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Die Mini-Jackos von Mexico City

Wenn es irgendetwas gibt, das uns auch nur ansatzweise Angst und Schrecken einjagen kann, dann sind es diese mexikanischen Kinder, die den gruseligsten Mann, der je gelebt hat, imitieren.
Jamie Clifton
London, GB
30.10.12

Bei mir hatte sich noch nicht so recht Halloween-Stimmung einstellen wollen. Doch dann lag letztens ein Packet auf meinem Schreibtisch, in dem sich ein Fotoband von Will Sanders mit dem Titel Halloween befand. Es zeigt Kinder aus Mexico City, die sich als Michael Jackson verkleidet haben. Wenn es irgendetwas gibt, das mir auch nur ansatzweise Angst und Schrecken einjagen kann, dann sind es diese mexikanischen Kinder, die den gruseligsten Mann, der je gelebt hat, imitieren.

Will hat schon so einige Preise für seine Fotos, die er auf der ganzen Welt für etliche renommierte Magazine geschossen hat, bekommen. Außerdem sind seine Werke in zahlreichen Bildbänden vertreten. Ich war allerdings mehr an seinen coolen Jacko-Fotos interessiert, also rief ich ihn an und fragte ihn wegen dieser makaberen Bilder aus.

VICE: Will, sag mal, wo hast du diese ganzen Miniatur-Michaels gefunden?
Will Sanders: Ich liebe Halloween, also war ich am Tag der lebenden Toten auf den Straßen von Mexico City unterwegs, das war im Jahr 2009 und es wimmelte nur so von Menschen, die Michael-Jackson-Outfits trugen. Das war echt komisch. Seit damals war ich nicht noch einmal zu Halloween dort, deswegen weiß ich nicht, ob es dort immer noch so ist, das war ja schließlich das Jahr, in dem Jacko starb.

Ah ja, klingt logisch. Wimmelte es von denen echt in der ganzen Stadt? Das nenne ich Hingabe.
Na ja, es gab schon ziemlich viele Kinder, die diese typisch amerikanischen Halloween-Kostüme trugen und als Monster, Vampire und solche Gestalten verkleidet waren, aber wir bemerkten immer mehr kleine Michael Jacksons, die aus allen Ecken zu kommen schienen. Du kennst doch die Schnitzereien und die Schokolade, die es an Halloween gibt. Da gab es das ganze Zeug dann von Jacko—Schokoladenfiguren von ihm. Das war echt cool.

Du hast zuvor schon einige Halloween-Fotos gemacht, was fasziniert dich daran so sehr?
Ich weiß es eigentlich gar nicht. Ich liebe einfach die Bildsprache von Halloween und Herbst war schon immer meine liebste Jahreszeit—die Farben sind einfach toll—irgendwie begeistert mich diese Zeit. Es ist echt blöd, dass das Ganze bloß einmal im Jahr passiert.

Wie war die Stimmung?
Es war komisch, denn in dem Jahr waren alle wegen der Vogelgrippe total hysterisch, deswegen war der Hauptplatz, auf dem sich normalerweise alle versammeln, komplett leer. Ich war schon einige Male vorher dort gewesen und da war dieser Platz gerammelt voll mit Ständen und mit diesen orangenen Blumen, die sie extra für den Tag der Toten machen. Es war also echt komisch, dass niemand dort war. Normalerweise herrscht eine liebevolle Atmosphäre, aber in diesem Jahr war es verdammt unheimlich.

Warum bist du für Halloween so häufig zurückgekehrt?
Ich mag die Tradition dort sehr. Es ist mehr wie eine Feier für die Toten—sehr positiv—und die Flut an Bildmotiven ist einfach beeindruckend. Wenn du an irgendwelchen Friedhöfen vorbeifährst, siehst du, dass die Gräber mit Bildern und anderen Sachen geschmückt sind. Ich finde, das ist eine echt schöne Tradition, findest du nicht?