Drogen

Wo du fürs Kiffen am härtesten bestraft wirst

Ein Lesetipp für alle, bei denen bald eine Südostasien-Reise ansteht.
17 Februar 2020, 4:30am
Ein Tütchen Gras liegt an einem Sandstrand
Symbolfoto: imago images | blickwinkel 

Strahlend weißer Sand unter den Füßen, das Meeresrauschen im Ohr, ein Drink in der einen und ein Joint in der anderen Hand. Für viele junge Menschen sieht so der perfekte Urlaub aus. Dafür müssen sie an ihrem Reisezielort aber erstmal eine verlässliche Quelle für gutes Gras finden. Niemand will mit verzweifeltem Blick den Strand nach einem Dealer absuchen, nur um dann zu viel Geld für zu wenige Gramm minderwertiges Gras auszugeben.

Da immer mehr Länder ihre Cannabis-Gesetze lockern, ist die Suche nach gutem Weed inzwischen etwas einfacher geworden. In Kanada, in Uruguay (dort allerdings nur für Einheimische) und in einigen US-Bundesstaaten ist Marihuana für den Freizeitgebrauch inzwischen komplett legal. In Amsterdam oder auf Jamaika, wo die Cannabis-Kultur schon lange blüht, sind Kiffertouris immer willkommen. Und auch Deutschland steht vielleicht kurz vor dem Durchbruch.

In vielen anderen Ländern gilt Marihuana aber immer noch als böse und steht auf einer Stufe mit Crystal Meth und Heroin. Konsumenten werden dort verteufelt und direkt als süchtig abgestempelt. Je nach Menge, mit der eine Person erwischt wird, drohen lange Gefängnisstrafen oder im schlimmsten Fall sogar die Todesstrafe. Vor allem in einigen Ländern Südostasiens herrschen mit die strengsten Cannabis-Gesetze überhaupt.

Damit ihr aus dem nächsten Urlaub auch wieder zurückkommt, haben wir eine Liste risikoreicher Reiseziele für Kiffer zusammengestellt.


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Indonesien

Indonesien ist dank der Traumstrände, der Tempelanlagen und der Vulkane ein unglaublich beliebtes Reiseziel. Allein die Insel Bali zog 2018 mehr als sechs Millionen Touristen und Touristinnen an.

Wer dort jedoch mit Marihuana erwischt wird, landet schnell hinter Gittern – oder bei Grasschmuggel in großem Stil in der Todeszelle.

Cannabis fällt in Indonesien in die gleiche Drogengruppe wie Heroin, Kokain und Crystal Meth – das heißt, die Regierung betrachtet es als gefährliche Substanz ohne therapeutischen Wert. Dennoch konsumieren Millionen Menschen in Indonesien Marihuana. Laut der Non-Profit-Forschungseinrichtung Transnational Institute wird der Großteil davon in der Provinz Aceh angebaut.

Wenn man in Indonesien mit Cannabis nur für den persönlichen Gebrauch erwischt wird, drohen bis zu vier Jahre Haft. Und wer mehr als ein Kilogramm dabei hat oder fünf Cannabispflanzen anbaut, kann mit fünf bis zwanzig Jahren Haft oder gar mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe bestraft werden.

Wie das Transnational Institute berichtet, werden in Indonesien täglich 26 Menschen wegen Cannabis-Delikten zu Haftstrafen verurteilt. Zudem können Konsumierende auch des Dealens angeklagt werden. Oft lassen sich Polizeibeamte aber bestechen und sehen dann von einer Festnahme ab.

Laut der britischen Regierung führt die indonesische Polizei vor allem auf Bali oft Razzien an Veranstaltungsorten durch, an denen sich viele Touristen aufhalten. Wenn Verdacht auf Drogenkonsum besteht, muss man sehr wahrscheinlich einen Urin- oder Bluttest abgeben.

