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Ich habe 35 verschiedene japanische Softdrinks getrunken, damit ihr es nicht müsst

Manches war geschmacklich eher so Krematorium. Manches war lecker, manches war gesalzenes Wasser. Manches hätte man besser vorher geschüttelt.

von Adrian Weiß
15 August 2016, 11:00am

Adrian ist gerade in Japan. Für Munchies isst er sich durch das Land, weitere Texte werden folgen. Seine Reise dokumentiert er für uns auch auf Instagram (sogar zwei Mal) und bald auch auf Snapchat. Nachdem er beim letzten Mal in Japan gescheitert ist, will er nun alles besser machen.

Ich habe letztens auf Instagram mit Staunen festgestellt, dass Tokyo wohl mehr Restaurants als Ampeln hat. Man kann hier keine zehn Meter gehen, ohne nicht mindestens vier Möglichkeiten zu finden, sein Geld in Essen zu investieren. In einer Stadt wie Tokyo wird nicht an Superlativen gespart, deshalb wurde mir schnell klar, dass es eine Sache gibt, die es noch häufiger als Restaurants, also noch viel häufiger als japanische Ampeln, gibt. Ich rede hier von Softdrinks. Man kann hier keine fünf Meter gehen, ohne nicht mindestens acht Möglichkeiten zu finden, sein Geld in Getränke zu investieren. Das Angebot übersteigt die feuchtesten Träume eines Getränkehändlers und egal wo du dich befindest, in der Großstadt, auf dem Dorf, vor einem Tempel auf einem Berg mitten im Urwald – ein Getränkeautomat ist schon da und wartet auf dich.

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Inspiriert von einem kleinen, aber liebevollen Instagram-Movement, das sich #softdrinksamstag nennt und von einem meiner liebsten Freunde ins Leben gerufen wurde, hatte ich eine Idee: So viele Softdrinks wie möglich zu Trinken, sie bewerten und die besten und schlechtesten in einen Text samt Bilder zu packen. So einfach kann Qualitätsjournalismus sein. Was jetzt folgt, ist das who is who der japanischen Getränkeautomaten, die Crème de la Crème, danach ist alles klar. Also frag nicht, was für Saft.

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In jeder Familie gibt es schwarze Schafe, in der Calpis-Familie sind sie pink und schmecken nach Seife. Nach dem ersten Schluck war ich mir nicht sicher, ob ich nicht doch aus Versehen ein Shampoo in der Hand halte.

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Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Letztes Jahr habe ich mir genau eine Flasche Pocari Sweat gekauft und danach nie wieder. Der stark salzige Geschmack hat es in sich, kombiniert mit dem Namen, denkt man tatsächlich erstmal an gemolkene Achselhöhle. Diesen Sommer sieht es schon besser aus. Das isotonische Getränk versorgt den Körper mit ausreichend Elektrolyten und schmeckt bei 36 Grad gar nicht mal so schlecht.

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Lord please have mercy, denke ich mir kurz bevor ich die Dose öffne. Original Bionic Drink und 7 Amino Acids steht noch auf der Dose. Der Geschmack hingegen bleibt unter den Erwartungen, schon fast angenehm für einen Energy-Drink. Danke Jesus.

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This cider is made from clear water – dieses Qualitätsmerkmal ist ansprechend. Das ganze schmeckt aber eher nach Kaugummi und viel mehr nach Energy-Drink als der Lifeguard von oben. Das kalte klare Wasser, das für diesen Cider benutzt wurde, sollte wohl noch einmal untersucht werden.

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Spätestens hier wäre es natürlich schlau gewesen, einen Übersetzter einzuschalten, aber gleichzeitig auch viel langweiliger. Um was auch immer es sich hierbei gehandelt hat, dieser Softdrink bleibt mein heimlicher Star. Leichtes Zitronensorbetaroma, perfekte Kohlensäure. Ein guter Softdrink.

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Das offizielle Getränk eines jeden Pfandhauses. Farblich hatte die Flüssigkeit leider eine viel größere Verwandtschaft zu einem Toilettenhäuschen und geschmacklich eher so Krematorium. Mit Abstand der schlechteste Kandidat in der Liste. Weit entfernt von einer Bronzemedaille, trotz Gold.

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Leider habe ich nicht auf der Rückseite gelesen, dass man das Getränk vorher schütteln muss. Die feste geleeartige Maße lässt sich nur aus der Öffnung saugen. Schmeckt etwas wie ein vergorener Ayran, nur als Pudding. Die kalte Dose eignet sich wenigstens hervorragend zum Kühlen eines der unzähligen Mückenstiche.

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Diese Dose hat allein aufgrund ihrer Haptik schon gewonnen. Ansonsten schmeckt sie so, wie fast alle Eiskaffees, die man in unzähligen Farben und Namen in den Automaten hier findet. Kalt, viel Zucker, sehr, sehr gut.

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Ich habe mittlerweile über 35 verschiedene Getränke ausprobiert und könnte hier ewig weitermachen. Eine Liste mit 10 Kandidaten scheint aber durchaus perfekt für die Generation Buzzfeed. Wer sich für mehr Getränkerezessionen interessiert, kann meinem Japantrip auf Instagram folgen und sich auch schon bald auf ein Snapchat-Spezial (@vice_de) freuen. Prost.

munchies_japan
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