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The Road to Nowhere Issue

Elektronische Musik in Nordkorea

​Nachdem er AIDS, Ebola und Krebs geheilt hat, kann sich Kim Jong-un nun auch der ersten echten internationalen Rockshow in Nordkorea rühmen.

von Lauren Messman
14 Oktober 2015, 4:00am

Laibach-Foto mit freundlicher Genehmigung von AP Photo/Dita Alangkara

Aus der The Road to Nowhere Issue 2015


Nachdem er AIDS, Ebola und Krebs geheilt hat, kann sich Kim Jong-un nun auch der ersten internationalen Rockshow in Nordkorea rühmen. Am 19. und 20. August spielte das slowenische Kunstkollektiv Laibach für eine erlesene Gruppe von Nordkoreanern, um die Befreiung Koreas von der japanischen Herrschaft am Ende des Zweiten Weltkriegs zu feiern. Laibach und eine Handvoll anderer Stars bekamen die Einreiseerlaubnis, darunter der US-amerikanische Basketballspieler Dennis Rodman und drei Mitglieder der Harlem Globetrotters.

Wenn du noch nie von Laibach gehört hast, dann wird dir beim Reinhören vielleicht aufgehen, warum Kim Jong-un von allen Musikern der Welt ausgerechnet diese auswählte. Laibachs militaristische Performancekunst und gutturales Krächzen werden seit Jahrzehnten als faschistoid kritisiert. Ihre Kostüme und Texte muten oberflächlich gesehen so totalitär an, dass vielen nicht klar ist, ob Laibach es ernst meint oder durch Ironie eine antifaschistische Botschaft verbreiten will. An der Schwelle zur Parodie erforscht Laibach komplexe Themen wie den westlichen Wirtschaftskollaps oder Inlandsspionage, oft durch Neuinterpretation von Pop-Klassikern, wie etwa des Beatles-Albums Let It Be.

Laibachs und Kim Jong-uns Verbindung mag uns ein Rätsel bleiben, doch Tour-Organisator Morten Traavik bot im Juli der BBC eine Erklärung: „Sowohl das Land als auch die Band sind als faschistische Außenseiter dargestellt worden. In Wahrheit werden beide missverstanden."