Dem 45-jährigen Briten Pip Holmes drohen gerade bis zu 15 Jahre Haft in Balis berüchtigtem Kerobokan-Gefängnis. Holmes wurde mit 31 Gramm THC-Öl erwischt, das er laut eigener Aussage für seine Arthritis verwendet. Der Surfer bekam das Öl von einem Freund aus Thailand zugeschickt. Deswegen muss er sich auch wegen Schmuggels vor Gericht verantworten.

Japan

Japan ist beim Thema Gras so streng, dass die Regierung eine Warnung aussprach, als Kanada 2018 Marihuana legalisierte: Alle gerade durch Kanada reisenden Japanerinnen und Japaner sollten sich nicht verleiten lassen, weil das bei der Rückkehr nach Japan Konsequenzen haben könnte.

Durch die japanischen Cannabis-Gesetze kann der Besitz von Marihuana bis zu fünf Jahre Gefängnis nach sich ziehen – oder sogar sieben, wenn der Verdacht besteht, dass man mit der Droge Profit machen wollte. Potenzielle Geldstrafen liegen bei bis zu 18.000 Dollar. Der Anbau, der Import und der Export von Marihuana werden mit sieben Jahren Haft bestraft. Wenn ein Profitverdacht besteht, werden bis zu zehn Jahre daraus. Die etwaige Geldstrafe liegt mit bis zu 27.000 Dollar auch höher.

Dem internationalen Nachrichtenmagazin The Diplomat zufolge werden in Japan immer mehr Menschen wegen Cannabis-Vergehen festgenommen: 2017 waren es noch rund 3.000, 2018 bereits 3.578. Der japanische Popstar Junnosuke Taguchi und seine Freundin Rena Komine wurden im Mai 2019 verhaftet, weil in ihrer Wohnung 2,2 Gramm Gras gefunden wurden. Nachdem sie jeweils 27.000 Dollar Kaution gezahlt hatten, kamen sie wieder auf freien Fuß. Beide wurden dann im Oktober zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt.

Thailand

2018 hat Thailand medizinisches Cannabis legalisiert und sich damit vom früheren Krieg gegen Drogen losgesagt. Damals wurden Leute manchmal umgebracht, wenn man sie für Dealer hielt.

Wenn es sich um nicht-medizinisches Marihuana handelt, drohen einem aber immer noch Strafen: Bei geringen Mengen stehen bis zu ein Jahr Haft und/oder eine Geldstrafe von 320 Dollar an, aber je größer die Menge, desto höher auch die Strafe. Das Maximum liegt bei fünf Jahren Gefängnis für den Besitz von bis zu zehn Kilogramm Gras.

Dabei ist es kein Geheimnis, dass man nicht nur Marihuana quasi überall in dem südostasiatischen Land kaufen kann, sondern auch anderen Drogen wie Magic Mushrooms oder Opium. Man muss nur aufpassen, bei wem man sich eindeckt.

Manche "Dealer" arbeiten nämlich mit der Polizei zusammen, die einen nach dem Kauf direkt filzt. Auch bei den berüchtigten Full Moon Partys auf den Inseln Thailands sind häufig Undercover-Beamte als Dealer unterwegs und verlangen Schmiergeld dafür, dass sie einen nicht verhaften.

Singapur

Singapur ist bekannt dafür, sein blitzsauberes Image bewahren zu wollen. Deswegen ist es in dem Stadtstaat auch verboten, Abfall auf den Boden zu werfen, auf den Boden zu spucken, in der Öffentlichkeit zu rauchen und in öffentlichen Verkehrsmitteln Kaugummi zu kauen. Da ist es kaum überraschend, dass in Singapur mit die strengsten Cannabis-Gesetze weltweit gelten.

Der Besitz von Marihuana kann bis zu zehn Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe von 20.000 Dollar nach sich ziehen. Und wer mit mehr als 500 Gramm Gras erwischt wird, kann wegen Drogenschmuggels vor Gericht landen. Darauf stehen verschiedene Strafen – von Stockschlägen über lebenslange Haft bis hin zur Todesstrafe.

