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Diese futuristischen Cyborg-Käfer sollen Leben retten

Wissenschaftler können den Flug echter, verkabelter Insekten mit einem Wii-Controller komplett fernsteuern. Eines Tages sollen sie in Erdbebengebieten oder zur Terrorismusbekämpfung eingesetzt werden.

von Madison Margolin
05 Januar 2017, 6:00am

Bild: Motherboard

Die Zukunft kommt auf sechs Beinen auf uns zugekrabbelt: Drähte ragen aus den kleinen Körpern der Cyborg-Käfer, jede Beinbewegung, jeder Flügelschlag kann von Menschenhand gesteuert werden. Was klingt, als wäre es einem Science-Fiction-Film entsprungen, ist schon heute Realität. Der Ingenieur für Luft- und Raumfahrt Dr. Hirotaka Sato und sein Team an der Technischen Universität Nanyang in Singapur verwandeln Insekten in lebende Roboter, indem sie ihre Motorik durch elektrische Impulse kontrollieren. Die Erwartungshaltung an die krabbelnden und fliegenden Cyborgs ist groß: Sie sollen eines Tages Menschenleben retten. Motherboard ist nach Singapur gereist, um die beeindruckende Arbeit der Forscher unter die Lupe zu nehmen.

Um die komplette Kontrolle über die Käfer zu erlangen, studierten die Forscher zuerst den genauen Muskelaufbau, die neuronalen Netze und Beinbewegungen der Insekten, bevor sie ihre Testobjekte verkabelten. Tatsächlich können die Forscher nun jede Bewegung per Knopfdruck exakt steuern, sowie die Schnelligkeit und Flugrichtung der Käfer mit einem Wii-Controller manipulieren.

Im Endeffekt werden die Insekten zu ferngesteuerten Robotern. Obwohl die Käfer über Elektroden kontrolliert werden, generieren sie ihre Energie nach wie vor über die Nahrung, die sie zu sich nehmen. Somit treiben die Insekten ihre Muskeln selbst an, obwohl sie keinerlei Kontrolle über ihre Bewegungen haben.

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Für alle, die sich jetzt um das Wohl der Käfer sorgen: Die Verwandlung in Cyborgs scheint für die Insekten weit weniger schädlich zu sein, als man vielleicht denken mag. Ihre Lebenserwartung beträgt unter normalen Umständen drei bis sechs Monate—doch auch nach der Verdrahtung im Labor können sie noch mehrere Monate weiterleben. Den Forschern zufolge ist noch nie ein Käfer unmittelbar nach der Stimulierung gestorben.

Die Arbeit von Dr. Sato und seinem Team mag auf den ersten Blick vielleicht absurd wirken, und doch soll sie eines Tages Großes für die Gesellschaft leisten: So sollen die Käfer mit Wärmesensoren ausgestattet werden, die zum Aufspüren von Menschen genutzt werden können. Somit könnten die Käfer in der Katastrophenhilfe zum Lokalisieren von Erdbebenopfer oder aber auch in der Strafverfolgung als fliegender Spähtrupp zum Einsatz kommen.

Auch wenn die Einsatzmöglichkeiten für ihre Technologie sehr vielfältig sind, bestehen die Forscher vehement darauf, dass ihre Cyborg-Käfer ausschließlich für friedliche Zwecke entwickelt werden. Und wer weiß, in welche Richtung sich ihre Arbeit in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln wird? Wenn man bedenkt, mit welcher beeindruckenden Präzision das Team schon heute jede Bewegung der Käfer steuern kann, scheint es nicht abwegig, dass das gleiche Prinzip eines Tages auch auf größere Lebewesen angewandt werden könnte.

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