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Virgin Galactic will dich in zwei Stunden von Berlin nach Australien fliegen

Richard Branson möchte mit seiner neuen Weltraumairline auch Flugverbindungen rund um den Globus anbieten.

von Jason Koebler
25 September 2014, 8:08am

Bild: Jason Koebler

Der nicht unbedingt für seine Bescheidenheit bekannte Unternehmer Richard Branson hat sich mit Virgin Galactic den bemannten Weltraumtourismus zum Ziel gesetzt. Aber teure Tourismusflüge sollen noch lange nicht alles sein. Virgin Galactic möchte auch als Airline fungieren und so zum Beispiel Flugverbindungen von Los Angeles nach Tokio durch den Weltraum in einer Stunde anbieten.

Für den Flug wird ein ähnliches Startsystem verwendet wie auch schon beim SpaceShipTwo. Ein großes Flugzeug lässt das Shuttle sprichwörtlich mitten in der Luft fallen, welches daraufhin einen Hybridraketenantrieb zündet und ins All abdüst. 

Solch ein Antrieb kann dich innerhalb von zwei Stunden von Berlin nach Australien befördern, erzählte George Whitesides, der Geschäftsführer von Virgin Galactic, bei einer Unternehmensveranstaltung im New Yorker Museum of Natural History.

„Ein SpaceShipThree oder SpaceShipFour könnte die Atmosphäre verlassen und außerhalb eines städtischen Gebietes wieder landen", sagte Whitesides. "Wir müssen den Status Quo nicht akzeptieren. Wir können uns Fahrzeuge vorstellen, die mit flüssigem Sauerstoff oder Wasserstoff angetrieben werden und uns über den Pazifik bringen. Das ist alles möglich."

Bild: Spaceport Berlin | Mit freundlicher Genehmigung von Grobe Architekten

Für das Unternehmens Virgin ist das Angebot von Weltraumflügen letztlich nur eine logische Konsequenz. Der wagemutige, manchmal leicht wahnsinnige Vorsitzende Richard Branson hat schon lange ein Auge auf die Entwicklung einer kommerziellen Überschallfluglinie geworfen und versuchte bereits vor mehr als einem Jahrzehnt die Concorde von British Airways abzukaufen. („Sie mussten ihr die Flügel stutzen, um mich von dem Kauf abzuhalten", erzählte Branson bei dem Firmenevent.)

Bis ein entspannter Flug ans andere Ende des Globus in wenigen Stunden möglich ist, sind natürlich noch einige Fragen zu klären. Aber das Konzept ist nicht vollkommen aus dem Luft gegriffen. Sogar die Europäische Space Agency forscht auf dem Gebiet und bestätigte, dass SpaceShipOne und SpaceShipTwo von Virgin Galactic auf der vielversprechendsten Mechanik beruhen, die sie bisher gesehen hätten.

Auch das Pentagon mit seiner Blue-Sky-Forschung, die DARPA zusammen mit der Air Force und auch die Marine arbeiten an eigenen Konzepten zur weltweiten Personen- und Güterbeförderung durch den Weltraum. Die Federal Aviation Administration veröffentlichte 2010 einen eher schwachsinnigen Report über das „Potential eines schnellen, globalen Passagiertransports und die rasante Verteilung von Gütern und Dienstleistungen, welche Weltraum-Shuttle zu einem lukrativen Konzept machen könnten."

Wenn diese Idee technisch machbar ist—Branson und die FAA scheinen sich da sicher zu sein—stellt sich nur noch die Frage, wer genau diese Reiseangebote nutzen wird.

Die Concorde war aus verschiedenen Gründen ein Reinfall, nicht zuletzt, weil sie einfach unglaublich viel kostete. Hunderte Personen haben zwar schon knapp 200.000 Euro für einen kleinen Suborbitalflug mit Virgin Galactic abgedrückt, doch würden sie auch hunderttausend Euro zahlen, um den Flug ans andere Ende der Welt ein wenig zu verkürzen?

„Bisher gibt es noch keine verlässlichen Marktforschung auf dem Gebiet", schreibt Derek Webber, Direktor von Spaceport Associates 2008 in einem Dokument, in dem er diese Idee erörterte. „Die optimalen technischen Voraussetzungen wurden noch nicht geschaffen und die Infrastruktur auf der Erde ist auch noch nicht vorhanden."

„Die Preisschwankungen sind ein weiterer Unsicherheitsfaktor", so Webber weiter. „Es ist auch nicht klar, ob solche Flüge als Touristik oder Transport klassifiziert werden sollen, also ob die Passagiere vorwiegend Touristen oder Geschäftsleute auf Businesstrips sind."

Richard Branson bei der galaktischen Veranstaltung. Bild: Autor

Um die Antworten zu finden, gibt es jedoch noch genug Zeit. Die Technologie steckt noch zu sehr in den Kinderschuhen und wenn Weltraumreisen zu einer routinierten Alternative werden, lösen sich die letzten Fragen womöglich von selbst.

Und wie sich herausstellt war Virgin Galactic keine Milliardärsvision des Weltraumtourismus, sondern Whitesides eigene Vorstellung für die Zukunft des gesamten Flugverkehrs.

„Es ist kompliziert", sagte er. „Aber das All ist nicht nur wichtig für die Zukunft des Transports. Es ist ebenso wichtig für die Zukunft unserer Vorstellungskraft."