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10 Fragen

10 Fragen an einen Schönheitschirurgen, die du dich niemals trauen würdest zu stellen

Bist du selbst operiert? Was war die abgedrehteste Anfrage? Wie reich bist du? Und was passiert mit dem abgesaugten Fett?

von Wlada Kolosowa
01 März 2017, 8:15am

Horst Galuschka

Afschin Fatemi hat in seinem Leben über 3.000 Liter Körperfett abgesaugt – gut 20 Badewannen voll. Fatemi ist Facharzt für Dermatologie in Düsseldorf, seit 20 Jahren saugt er Fett ab, macht Faceliftings und Lidkorrekturen. Vor 15 Jahren hat er die Schönheitsklinik-Kette S-thetic gegründet, die es inzwischen in zwölf deutschen Städten gibt. Laut der FAZ wurden 2011 in seinen Kliniken 10.000 Patienten operiert – dazu kommen nicht-chirurgische Eingriffe. Ein Facelift koste bis zu 14.000 Euro, eine Fettabsaugung um die 5.000 Euro.

Die Deutschen stecken jedes Jahr über 800 Millionen Euro in Schönheitseingriffe, Tendenz steigend. Die beliebteste OP ist die Brustvergrößerung, aber diese macht Fatemi, 44, nur mit Eigenfett. Fatemi wirbt für sich und seine Klinik: Er hat er schon mal bei TV Total über seine eigene große Nase gescherzt, riet dem Moderator Frank Plasberg, sich das Doppelkinn wegmachen zu lassen, und lebte für das RTL-Format Secret Millionaire eine Woche lang das Leben eines Asylbewerbers. Auch auf unsere Anfrage reagiert er nach nur zehn Minuten und telefoniert mit uns direkt nach einer OP.

VICE: Was war die abgedrehteste Anfrage, die du bekommen hast?
Afschin Fatemi: Einmal wollte ein Patient alle Zehen amputiert bekommen, weil er fand, dass der Fuß so schöner aussah. Und neulich kam jemand mit einer Manga-Zeichnung, weil er aussehen wollte wie sein Comic-Idol. Ich habe die Person nach Hause geschickt – ich kann ihm ja schlecht die Nase auf diese Mikrogröße wegschneiden. Überhaupt finde ich es schwierig, wenn Menschen ihre Idole als Vorlage mitbringen – momentan stehen Kim Kardashian und Kylie Jenner hoch im Kurs. Ein J-Lo-Hintern ist vielleicht noch machbar, aber wenn jemand die Augenpartie oder die Lippen eines bestimmten Stars möchte, muss ich oft sagen: "Das Foto, das du mitgebracht hast, wurde nachbearbeitet, da ist kaum noch etwas Reales dran."

Bist du selbst operiert?
Ich habe schon Botox ausprobiert, mir ein paar Haare mit dem Laser weggeschossen und ein paar Muttermale weglasern lassen. Größere Eingriffe hatte ich noch nicht, aber ich könnte mir das gut vorstellen. Jemand, der auf dem Gebiet arbeitet und sich nicht operieren lassen will, ist entweder super zufrieden. Oder es stimmt was nicht und er hat kein Vertrauen in die eigenen Methoden. Sollte ich Schlupflider oder Tränensäcke bekommen, kommen sie weg. Auch weil ich neugierig bin, wie sich der Eingriff anfühlt, den ich oft bei anderen mache.

Hast du schonmal Eingriffe gemacht, die du selbst absolut überflüssig fandest?

Vor vielen Jahren habe ich eine Gesichtsstraffung gemacht, die meiner Meinung nach unnötig war. Ich war mit der Patientin privat sehr gut befreundet und wollte nicht Nein sagen. Ich hatte aber kein gutes Gefühl dabei und es wurde auch schwierig. Es lief nicht gut, die Narben sind nicht so schnell abgeheilt. Das Ganze hat mir ein paar schlaflose Nächte bereitet. Inzwischen kommt es jeden Tag vor, dass ich Behandlungen absage. Aber ich kann nicht einfach sagen: Das mache ich nicht, tschüs. Ich muss die Leute beraten. Oft gehen Patienten trotzdem zum nächsten Arzt. Zwei oder drei Mal im Jahr habe ich welche, bei denen ich denke, dass sie einen Psychiater nötiger haben als einen Schönheitschirurgen. Es gibt zum Beispiel eine psychische Störung, Dysmorphie, bei der Patienten einfach alles an sich hässlich finden. Aber ich kann sie ja nicht zwangseinweisen.

