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Überlebensstrategien gegen den Tod von oben

Der Drone Survival Guide eines niederländischer Designer liefert die ultimativen Abwehrtaktiken gegen Drohnen. Verstecken, Blenden und Abstürzen lassen—durchaus geeignet für den Heimgebrauch.
5.1.14
Bild: Ruben Pater; Drone Survival Guide

Durch Angriffe unbemannter US-Systeme sind im vergangen Jahr hunderte Menschen in Pakistan, im Yemen und in Somalia ums Leben gekommen. Die drei Länder sind die Hauptzielgebiete der geheimen Drohnenoperationen der US-Regierung—die dabei auch auf freundlich Unterstützung anderer Länder wie Großbritanniens oder Deutschland zählen kann. Für westliche Regierungen gelten bewaffnete Drohnen als nötiges Übel in ihrem Kampf gegen den Terror. Gerne wird auf die schönen Erfolgsgeschichten verwiesen, wie die Angriffe auf Abu Yahya al-Libi, dem Vizechef von al-Qaida, oder auf Hakimullah Mehsud, den Anführer der pakistanischen Taliban. Auch wenn solche Operationen die Taliban theoretisch schwächen, so treffen scheinbar weniger als zwei Prozent der Drohnenangriffe tatsächlich sogenannte „high-profile targets", während viele Attacken Opfer unter Kindern, Zivilisten und verdächtigen Kämpfer fordern.

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Vor dem Hintergrund dieser „hit-and-miss" Strategie hat Ruben Pater, ein Designer aus den Niederlanden vor kurzem seinen Drone Survival Guide entwickelt. Die Anleitung zeigt die Umrisse der am häufigsten verwendeten Drohnen—vom „Reaper" bis zum „Killer Bee"—und gibt Informationen zum Blenden, Hacken und Übernehmen von Drohnen. Der Guide kann in 27 verschiedenen Sprachen heruntergeladen werden.

„Viele Menschen sind verunsichert und fasziniert von Drohnen", sagt Ruben, „aber sie wissen gar nicht wirklich, was die Möglichkeiten und Schwächen einer solchen Technologie sind. Wenn du einmal verstanden hast, was eine Drohne überhaupt kann, dann hörst du auf dir blind Sorgen zu machen; dann könnten wir könnten Methoden entwickeln, um uns zu schützen."

Die Überlebensanleitung besteht aus zwei Teilen: Drohnen hacken und sich vor Drohnen verstecken. „Wenn Glasstücke oder andere reflektierende Materialien auf einem Dach montiert werden, verwirrt dies die Kamera der Drohnen", wird uns an einer Stelle empfohlen. „Durch das Übertragen auf unterschiedlichen Frequenzen […] kann die Verbindung zwischen der Drohnen und ihrem Piloten unterbrochen werden."

Ruben versteht seinen Drone Survival Guide als ein Kunstprojekt zur Schaffung von Bewusstsein und Aufmerksamkeit—weniger als eine konkrete Anleitung zum Überleben eines Predator Drohnenangriffs. Es betont, dass er aus Angst vor böswilligem Missbrauch sehr vorsichtig war: „Ich habe genau darauf geachtet nur Informationen zusammenzutragen, die öffentlich auf Nachrichtenseiten verfügbar sind," sagte er. „Die [Techniken], die ich für den Guide ausgewählt habe, beziehen sich darauf die Überwachung abzuschütteln oder die Sensoren von Drohnen zu verwirren—es geht nicht darum sie abzuschießen."

Das ist gut zu wissen, denn Ruben erzählte mir, dass er schon gesehen hat, wie Dschihadisten den Guide auf sozialen Netzwerken verbreiten. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sie irgendetwas neues daraus lernen werden. Einige der Hinweise im Guide stammen selbst aus Dokumenten, die in einem Gebäude von al-Qaida in Mali gefunden wurden, in dem technische Details sehr viel großzügiger ausgebreitete wurden. Ich habe Ruben darauf hingewiesen, dass sein Guide aber schon davon spricht, wie einige Techniken dazu „genutzt werden können, um Drohnen in selbstzerstörerische Flugrouten zu lenken oder sie sogar zu kidnappen."

