Das Westfalen-Blatt klärt auf: Homohochzeiten verwirren Kinder

In einer Ratgeberkolumne erklärt die Zeitung im vollen Ernst, warum Homosexuelle Kinder „durcheinander bringen".

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19 Mai 2015, 12:55pm

Immer wieder Sonntags erscheint im Westfalen-Blatt eine Ratgeberkolumne. Barbara Eggert erteilt dann den „Guten Rat am Sonntag" und antwortet auf Fragen von Lesern. Am vergangenen Sonntag erschien die oben abgebildete Kolumne, die nun auf Twitter aufgetaucht ist.

Oder, um es kurz zusammenzufassen: Treffen sich zwei Trottel und reden über Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. Auf der einen Seite ist da Bernhard (43), dessen Hauptgesprächsthema mit seinen acht- und sechsjährigen Töchtern anscheinend die Ehe zwischen Mann und Frau ist. Weil, was würde eine Sechsjährige schon mehr interessieren. Bernhard hat einen Bruder, und obwohl der Bruder und sein, sagen wir mal „Mitbewohner", total nett sind, sind sie leider auch schwul. (Ich weiß, Westfalen, das ist jetzt schockierend für dich). Und dann wollen sie auch noch heiraten! Und nicht nur das, Bernhards Töchter sollen Blumen streuen. Auf der Homohochzeit! Dieser Blumenweg wird direkt in die Hölle führen. Mit Sicherheit. Bernhards Töchter sollen sich sowieso nicht mit dem „Thema der sexuellen Orientierung" befassen. Was da alles passieren kann. Als Nächstes fangen sie an, Haschisch zu spritzen.

Homosexuelle heilen, vielleicht was für die nächste Kolumne, Barbara?

Gut, jetzt könnte man denken, Barbara Eggert würde Bernhard vielleicht aufklären. Darüber, dass seine Töchter ihren Onkel wahrscheinlich sehr gern haben und dass es ihnen deswegen großen Spaß machen würde, an dem Tag Blumen zu streuen, an dem ihr Onkel den Mann heiratet, den er liebt. Vielleicht könnte sie Bernhard erklären, dass es sich nur positiv auf seine Töchter auswirken kann, wenn sie rauskriegen, dass eine Ehe zwischen Mann und Mann keineswegs „unpassend" ist, und dass es vor allem auch noch weitaus mehr Konstellationen gibt als die Mann/Frau-Beziehung, die Bernhard den beiden in ihrem westfälischen Reihenhaus vermutlich vorlebt. Oder sie teilt ihm mit, dass die Töchter in ein paar Jahren vielleicht nicht sehr glücklich darüber sein werden, wenn sie nicht an der Hochzeit ihres schwulen Lieblingsonkels dabei sein durften. Vielleicht könnte sie ihm auch raten, sich einfach mal zu entspannen, immerhin reden wir hier von einer Homohochzeit in Westfalen. Man kann relativ sicher davon ausgehen, dass die Party keine drei Tage dauert, die Gäste nicht durchgängig auf Ketamin sind und auch keine Doppeldildos zum Einsatz kommen werden.

Jetzt hätte man schon am Anfang der Antwort von Barbara Egger merken können, dass hier was nicht stimmen kann: „Es ist für homosexuelle Paare sicherlich nicht einfach, eine gelungene Hochzeitsfeier zu organisieren." Warst du schonmal auf einer Hochzeit, Barbara Eggert? Hochzeiten sind das natürliche Biotop von schwulen Männern! Wir lieben Hochzeiten. Und es ist außergewöhnlich einfach für uns, gelungene Hochzeitsfeiern auszurichten.

Ansonsten findet Barbara Eggert nämlich, dass Bernhard total Recht hat. Seine Töchter würde der Besuch des Festes „durcheinander bringen", es würde die „Kinder verwirren". Was soll das überhaupt heißen Barbara Eggert? Werden die beiden Lesben? Weil sie auf der Satanshochzeit ihres Onkels waren? Um Gottes Willen. Was soll man seinen Kindern eigentlich sonst noch so alles nicht erzählen, weil es sie „verwirrt"? Vielleicht, dass die Erde keine Scheibe ist? Oder das Sonntagskolumnen in Tageszeitungen nicht der Ort sind, um Lebenstipps zu bekommen?

Stefan ist auch auf Twitter verwirrend.

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