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11 Dauerkarten am ersten Verkaufstag: Bei Lazio gehen die Lichter aus

Dem stolzen Traditionsklub Lazio Rom rennen die Fans weg. Schuld daran hat vor allem ihr verhasster Präsident und ein echtes Trainer-Debakel.
20.7.16
Foto: imago

Kein Wunder, dass Miro Klose kein Bock mehr auf Lazio hatte. Der alte Mann muss gespürt haben, dass sich bei den Himmelblauen ein schwerer Sturm zusammenbraut. Ein Sturm der Fan-Entrüstung, der dieser Tage so schwer wütet, dass sich am ersten Tag nach dem Verkaufsstart genau elf—ja, genau 11!!!—Lazio-Seelen eine Dauerkarten zulegen wollten. Wie erbärmlich die 11 Karten wirklich sind, wird nochmal extra deutlich, wenn man sich anschaut, wie viele Dauerkarten am ersten Tag des Verkaufsstarts vor genau einem Jahr über den Ladentisch gegangen sind: 12.800. Das entspricht einem Rückgang von 99,9 (!) Prozent. Beim stolzen Hauptstadtclub gehen die Lichter aus.

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Dabei ist die Entwicklung eigentlich keine Überraschung. Angefangen damit, dass die letzte Saison für den Serie-A-Meister von 2000 eine einzige Enttäuschung war. Nicht nur, dass man auf Platz 8 landete und so die Teilnahme am europäischen Wettbewerb verpasste. Man blieb auch sage und schreibe 26 Punkte hinter dem verhassten Lokalrivalen AS Rom zurück.

Dazu brodelt es schon lange zwischen Präsident Lotito und der Anhängerschaft, die ihrem Präsi falsche Versprechen, die Zerstückelung der Curva Nord und eine schlechte Vereinsführung vorwerfen. Falsche Versprechen warf ihm auch Marco Bielsa vor. Der wurde Anfang Juli als neuer Trainer und Nachfolger von Interimscoach Simone Inzaghi vorgestellt, schmiss aber nach nur 48 Stunden im Amt wieder das Handtuch. Ihm seien von Lotito zum Trainingsbeginn fünf neue Spieler versprochen wurden, die aber nie kamen. Das Standing der Vereinsführung ist durch diese Blamage bei den Fans der Biancocelesti erwartungsgemäß nicht unbedingt gestiegen.

Lotito = Stück Scheiße. Foto: imago.

Schon seit Wochen machen die Fans mit Protestaktionen ihrem Unmut Luft. Im norditalienischen Auronzo, wo Lazio seit 2008 sein Sommertrainingslager abhält, sind die Wände der beschaulichen Gemeinde mit Anti-Lotito-Plakaten übersät. Auch Sportdirektor Igli Tare, der viele Jahre in der Bundesliga gespielt hat, kriegt sein Fett weg:

— Lazionews24 (@LazioNews_24)July 10, 2016

Übersetzt: Schande! 12 Jahre Lügen und Unwahrheiten, Lotito und Tare, raus aus dieser Stadt!

Genau diese Fan-Ablehnung spiegelt sich in den Verkaufszahlen der Dauerkarten wider. Andererseits passt das durchaus zur allgemeinen Entwicklung bei den Himmelblauen. In der vergangenen Saison wollten im Schnitt nur 21.000 Fans ihre Mannschaft im 73.000 Zuschauer fassenden Stadio Olimpico anfeuern. Zum Vergleich: Zur Jahrtausendwende waren es noch circa 53.000 Fans. Doch auch andere italienische Vereine haben mit einem andauernden Zuschauerschwund zu kämpfen. Fan-Gewalt, hohe Eintrittspreise und marode Stadien sind dafür verantwortlich.

Und die nächste Hiobsbotschaft für Lazio steckt schon in der Pipeline.

EM-Teilnehmer Antonio Candreva will Lazio unbedingt verlassen. Erst war er sich fast schon mit dem SSC Neapel einig, doch der Deal platzte. Jetzt will er unbedingt zu Inter, aber zwischen den Zeilen kann man auch lesen: Er will einfach nur weg. Sollte Candreva gehen, könnte das einen regelrechten Massenexodus von Lazios Schlüsselspielern auslösen. Und dann wäre wohl der Abgrund das Limit.

Lazio, quo vadis?