„Da hast du recht", lacht er. „Bei der besagten Technik handelt es sich um GPS-Manipulation, was eine sehr schwierig durchzuführende Taktik zur Übernahme einer Drohne ist. Einige behaupten, dass die iranische Regierung damit ihren US-Drohnenfang [im Jahr 2011] getätigt hat, aber es ist wahrscheinlicher, dass diese Methode noch nie von irgendjemandem erfolgreich durchgeführt wurde. Daher habe ich es drin gelassen: Denn es ist so gut wie unmöglich. Aber das Konzept ist sehr interessant—nur durch das Täuschen des GPS-Systems der Drohne könntest du ihre Kontrolle übernehmen."

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Die FAA, die zivile Luftfahrtbehörde der USA, hat prognostiziert, dass im Jahr 2020 bis zu 30.000 Drohnen in ihrem Luftraum operieren könnten. Heute jedoch werden die privat-zivilen Drohnenfanatiker in den USA noch wesentlich eingeschränkt durch eine zumindest bis 2015 strikt geregelte Vergabepraxis der obligatorischen Fluglizenzen.

In Deutschland dagegen darf theoretisch jedes Kind Drohnen fliegen. Solange sie unter 5kg wiegen und in Sichtweite bleiben ist keine Genehmigung nötig—von Drohnen gegen Borkenkäfer und Sprüher oder für Start-Ups und die Feuerwehr, gibt es in Deutschland auch heute schon mehr Einsatzszenarien unbemannter Flugsystemen als du vielleicht denkst.

Der Dronen Survival Guide von Ruben Pater wird daher auch als Anleitung und Helfer zur Vogelbeobachtung des 21. Jahrhunderts" beworben, denn einige dieser Vögel können eben auch Menschen aus 15.000 Metern Höhe mit lasergesteuerten Raketen in die Luft jagen.

Ruben erzählte mir, dass er selbst erst realisierte wie gefährlich beispielsweise die von der EADS-Tochter Cassidian hergestellte Barrakuda-Drohne ist, nachdem er einem Freund seine Überlebensanleitung für Drohnen gezeigt hatte: „Mein Freund hat für das Unternehmen gearbeitet, welches die Bremssysteme für den Barrakuda produziert hat. Er hat mir berichtet, dass die Drohne so konstruiert ist, dass sie vom Starten bis zum Raketenabschuss alles autonom erledigen kann, ohne jegliches menschliches Zutun. Du sagst der Maschine nur, was sie töten soll und sie erledigt das für dich. Ziemlich beängstigend." Laut dem in Bayern beheimateten Hersteller Cassidian, werden neue Missionen einfach vom Boden aus auf das System geladen. Während eines Testflugs 2012 „reagierte [die Drohne] unmittelbar" auf die übertragenen Anweisungen.

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Ein Problem für den Drone Survival Guide ist jedoch, dass die Drohnenindustrie so rasante Fortschritte macht, dass Rubens Arbeit schnell überholt sein wird. „Der US-Gigant für Verteidigungstechnologie Lockheed Martin hat erst kürzlich ein neues Modell angekündigt," welches Ruben nicht in dem Buch aufgelistet hat. „Die SR-72 ist einer Hyperschall-Drohne, die mit sechsfacher Schallgeschwindigkeit, dass schnellste Objekt am Himmel überhaupt wäre." Auf ihrer Webseite merkt Lockheed an, dass „das Flugobjekt bei dieser Geschwindigkeit so schnell wäre, dass ein Gegner keine Zeit hätte zu reagieren oder sich zu verstecken."

„Stell dir vor du verlierst die Kontrolle über eine Drohne, wenn du mit Mach sechs fliegst," sagte Ruben. „Ein Roboter der zu schnell ist um ihn zu fangen, wenn er fehlgeleitet oder bösartig wird. Spitzen Idee." Das ganze erfüllt übrigens ziemlich genau das Szenario des bombigen Actionfilms Stealth.

Ruben hofft, dass sein Drone Survival Guide zumindest eine Diskussion auslösen wird. „Mein Ziel ist es ein Bewusstsein dafür zu schaffen, zu was Drohnen fähig sind," erzählte er mir, „und letztlich die Diskussion darüber voran zu bringen darüber, ob wir Drohnen für Überwachungs- und Militäranwendungen erlauben wollen oder nicht. Die meisten von uns leben schon unter Regierungen, die Drohnen zu diesem Zweck einsetzen, bezahlt von ihren Steuergeldern. Wir haben ein Recht darauf zu erfahren, was die wirklichen Potentiale und Fähigkeiten dieser Technologie sind, so dass wir beurteilen können, ob sie gut eingesetzt wird oder nicht."

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Den Drone Survival Guide kannst du dir hier in voller Länge anschauen.

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