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Mode

Ein Jogginghosen-Verbot an der Schule? Jetzt reicht's

Zwei Schulen in Baden-Württemberg wollen unser liebstes Kleidungsstück verbieten. Weil die Haltung dahinter ihnen nicht passt?!?

von Dimitrij Wall
11 November 2015, 2:17pm

Foto: imago | JOKER

Die staatliche Bevormundung erreicht mal wieder ihren Höhepunkt: Zwei Schulen in Baden-Württemberg wollen ihren Schülern das Tragen von Jogginghosen verbieten. Oh man. Bauchfreie Tops, Hotpants, Kleidung im Camouflage-Look und Springerstiefel sind bereits verboten. Oh man, oh man.

Wo fangen wir da nur an? Am besten mit der in Deutschland auch unter Pädagogen weit verbreiteten Doppelmoral. Wenn die Bundeswehr an Schulen um Nachwuchs wirbt, ist das in der Regel kein Problem. Aber wenn die Schüler Kleidung im Camouflage-Look und Springerstiefel tragen, dann schon. Dabei sagt eine der beiden Schulleiterinnen in den Stuttgarter Nachrichten selbst: „Die Schule bereitet auf das Leben vor. Dazu gehört auch, dass man gewisse Vorstellungen davon hat, welche Kleidung für welche Situation angemessen ist." Seit wann tragen Bundeswehrsoldaten Birkenstocks und Cordhosen?

Und überhaupt! Alle, die mal eine deutsche Schule besucht haben, wissen, dass die meisten der Leute, die Bundeswehrparka getragen haben, später diejenigen waren, die Zivildienst abgeleistet haben.

Die zweite Rektorin scheint das anders zu sehen: „Kleidung ist auch Ausdruck einer Haltung", pflichtet sie ihrer Kollegin bei. Ach so, nicht die Jogginghose, sondern bestimmte „Haltungen" sollen also verboten werden. Sagt das doch gleich, Mensch.

Aber jetzt mal im Ernst, was soll das Verbot bitte bringen? Hartz IV lässt sich nicht einfach verbieten. Und eine Nullbockeinstellung kann auch in einer Jeanshose stecken. Liebe Lehrer und Schulleiter, die freie Marktwirtschaft wird schon noch früh genug dafür sorgen, dass die Jungs und Mädels die Jogginghose ausziehen müssen. Es sei denn, sie dürfen irgendwann für VICE arbeiten.

Noisey: Welche Musik hören eigentlich Schüler?

Da fällt mir gerade ein, als ich noch zur Schule ging, waren diese Jogginghose mit den Druckknöpfen an der Seite ganz groß im Kommen. Die trug man meist in Verbindung mit Buffalos. Zugegeben, das sah sehr bescheiden aus. Aber außer vielleicht im Berghain trifft man heute nur noch selten Leute, die so rumlaufen. Die Jogginghosen von früher tragen heute Anzug.

Anstatt Schülern also Kleidervorschriften zu machen, sollte man sie lieber das Grundgesetz lehren. Dort steht nämlich, dass jeder das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung hat.

Ich habe fertig—auch dieser berühmte Satz stammt im Übrigen von einem Jogginghosen-Träger.