galaxie

Diese Galaxie ist gerade wie aus dem Nichts in unserer Nachbarschaft aufgetaucht

Der „düstere Gigant“ umkreist unsere Milchstraße.

von Christine Kewitz
18 April 2016, 10:08am

Die Spiralgalaxie NGC 253 strahlt viel heller als Crater 2 | Bild: Wikipedia | A. Grado/L. Limatola/INAF-Capodimonte Observatory | CC BY 3.0

Sie war immer schon da, doch erst jetzt haben Astronomen die riesige Galaxie entdeckt, die unsere Milchstraße umkreist. Am Umfang unseres neuen Nachbarn kann es dabei nicht gelegen haben, denn Crater 2 ist die viertgrößte Galaxie, die unsere eigene umschwirrt. Auch die Entfernung von rund 400.000 Lichtjahren ist, intergalaktisch gesehen, ein Katzensprung.

Wie konnte sich Crater 2 also so lange vor unseren Augen verstecken? Der Grund liegt in ihrer dezenten Helligkeit. Crater 2 ist eine der der dunkelsten Galaxien, die je in unserem Universum entdeckt wurden, wie das in Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlichte Paper erklärt. Gleichzeitig wird der „düstere Gigant", wie die Forscher ihre Entdeckung liebevoll bezeichnen, von seinen wesentlich helleren Nachbarn überstrahlt.

„Das ist wahrhaftig eine sehr seltene Entdeckung", so der Vasily Belokurov, Astrophysiker an der Univsersity of Cambridge und Lead-Autor der Studie, gegenüber der Huffington Post. „Eine Galaxie wie Crater 2 ist eine Art unsichtbares Objekt."

Diese Illustration zeigt Crater 2, wenn sie tausend Mal heller wäre. Referenz dient der Mond im Vordergrund. | Bild: V. Belokurov, S. Koposov & G. Torrealba, IoA Cambridge + VST ATLAS, Full Moon image Simon C. Smith

Crater 2 offenbarte sich den Astrophysikern im Januar, als diese mit Hilfe eines Computeralgorithmus Bilder des chilenischen Very Large Telescope analysierten. Einige Regionen mit ungewöhnlichen Sternenhaufen unterzogen sie einer genaueren Untersuchung, wobei ihnen eine Clusterbildung besonders auffiel: Die diffuse Ansammlung von Sternen schien auf eine Zwerggalaxie hinzuweisen. Zwerggalaxien liegen auf ihre Größe bezogen zwischen den kleinen Kugelsternhaufen und „normalen" Galaxien wie unserer Milchstraße.

„Wir können zwar nicht sagen, dass diese Galaxie die älteste des Universums ist, aber Zwerggalaxien sind generell sehr alt", so Belokurov. „Sie sind die ersten Systeme, die zusammenfinden, so dass sie die Informationen über die Gasdichten und Wirkungen in sich tragen, zum Beispiel, wie sich das Gas in Sterne verwandelt hat. Wie wir in Nachfolgestudien vergleichbarer Objekte gesehen haben, sehen viele Sterne wie direkte Nachfolger der ersten Sterne des Universums aus."

Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der bekannten Satellitengalaxien verdoppelt. Bisher wurden 49 Galaxien entdeckt, die unsere Milchstraße umkreisen. Neun davon wurden von jenem Forscherteam erspäht, das auch Crater 2 gefunden hat und die Wissenschaftler vermuten, dass es noch zahlreiche weitere dunklere Kandidaten dort draußen geben könnte. Wie können also gespannt sein, welche dunklen Geheimnisse noch in den Tiefen des Universums darauf warten, entdeckt zu werden—und was sie uns über die Geschichte des Weltalls verraten.