So schmeckt der halbverdaute Katzenkaffee von Bali

Wegen der steigenden Nachfrage werden Fleckenmusangs auf Bali in Käfigen gehalten und regelrecht mit Kaffeekirschen gemästet. Es gibt zum Glück auch Ausnahmen.

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29 Juni 2016, 11:00am

Kaffee ist auf Bali eine ziemlich große Sache. Egal wo man ist, überall sind Schilder, die für Kaffee-Touren und kopi luwak werben. Kopi luwak ist eine regionale Kaffeesorte, die aus teilweise verdauten Kaffeekirschen gemacht wird. Für mich war das eher so ein Touristen-Gimmick, aber nach einer Weile auf Bali hat mich dann doch die Neugier gepackt und ich habe mir mal ein paar dieser Kaffeeplantagen angeschaut.

Auf balinesischen Kaffeeplantagen kommt dem luwak, dem Fleckenmusang, die wichtigste Bedeutung zu. Diese nachtaktive Schleichkatze isst nur die besten und reifsten Kaffeekirschen. Die Kaffeebohne selbst (also den „Kaffeekirschkern") kann sie aber nicht verdauen, also kackt sie sie wieder aus und zurück bleibt ein feinstes Häufchen Kaffeebohnen.

Die sagenumwobenen Kaffeekirschen. Alle Fotos von der Autorin

Damit müssen die Kaffeekirschen nicht mehr geschält und fermentiert werden, dem Fleckenmusang sei Dank. Außerdem soll der Kaffee aus halbverdauten Kaffeekirschen wegen bestimmter Magenenzyme des Fleckenmusangs nicht so bitter schmecken.

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Deshalb kostet dieser Kaffee schnell mal 50 Euro pro Tasse. Aber da seit ein paar Jahren die Nachfrage steigt, haben ein paar skrupellose Farmer wilde Fleckenmusangs in Käfige gesperrt und mästen sie regelrecht mit Kaffeekirschen, damit es auch immer genug Bohnen gibt.

Der Kot des Fleckenmusangs mit Premium-Kaffeebohnen

Eddie Sudana gehört glücklicherweise nicht dazu. Ihm gehört ein kleines Café in Canggu und sein Kaffee kommt von der 2,5 Hektar großen Plantage seiner Eltern in Plaga, einem kleinen Dorf eine halbe Stunde nördlich von Canggu. Der perfekte Ort für den Kaffeeanbau: ideales Klima und Vulkanboden.

Wir besuchen die Plantage an einem Sonntagmorgen, Eddies Mutter begrüßt uns freundlich, verschwindet dann kurz, nur um mit ein paar frisch gebrühten Tassen Arabica und ein paar Bananen zurückzukommen.

Eddie's mother

Eddie Sudanas Mutter gehört eine Kaffeeplantage in der Nähe von Canggu

Seit 30 Jahren gehört ihnen diese Plantage. Hier machen sie ihren kopi luwak: ohne Käfighaltung, nur mit wild lebenden Tieren.

Was er von kopi luwak aus Käfighaltung hält, frage ich Eddie. „Das ist doch Betrug. Ich sage meinen Eltern immer, dass sie es ohne Käfige machen sollen."

Seine Eltern sammeln zusammen mit ihren Angestellten am frühen Morgen die Katzenkacke, waschen sie und trocknen sie dann auf einem großen Rost bis zu zwei Wochen in der Sonne. (Zum Glück stinkt das nicht.) Wenn sie getrocknet sind, schickt Eddie die Bohnen zum Rösten ins nahegelegene Denpasar.

Die ausgeschiedenen Bohnen trocknen dann in der Sonne

Erntesaison für den kopi luwak ist zwischen Juni und September. Die fertigen Bohnen verkaufen sie dann über ihre Website an die Cafés und an eine Kaffeefirma aus Dubai.

Eddie will mir den Unterschied zwischen kopi luwak aus artgerechter und aus Käfighaltung zeigen und fährt mit mir noch zu zwei weiteren Plantagen. Die erste ist ziemlich klein und dreckig, die Fleckenmusangs werden in winzigen Käfigen in dunklen Räumen gehalten. Die zweite Plantage ist im Vergleich zur ersten wesentlich besser: Die Käfige sind größer, stehen im Freien und die Tiere haben eine kleine Schlafbox im Käfig. Der Anblick ist aber immer noch traurig. Die Fleckenmusangs fristen ein einsames Dasein und bekommen nur Kaffeekirschen zu essen.

Ein Fleckenmusang im Käfig

In freier Natur essen sie neben Kaffee auch noch Jackfrucht oder Mangos, hier in ihren Käfigen dürfen sie nur Kaffee essen—die Bohnen sind im Ergebnis schlechter.

Für kopi luwak gibt es kein wirkliches Zertifizierungssystem. Man weiß also nie, ob der Kaffee von einer Plantage wie der von Eddie Sudana oder aus grausamer Käfighaltung kommt. Heutzutage ist Letzteres—leider—am wahrscheinlichsten.

REZEPT: Vietnamesischer Eiskaffee

Später besuche ich Eddies Café, um seinen kopi luwak zu probieren. Die Kaffeekultur auf Bali ist riesig, auch dank des australischen Einflusses: Es gibt eher westliche Cafés mit den typischen Baristakreationen, aber auch warungs, kleine Verkaufsstände, wo man für wenig Geld eine ganze Mahlzeit bekommt. Bei Eddie kostet eine Tasse kopi luwak gut 2,50 Euro.

Kopi Luwak aus einer French Press in Eddies Café

Traditionell wird der Kaffee ohne Milch getrunken. In Eddies Café gibt es aber auch einen Flat White aus luwak-Bohnen, perfekt für bule, die Touristen. Ich entscheide mich für einen schwarzen Kaffee, um ihn richtig schmecken zu können. Ein ziemlich würziger Geschmack, ganz anders als der leckere Arabica, den wir auf der Plantage getrunken haben. Ich frage mich, ob kopi luwak nicht eher ein Statussymbol und weniger ein wirkliches Geschmackserlebnis ist.