppe, die bei wissenschaftlichen Studien Standard ist. Allen Teilnehmern wurde eine Playlist vorgespielt, die sie zuvor selbst bestimmen konnten. Darunter fanden sich zum Beispiel Richard Wagner und Coldplay. Während die Teilnehmer der Musik lauschten, waren sie an einen DW-MRT (Diffusionsgewichteter Magnetresonanztomograf) angeschlossen. Dieser spuckte dann Bilder der aktiven Hirnareale aus.

Es zeigte sich, dass bei den Probanden der ersten Gruppe die Nervenstränge stärker ausgeprägt sind, die den auditiven Kortex mit jenen Teilen des Gehirns verbinden, die für die Kontrolle physischer und emotionaler Empfinden zuständig sind.

Der neuronale Vorgang beim Hören von Musik, die Gänsehaut auslöst, ist identisch mit dem, der durch Sex oder Drogen ausgelöst wird. Es handelt sich um kleine „Haut-Orgasmen". Ob die stärker ausgeprägten Nervenstränge Resultat von Lernprozessen oder genetischen Voraussetzungen sind, lässt sich laut Matthew Sachs, einem der Autoren der Studie, nicht sagen. Dieses Problem gilt allerdings für alle Untersuchungen aus diesem Bereich, weil die konkrete Ausformung des Gehirns immer ein Ensemble aus biologischen, biografischen und gesellschaftlichen Faktoren ist.

Eine andere Studie aus dem vergangen Jahr hatte einen anderen interessanten Aspekt zu Tage gefördert. Menschen, die sich intellektuell mit Musik beschäftigen und daher zum Beispiel versuchen, Melodien vorherzusagen, haben in dem Experiment erst erst dann Gänsehaut bekommen, als die vorgespielten Lieder auf eine für sie positive Art und Weise von der erwarteten Strukturen abwichen.

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