In einem SAT1-Beitrag haust du bei einem Shoppingtrip 210.000 Euro für eine Halskette raus. Wie reich bist du?
Ich habe keinen Pool, privat fahre ich einen Mini. Ich verdiene sicherlich viel mehr als ein durchschnittlicher Stationsarzt. Aber ich bin ja auch kein durchschnittlicher Schönheitschirurg. Sagen wir es so: Es reicht für die Butter auf dem Brot und auch für die Marmelade. 

Denkst du oft, wenn du neue Menschen triffst: Da sollte man mal was machen?
Früher habe ich tatsächlich oft gedacht: Da könnte ich dies, da könnte ich jenes. Inzwischen scanne ich die Gesichter nicht mehr. Nur wenn ich schlechte OPs sehe, denke ich: Das würde ich besser machen. Es gibt so viele Negativbeispiele. Da muss man nur ins letzte Dschungelcamp gucken. Florian Wess hat es definitiv mit Botox übertrieben, Kader Loth und Gina-Lisa müssen auch aufpassen. 

Hast du Angst, dass Frauen sich nur an dich ranmachen, damit du sie preiswerter operierst?
Es kann schon sein, dass es ein paar Mal in meinem Leben vorgekommen ist. Ein Schönheitschirurg in den USA, bei dem ich gelernt habe, sagte: Lass dich nie auf Frauen ein, die Patientinnen sind, oder sein könnten. Entweder wollen sie die OP billiger. Oder sie wollen erzählen, dass die den Schönheitschirurgen rumbekommen haben. 

Was ist die ekligste aller Schönheits-OPs?
Beinverlängerung finde ich schlimm. Da werden Knochen gebrochen und dann an einem Stahlskelett befestigt und auseinander gezogen. Und das alles nur für ein paar Zentimeter Beinlänge. Schlimm ist es auch, wenn Flüssigsilikon direkt in den Po oder ins Gesicht gepumpt wird. Seriöse Ärzte machen das nicht. Der Körper akzeptiert das oft nicht und stößt es ab. Wenn ich das Ganze rausoperiere, ist es entzündet, mit Abszessen und gelblich-grünem Eiter. Es stinkt schrecklich. 

Schon Hassnachrichten von Patienten bekommen, die unglücklich mit ihrem neuen Äußeren waren?
Wenn ein Arzt erzählt, dass er noch nie einen unzufriedenen Patienten gehabt hat, dann ist er entweder Gerichtsmediziner – oder er lügt. Gehasst hat mich, glaube ich, noch keiner. Aber manchmal schreiben Patienten: Ich bin unglücklich. Und das auch mal in einem härteren Ton. Dann suchen wir nach Lösungen. Wenn zum Beispiel eine nicht-operative Hautstraffung nicht so gut funktioniert hat wie gehofft, machen wir die zweite Behandlung gratis. 

Wie alt war dein jüngster Patient?
Ich habe schon einmal bei einem Baby einen Blutschwamm entfernt – das ist so ein roter Knoten auf der Haut. Und ich habe schon Eingriffe bei Jugendlichen gemacht, die wegen übermäßigem Schwitzen kamen. Dann kann man Botox unter die Achsel spritzen oder die Schweißdrüsen mit einer speziellen Mikrowellen-Technologie zerstören. Klassische Schönheits-OPs mache ich aber erst ab 21. Anders, als das in den Medien dargestellt wird, gibt es kaum optimierungswütige Eltern, die ihre Kinder zu mir bringen. Ich hatte bisher nur drei 16-Jährige, die mit ihren Müttern kamen. In allen Fällen ging es um Fettabsaugung und man merkte, dass es die Töchter waren, die ihre Mütter überzeugt hatten und nicht andersherum. Ich habe es abgelehnt. 

Was passiert mit dem abgesaugten Fett?
Er kommt in den Sondermüll, der dann direkt in die Müllverbrennungsanlage kommt. Man könnte das Fett nicht klauen und zu Seife verarbeiten wie bei Fight Club – wir haben Schlösser an den Tonnen. Aber es kommt schon einiges zusammen. Bei einer durchschnittlichen Liposuktion werden ein bis anderthalb Liter Fett abgesaugt – das sind zwei bis drei Packungen Rama. An einem guten Tag haben wir also 15 bis 20 Liter Fett.

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