Kanadische Konzerne beuten Guatemala aus

75 Prozent aller Bergbaukonzerne weltweit haben ihren Sitz in Kanada, und viele von ihnen treten die Menschenrechte mit Füßen.

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27 Dezember 2014, 7:00am

Foto von Johan Ordonez/AFP/Getty Images

75 Prozent aller Bergbaukonzerne weltweit haben ihren Sitz in Kanada, und viele von ihnen treten die Menschenrechte mit Füßen. So in Guatemala, wo kanadische Konzerne 88 Prozent der Bergbauproduktion kontrollieren, deren Wert 2012 auf 600 Millionen Dollar geschätzt wurde. Laut eines im September veröffentlichten Berichts von Amnesty International protestieren sowohl indigene als auch nicht indigene Gruppen in Guatemala gegen die Errichtung von Bergwerken in der Nähe ihrer Dörfer und ihres Landes, um Umweltverschmutzung und langfristige Schäden für die lokale Landwirtschaft zu verhindern.

Einige Aktivisten sind Opfer ungeklärter Gewalttaten geworden. So wurde 2005 Raúl Castro Bocel getötet, als Polizisten und Soldaten eine 40-tägige Blockade der Aktivisten brachen. Diese hatte die Bergarbeiter daran gehindert, Gerätschaften zu einem Bergwerk des kanadischen Konzerns Glamis Gold zu transportieren.

2010 schossen Unbekannte der Anti-Bergbau-Aktivistin Diodora Hernández vor ihrem Haus in San Miguel Ixtahuacán ins Gesicht. Sie überlebte, ist aber heute auf einem Auge blind und auf dem rechten Ohr taub. Die ungeklärten Straftaten haben das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber dem Bergbau und der Regierung, die ihre Interessen um jeden Preis schützt, nur vertieft.

Seit Jahren versuchen Einwohner und internationale Menschenrechtsgruppen, die Regierung und Konzerne zu Gesprächen mit den Gemeinden vor Ort über die negativen Auswirkungen des Bergbaus zu bewegen.

Unter dem Druck der UN erklärte Präsident Otto Pérez Molina letztes Jahr ein zweijähriges Moratorium für neue Metallbergwerke. Amnesty International warnte in einem Bericht, dass dies nicht ansatzweise ausreichend sei: „Es ist unabdinglich, dass der Staat Guatemala mit dem Erlass neuer Gesetze die Wahrung der Menschenrechte sicherstellt." Der Bericht fordert auch Kanada dazu auf, Gesetze zu verabschieden, die „eine obligatorische Rechenschaftspflicht sowie einheitliche Meldestandards für im Ausland tätige kanadische, rohstofffördernde Unternehmen einführen."