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Alu-Hüte hacken NASA-Drohne und leaken 250 GB Mitarbeiterdaten, weil: Chemtrails

Ziel: Der ferngesteuerte Crash einer 222 Millionen Dollar teuren Wetterdrohne ins Meer.

von Theresa Locker
02 Februar 2016, 11:02am

Bild: AnonSec

Freunde alternativer Wahrheiten gibt es quer durch alle Berufsschichten und Altersklassen—wieso also nicht auch in der Paranoia zugeneigten Branche des Hackertums?

Eine Gruppe namens AnonSec hat nun 267 GB Daten von der NASA abgezapft sowie angeblich auch eine Wetter-Drohne vorübergehend unter ihre Kontrolle und fast zum beabsichtigten Absturz gebracht. Die Gruppe spionierte über Monate im Herzen der NASA nach Flugdaten und Logs. Das Motiv für die mühevolle Arbeit: Endlich die ganze, wahre Wahrheit über Chemtrails ans Licht bringen.

In einem Pastebin in epischer Länge übernahm das mit Anonymous affilierte Hackerkollektiv die Verantwortung für den Einbruch und lieferte einige Belege—obwohl die NASA postwendend behauptete, die dort gedumpten 267 GB Daten (hauptsächlich Namen und Adressen von rund 2.400 NASA-Mitarbeitern sowie Drohnen-Logfiles und Videofeeds vom Flug des Global Hawk) seien sowieso „öffentlich zugänglich" gewesen.

Ziel: Ein Crash der 222 Millionen Dollar teuren Drohne ins Meer.

Aber wie konnte die Attacke durchgeführt werden? Wie die Gruppe in ihrem Pastebin erklärte, kaufte sie den Erstzugang zu einem Nutzerrechner der NASA bereits 2013 einer anderen Hackergruppe ab. Im nächsten Schritt wendeten die Hacker einen simplen Kniff an, der jeden Netzwerkadministrator zum Weinen bringen dürfte: Die Angreifer scannten offene Accounts nach der Standard-Passwort- und Login-Kobination „root"—der erste Treffer ploppte bereits nach 0.32 Sekunden auf. Von dieser Schwachstelle aus arbeiteten sich die Hacker weiter durch das weitverzweigt Netzwerk des Glenn Research Center und Goddard Space Flight Center der NASA, bis sie in der Lage waren, eine Karte der Subsysteme zu erstellen und mittels Packet Sniffer weitere Login-Daten zu erbeuten.

Die Hacker wollen aber sogar in die aktiven Operationen der NASA eingegriffen haben. Wie die Chemtrail-Armee in ihrem PasteBin-Post behauptet, habe sie eine NASA-eigene Drohne des Typs Global Hawk bei einem Flug über den Pazifik unter ihre Kontrolle gebracht. Ziel: Der Crash des unbemannten Fluggeräts ins Meer.

„Ein Hauptziel der Operation war, Aufmerksamkeit auf die Tatsache der Chemtrails/Cloud Seeding/Geoengineering/Wettermodifikation oder wie auch immer du es nennen willst, zu lenken, das steht alles für dasselbe. NASA hat mehrere Missionen, die sich auf die Erforschung von Aerosolen und deren Effekte auf die Umwelt und Wetter konzentrieren, also haben wir ihre Systeme angegriffen", heißt es dort.

Angeblich von AnonSec erbeutetes Filmmaterial einer NASA-Drohne über dem Polareis. Bild: NASA/AnonSec

Eine NASA-Drohne des Typs Global Hawk, die Proben aus der Atmosphäre sammelt. Bild: Wikimedia | CC BY-SA 2.0

Tatsächlich engagiert sich die NASA in Forschungsprojekten mit Eisenoxidpartikeln, mit denen Wolken beschossen und zum Abregnen gebracht werden sollen—auch das smoggeplagte China macht aus dieserlei Experimenten keinen Hehl; das Verfahren nennt sich Cloud Seeding. Der Global Hawk im Wert von 222 Millionen Dollar fliegt bis zu 24 Stunden am Stück durch die Atmosphäre, um Luft- und Wasserproben aus großer Höhe einzusammeln.

Doch für eine Chemtrail-Verschwörung, in der Regierungen angeblich nicht nur das Wetter, sondern auch die Menschheit mittels versprühten Giften aus Flugzeugen heimlich manipulieren und unterjochen wollen—dafür fanden die Hacker trotz monatelanger Suche selbst im Innenleben der US-Weltraumbehörde leider keine lang ersehnten, handfesten Belege.

Wie absurd AnonSecs politisches Motiv auch sein mag—sollte die Geschichte stimmen, wäre es eine beachtliche Demonstration technischer Raffinesse von Seiten der Gruppe, unbemerkt mehrere Monate auf den Servern der Behörde zu schnüffeln und einen großen Datensatz abzugreifen.

Die Drohne hackte AnonSec nach eigenen Angaben durch den Upload eines selbstprogrammierten Backup-Flugplans als.gpx-Datei—doch sobald die Drohne den vorgeschrieben Kurs verließ, bemerkte das Kontrollzentrum der NASA die Abweichung, überholte die Sicherheitssysteme und enttarnte so den Hack, schreibt AnonSec.

Die NASA dementiert die Geschichte allerdings offiziell und bestreitet, dass die AnonSec-Hacker ihre Drohnen unter ihre Kontrolle gebracht hätten:

„Unser Global Hawk-Fluggerät war stets unter unserer Kontrolle. Die NASA hat keinen Grund zur Vermutung, dass die angeblich gehackten Daten mehr als öffentlich zugängliche Informationen waren. Die NASA nimmt ihre Cybersecurity sehr ernst und wird weiterhin alle Vorwürfe vollumfänglich untersuchen", heißt es in einer spröden Antwort an unseren US-Kollegen Lorenzo Franceschi-Bicchierai und das Magazin Forbes.

Schon seit Jahrzehnten stellt die NASA eine Art Klassiker unter den Traumzielen für Hacker dar; auch norddeutschen Hackern gelang es bereits 1986, über das (wegen der weiten Netzwerkverzweigungen „Hacker-Fahrschule" getaufte) CERN in die US-Weltraumbehörde einzudringen und unter Verschluss gehaltene Daten abzuzweigen.

Auch den Schwermetall-Skandaljägern von AnonSec ist diese Geschichte der Angriffe auf die NASA bewusst—und so entschuldigen sie sich schon fast für das Angriffsziel: „Klar, wir wissen was ihr denkt: Die NASA hacken? Wie verdammt klischeebeladen… wenn ich nur jedes mal einen Dogecoin bekäme, wenn jemand das behauptet, oder?"

Es scheint, als hätten sich die Hacker bei aller Chemtrail-Paranoia beruhigenderweise ein bisschen Humor bewahrt.