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Popkultur

Hangover-News, 20. März 2017

Martin Schulz ist zu 100 Prozent Kanzlerkandidat, die Briten planen den Tod der Queen, die evangelische Kirche verbietet Kondome und Gentrifizierungsgegner wollen aus Protest eine Brücke vollpinkeln.

von Christian Fahrenbach
20 März 2017, 7:43am

Zum Wochenstart sagen wir: GLÜCKWUNSCH! Wir alle zusammen haben den Winter hinter uns gebracht, für Astronomen beginnt am heutigen Montag exakt um 11.28 Uhr der Frühling, all die kleinen Overachiever da draußen können also endlich mit dem Frühlingsputz loslegen.

Zum Thema Tatkraft passt auch Martin Schulz, schließlich strahlt momentan keiner so viel Siegesgewissheit aus wie "Mega-Martin", der "Obama aus Würselen". Er ist mit 100 Prozent der abgegebenen Stimmen zum Parteivorsitzenden der SPD gewählt worden – und darum kümmern wir uns in den Hangover-News heute genauso wie um die Pläne für den Tod von Queen Elizabeth II oder um die Frage, warum die evangelische Kirche Kondome verbietet.

Die SPD veranstaltet für Martin Schulz eine Krönungsmesse

Foto: imago | Christian Thiel

153 Jahre ist die SPD alt, aber sowas ist der Partei noch nicht passiert: Bei der Wahl zum neuen Vorsitzenden bekommt ein Kandidat alle möglichen Stimmen.

Kurz danach haben die Delegierten beim Sonderparteitag am Sonntag in Berlin Schulz ebenso geschlossen zum Kanzlerkandidaten erklärt

72 Minuten dauerte seine anschließende Rede. Darin hat er unter anderem seine innere Julia Roberts gechannelt und seine Herkunft betont: "Nun stehe ich hier vor euch: ein Mann aus Würselen".

Im Rest der Ansprache bemühte Schulz die größten SPD-Schlager der letzten Jahrzehnte: Dem "harten Arbeiter" müsse es wieder besser gehen, Familien sollen entlastet, Gewerkschaften gestärkt werden. Je nach Betrachtung fanden das Kommentatoren inhaltlich "Hausmannskost" oder authentisch sozialdemokratisch.

Konkrete Zahlen und Vorschläge blieb Schulz weiter schuldig, aber auch ohne sind ja die steigenden SPD-Umfragewerte für seine Fans Grund zur Hoffnung. Rund 13.000 Menschen sind seit Jahresbeginn in die Partei eingetreten. Fazit zur Zeit: Der Mann ist everybody's darling

London Bridge Down – Guardian veröffentlicht Geheimplan für den Tod der Queen

Foto: imago | i Images

"London Bridge is down" – das ist kein Hinweis aus dem Verkehrsfunk, sondern ein geheimer Code, mit dem der britischen Premierministerin Theresa May der Tod von Queen Elizabeth II mitgeteilt werden soll. Zumindest galt das bis jetzt, der Spruch war Top Secret, aber jetzt hat der Guardian veröffentlicht, was in England passieren soll, wenn die Queen stirbt.

"The royal standard will appear on the screen. The national anthem will play. You will remember where you were", heißt es darin. Weil die Nachrichtenlage so extrem sein wird, proben Sender immer mal wieder den Ernstfall. Unter anderem wird verraten, dass der Café-del-Mar-Gassenhauer "Haunted Dancehall (Nursery Remix)" von Sabres of Paradise ein Song auf den Playlists von Radiosendern ist. Die britische Times hat angeblich Sonderberichterstattung für elf Tage geplant.

Am neunten Tag nach dem Tod soll die Beerdigung stattfinden. "Um 11 Uhr, wenn der Sarg die Türen von Westminster Abbey erreicht, wird das Land innehalten. Auf Bahnhöfen werden die Ansagen verstummen. Busse werden anhalten, ihre Fahrer werden aussteigen."

Elizabeth II ist seit dem 6. Februar 1952 die Königin von Großbritannien, seit mehr als 65 Jahren. Wikipedia kennt gerade einmal neun andere Staatsoberhäupter in der Geschichte der Menschheit mit längerer Amtszeit.

Der Artikel über ihren Tod ist nicht nur tausendfach geteilt worden, er hat auch einige massiv irritiert – noch ist die Queen schließlich wohlauf.

Kirche verbietet Luther-Kondome

Kleiner Geschichtstest aus der Rubrik "Wer hat's gesagt?". Von wem stammt: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders"? Wer jetzt Martin Luther rät, der ist auf einer Linie mit einer evangelischen Jugendgemeinde aus der Nähe von Düsseldorf. Die fanden den Spruch so gut, dass sie ihn auf Kondomverpackungen drucken ließen und diese in Jugendhäusern verteilten. Auch "Für Huren und Heilige" hat es auf die Hüllen geschafft – Jokes, die auf einer inzwischen aus dem Netz genommenen Seite erklärt wurden. Die Aktion war zum 500-Jahre-Jubiläum von Luthers 95 Thesen zur Reformation der Kirche gedacht.

Jetzt aber hat die Evangelische Landeskirche im Rheinland den Schwanz eingezogen (scnr) und die Aktion gestoppt.

Die Kirchenleitung war sauer, die Sprüche seien sexistisch, hieß es zur Begründung.

Der Spruch ist übrigens nicht belegt. Luther hat ihn nicht wie immer behauptet beim Reichstag zu Worms gesagt. Vermutlich hat man sich ihn nur ausgedacht, um die Story für die Presse etwas aufzubauschen – Fake News 0.0, quasi.

Pissmob aus Protest: Berliner wollen Admiralbrücke anpinkeln

Gentrifizierung pisst sie an! Einige Anwohner rund um die Admiralbrücke in Berlin-Kreuzberg sind genervt von den Horden junger Leute, die im Sommer auf der Brücke sitzen, Musik spielen und trinken.

Foto: imago | Rech

Deshalb hat User entellegent bei Facebook für den 20. April das große "Admiralbrücke-Anpinkeln" ausgerufen.

Die Idee: Einfach vor den abendlichen Besuchern die Brücke vollstrullern: "Kennt ihr den Moment, wenn ihr über die Admiralbrücke lauft, hippe Menschen auf dem Boden sitzen, schlechte Singer-Songwriter (die ihren Vor- und Nachnamen als Künstlernamen benutzen) Gitarre spielen und alle sich darauf feiern, wie 'amazing' Berlin ist? Wäre dieser Moment nicht viel schöner, wenn ihr wüsstet, dass am Abend zuvor 200 Menschen, leicht angetrunken, alles vollgepinkelt haben?" Rund 260 Zusagen gibt es bereits – ob die Aktion allerdings ernst gemeint ist, geht aus der FB-Page nicht hervor.

Falscher Kaviar für Kim Jong-un: Chemnitzer vor Gericht

Alliterationsalarm gibt es aber nicht nur beim Berliner Protest-Pissmob, sondern auch vor dem Landgericht Chemnitz: Dort müssen sich drei Senioren verantworten, weil sie dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un Kaviarersatz und Whisky geschickt haben sollen.

Das gibt Ärger, weil aufgrund von Handelssanktionen keine Luxusgüter dorthin gesendet werden dürfen – das Gericht muss nun also entscheiden, ob Whisky und Fake-Kaviar schon als Luxus gelten.

In erster Instanz wurde die Hauptangeklagte schon zu zwei Jahren Haft verurteilt, jetzt geht's darum, ob das Urteil Bestand hat. Wir wünschen euch eine Woche mit mehr Luxus als falschem Kaviar.

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