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Hull Citys Tigerproblem

Hulls Vereinsboss Assem Allam wollte seinen Verein nach amerikanischem Franchise-Vorbild Hull Tigers nennen. Fans protestierten und die FA schmetterte die Forderung ab. Dafür kommt jetzt ein Trikotsponsor aus dem Tierreich, der nicht minder peinlich...
15.7.15
Imago/ Panoramic International

Seit Samstag steht fest: Nur weil sich beim englischen Premier League-Absteiger Hull City besonders ein Mensch wie ein unzähmbares Raubtier aufführt, darf der Verein trotzdem nicht Hull Tigers heißen. Hull City's Klub-Besitzer Assem Allam wollte den Verein offiziell in Hull Tigers umbenennen und ist beim englischen Fußballverband FA gescheitert. Dabei war es nicht der erste Versuch von Allam.

Bereits im August 2013 war der Verein als „Hull City Tigers" neu registriert worden, allerdings darf der Klub nur mit der Genehmigung der FA unter der neuen Firmierung seine Spiele bestreiten. Im letzten Jahr hatten sich 63,5 Prozent der FA-Ratsmitglieder in einer Abstimmung gegen einen Namenswechsel entschieden. Allam legte Einspruch gegen die Entscheidung ein. Am Wochenende stimmten sogar 69,9 Prozent der FA-Ratsmitglieder auf Empfehlung ihres Mitgliedschaftsausschusses gegen die Namensänderung.

Mit der Namensänderung soll der Verein laut Klub-Boss Assem Allam auf längere Sicht besser zu vermarkten sein. Gerade international hätte der Spitznamen einen hohen Wiederekennungswert. Viele Premier League-Klubs, die meist von Investorengruppen oder Mäzenen geführt werden, wollen mit der noch stärkeren internationalen Vermarktung des omnipräsenten Produktes Fußball ordentlich Geld machen. Vorbild—nicht nur für Allam—sind die erfolgreichen Franchises aus dem US-Sport. Dort sind Teamnamen oftmals die halbe Miete, wenn es um den Wiedererkennungswert der eignen Marke geht.

Vor allem das Mutterland des Fußballs England befindet sich in einem ständigen Zwiespalt. Auf der einen Seite lieben die traditionsbewussten englischen Fußballfans ihre Heimatvereine, die zu den ältesten der Welt gehören. Auf der anderen Seite ist die englische Premier League die reichste und wohl auch beste Liga der Welt. Sie ist die Sperrspitze des globalisierten und durchkommerzialiseirten Produkts Fußball und setzt meistens Maßstäbe für alle anderen Fußballligen. Vor allem der Blick in den Profisport der USA ist für Verband, Liga und Vereine richtungsweisend.

Der Verein aus Kingston upon Hull im Nordosten Englands, der im Jahr 2008 erstmals in die Premier League aufstieg, belegte in dieser Saison den 18. Tabellenplatz und stieg in die zweitklassige Championship ab. Seit Ende 2010 gehört der Verein dem gebürtigen Ägypter und britischen Geschäftmann Assem Allam. Nach dem zweiten fehlgeschlagenen Versuch einer Namensänderung lässt scheinbar das Interesse des seit 1969 in der Region um Kingston upon Hull ansässigen Geschäftmannes nach. Der 75-Jährige droht immer wieder den Verein zu verkaufen, wenn es nicht zu einer Namensänderung kommen sollte.

Den Spitzname „The Tigers" erhielt der Verein schon vor Jahren, da Hull City traditionell mit schwarzen Trikots und bernsteinfarbenen Streifen aufläuft. Unternehmer Allam sieht es ökonomisch. „Es liegt an mir. Niemand in der Welt wird für mich entscheiden, wie ich mein Unternehmen zu führen habe", sagte er mal vor einiger Zeit. Die Fans von Hull City wehren sich jedoch vehement gegen die Namensänderung. Im Stadion werden regelmäßig Banner gezeigt. In Internetforen versucht man auf die Tradition des 111-jährigen Vereins hinzuweisen. Im Rahmen der Abstimmung der FA entschieden sich auch die Mitglieder des offiziellen Supporters Club von Hull City mit 459 zu 245 Stimmen gegen die Namensänderung. Das Scheitern ihres Vereinsbosses bei der FA galt als Erfolg.

When you are relegated from the Premier League your choice of shirt sponsor becomes limited: http://t.co/rcylN7OZad pic.twitter.com/lqzwwBbOsE
— Footy Headlines (@Footy_Headlines) 10. Juli 2015

Lange konnten die Fans von Hull City aber nicht feiern. Unter Protest stellte der Verein diese Woche einen neuen Trikotsponsor für die kommende Saison vor. Der Vergnügungspark und Zoo „Flamingo Land" prangt mit seinem Schriftzug unter dem Tiger-Wappen. Das Internet macht sich seit Tagen über die neuen hässlichen Trikots lustig. Ob Klub-Boss Allam den Deal nur eingefädelt hat, weil der meistbesuchte Zoo Großbritanniens auch Sumatra-Tiger beherbergt, ist nicht bewiesen. Vielleicht erzählt er das nächstes Jahr, wenn er es mit der Namenänderung zum dritten Mal versucht.

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