2016 wurde der Nigerianer Chijioke Stephen Obioha in Singapur erhängt, nachdem die Behörden ihn mit 2,6 Kilogramm Marihuana erwischt hatten.

Seit der Cannabis-Legalisierung in Kanada warnt die kanadische Regierung die Bevölkerung davor, dass die Behörden in Singapur einen Drogentest verlangen können, wenn man in das Land einreisen will. Und wenn dieser Test positiv ausfällt, kann man verhaftet und angeklagt werden – selbst wenn man die Drogen gar nicht in Singapur konsumiert hat.

Malaysia

In Malaysia diskutiert man gerade darüber, ob man die Todesstrafe für Drogenschmuggelnde abschaffen soll. Dazu gehören auch Leute, die mit mehr als 200 Gramm Cannabis erwischt werden. Außerdem erwägt die Regierung, den Besitz von geringen Mengen zu entkriminalisieren.

Dennoch bleibt der Marihuana-Besitz vorerst illegal und wird bei einer Menge von 50 Gramm oder mehr mit mindestens fünf Jahren Haft bestraft. Und der Anbau von selbst nur einer Pflanze kann zu einem Leben hinter Gittern führen.

Vereinigte Arabischen Emirate

Dubai hat sich zu einem beliebten Reiseziel sowohl für Geschäftsleute als auch für normale Touristen und Touristinnen entwickelt: 2018 wurden dort laut einem Bericht von Mastercard fast 16 Millionen ausländische Gäste registriert, wodurch die Metropole auf der Liste der weltweit am meisten besuchten Städte auf Platz vier landete. Durchschnittlich geben die Touristen dort täglich 550 Dollar aus. Mit diesem Geld Drogen zu kaufen, wäre allerdings ein großer Fehler.

In der Vereinigten Arabischen Emiraten gilt es auch dann noch als Drogenbesitz, wenn sich die Substanzen nur noch im eigenen Körpersystem befinden. Und darauf stehen mindestens vier Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe von 2.700 Dollar.

Der Brite Keith Brown wurde 2008 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem man im Dubaier Flughafen 0,0003 Gramm Cannabis an seinem Schuh entdeckt hatte. Das Gras hatte die Größe eines Zuckerkorns.

2017 verurteilte ein Dubaier Richter den Briten Connor Clements zu zwei Jahren Haft, nachdem durch einen Drogentest herausgekommen war, dass Clements Cannabis konsumiert hatte. Gegenüber der Presse gab der Brite an, dass er zusammen mit 25 anderen Menschen auf dem Boden einer Massenzelle schlafen musste und dass seine Gerichtsverhandlung nicht mal eine Minute gedauert habe.

Türkei

Obwohl in der Türkei immer mehr medizinisches Cannabis angebaut wird, ist der private Konsum ohne Rezept immer noch verboten.

Der Besitz von geringen Mengen kann mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Und wer ganz offen zum Konsum von süchtig machenden und euphorisierenden Drogen anregt, muss mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen.

USA

Zwar wurde Marihuana inzwischen in einigen US-Bundesstaaten – darunter Kalifornien, Oregon, Washington und Colorado – legalisiert, aber auf Landesebene bleibt die Drogen weiterhin illegal. Das bedeutet, dass Reisende ein Risiko eingehen, wenn sie dort kiffen.

Wenn man in die USA einreist und vor den Behörden zugibt, irgendwann schon mal Gras geraucht zu haben, kann man lebenslang des Landes verwiesen werden. Das Gleiche gilt, wenn man Cannabis bei sich hat.

Selbst wenn man als Nicht-US-Bürger in einem US-Bundesstaat kifft, in dem Cannabis legal ist, droht Ärger. So wurde in dem Weed-Podcast On Something vergangenes Jahr über eine Chilenin gesprochen, gegen die ein lebenslanges Einreiseverbot in die USA verhängt wurde, weil die Zollbehörde Fotos auf ihrem Handy gefunden hatte, auf denen sie in einer Weed-Apotheke in Denver zu sehen war.

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