Die Verpflegung bei den Olympischen Spielen in Rio ist das reinste Chaos

Ein Kanufahrer kentert, weil unter Wasser ein Sofa steht. Das olympische Dorf fängt Feuer. Es läuft nicht perfekt, auch Essen zu bekommen ist ungemein schwer.
11.8.16

Hätte man als Zuschauer überhaupt Lust auf eine große Sportveranstaltung, bei der es keine Aussicht auf leckere Brezeln und kaltes Bier (zu überteuerten Preisen) gibt?

Genau diese Frage haben sich nun bestimmt auch große Teile des Publikums der Olympischen Spiele in Rio gestellt, nachdem klar geworden war, dass dort schon beim bloßen Kauf eines einzigen Getränks das Chaos auszubrechen droht.

Egal ob es nun darum geht, dass ein olympischer Kajakfahrer wohl aufgrund eines unter Wasser liegenden Sofas kenterte oder dass Teile des noch unfertigen Olympischen Dorfs Feuer fingen, man hat schon viel über die mangelhaften Zustände bei den diesjährigen Olympischen Spielen gehört.

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Leider hat es nun den Anschein, dass sich diese verhunzte Organisation auch auf die Zuschauerverpflegung in den verschiedenen Sportstätten auswirkt. So gibt es nämlich diverse Berichte darüber, wie sich das hungrige und durstige Publikum mit endlosen Warteschlangen, einem unnötig komplizierten Bezahlsystem sowie akutem Essensmangel konfrontiert sieht.

Nachdem am Samstag schon Beschwerden über regelmäßige Wartezeiten von bis zu 50 Minuten vor den Essensständen aufgekommen waren, weiß man nun auch, dass einigen der Verkäufer bei den Tennis- und Rugbyspielen schon frühzeitig das Essen ausging. Der Zeitung Sydney Morning Herald hat man erzählt, dass eine Speise, die man beim Frauen-Basketballspiel zwischen Australien und Brasilien am Samstag noch als verfügbar deklariert hatte, erst wieder am Dienstag geliefert werden konnte. Und auch in der Future Arena mussten diverse Stände am Samstag früher schließen, weil kein Essen mehr da war.

Schon am Freitag ging dem Maracanã-Stadion bereits eine Stunde vor der Eröffnungszeremonie das Essen aus.

In der Sydney Morning Herald heißt es auch, dass ein Sprecher des Organisationsausschusses der Olympischen Spiele am Samstag davon sprach, dass man sich bei bei den Lieferanten erkundigen würde, warum nicht genügend Essen vorhanden sei. Besagter Sprecher meinte dann noch: "Ich habe bis jetzt noch keine finale Antwort erhalten. Ich wies sie jedoch auch dazu an, dass solche Probleme bis heute gelöst sein sollten, weil sie schwierige Bedingungen zur Folge haben."

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Neben den verschiedenen Zwischenfällen in Bezug auf Essensmangel hat sich aber auch viel Wut aufgrund langer Warteschlangen und eines unnötig aufwendigen Kaufsystems (die Zuschauer bezahlen erst bei einer sogenannten Caixa [Kassierer] und holen sich ihr Essen oder Getränk dann an einem komplett anderen Stand) angestaut. Beim Basketballspiel zwischen den USA und China musste das Publikum am Samstag sogar in drei verschiedenen Schlangen anstehen, weil die Drucker der Essensmarken ausgefallen waren. Dazu kommt dann noch, dass dieses System keine Änderungen der Bestellungen oder ein Ausgehen bestimmter Speisen vor dem Abholen berücksichtigt.

Die Organisatoren der Spiele haben sich schon bei den Zuschauern entschuldigt, die Teile des sportlichen Spektakels aufgrund der lange Warteschlangen verpasst haben. "Wir sind uns der Probleme und der Frustration bewusst. Wir haben die zuständigen Behörden bereits dazu aufgefordert, mehr Mitarbeiter bei den Sicherheitskontrollen einzustellen, um den Einlass schneller und effektiver zu machen. Durch diese Verbesserungen sind die Schlangen jetzt wieder auf eine normale Länge zurückgegangen. Wir bedanken uns bei den Fans für ihr Verständnis und die aufgebrachte Geduld."

Mario Andrada, der Kommunikationsdirektor der Spiele, schlug in die gleiche Kerbe, als er am Sonntagmorgen während einer Pressekonferenz davon sprach, dass man dem Logistikteam 100 zusätzliche Mitarbeiter zugewiesen hätte.

Dieser Schritt war allerdings doch relativ nutzlos, wenn man bedenkt, dass noch am gleichen Tag die Beförderungs-App der Olympischen Spiele abstürzte und so unzählige Mitarbeiter und Freiwillige die Navigation und die Erklärung des Zeitplans selbst in die Hand nehmen mussten.

Zwar haben die Olympischen Spiele erst begonnen, aber es hat den Anschein, als seien das Chaos bei der Zuschauerverpflegung und die mangelhafte Organisation nicht nur kleinere Startschwierigkeiten.