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"Madonna"-Herausgeberin Jenny Fellner sieht im Hashtag #noquotendicke kein Body Shaming

Jenny Fellner, die Herausgeberin des Modemagazins "Madonna" postet zu einem Urlaubsbild den Hashtag #noquotendicke. Warum das mehr als nur ein "dummer Scherz" ist.
17.6.16

Jenny Fellner ist die Herausgeberin der österreichischen Frauenzeitschrift Madonna und Tochter von Wolfgang Fellner, dem Herausgeber der Tageszeitung Österreich, der die Madonna wöchentlich beiliegt. Auf ihrem Instagram-Account postet Jenny Fellner gerne hübsche Selfies, Hinter-den-Kulissen-Bilder aus ihrem Office und auch Urlaubsfotos. Das letzte Urlaubsfoto, das sie vor vier Tagen gepostet hat, zeigt sie mit sechs Freundinnen auf St. Tropez. Im Text zum Bild bedankt sie sich bei ihren "Ladies" für den unvergesslichen Trip und fügt am Ende unter anderem noch den Hashtag #noquotendicke dazu. Unter dem Posting finden sich Kommentare wie "WTF??? Welche Magazine geben Sie nochmal heraus?", "Besser ein paar Kilo mehr auf den Hüften als (offensichtlich) ein paar Gehirnzellen zu wenig im Kopf" oder "Ein Grund mehr, Ihr Magazin nicht zu lesen".

Wirft man einen Blick auf die Startseite von Madonna, wird einem schnell klar, worum es dort geht. Madonna bedient die klassische Frauenmagazin-Schiene und bietet jede erdenkliche Hilfestellung zur Selbstoptimierung, sagt den Leserinnen, was hot ist und was eher nicht. Es werden die neuesten Trends präsentiert, die heißesten News über die Kardashians werden diskutiert (nothing wrong with that) und es gibt Ratgeber zu allen möglichen Themen, selbstverständlich erfährt man dort auch, wie man am effizientesten abnimmt.

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Inmitten völlig generischer Artikel, die die Madonna wohl als "Frauenthemen" bezeichnen würde, finden sich auch immer wieder besonders fragwürdige Schlagzeilen wie "Lopez: Peinliche Schweiß-Panne"—ein Artikel, in dem es darum geht, dass Jennifer Lopez bei einem Auftritt am roten Teppich geschwitzt hat. Wie unbedenklich und vertretbar es ist, wenn ein Frauenmagazin seinen vermutlich auch jungen Leserinnen vermittelt, dass es "peinlich" ist, zu schwitzen, sei dahingestellt. Schwitzen die Redakteure und Redakteurinnen von Madonna nie? Schwitzt Jenny Fellner im Urlaub auf St. Tropez?

Durch die Blume gesagt hält sich das Feingefühl von Magazinen wie Madonna in Grenzen—und wohl auch das von Jenny Fellner, zumindest in Bezug auf den Hashtag #noquotendicke. Im Jahr 2016, in dem uns allen immer noch völlig unrealistische Idealbilder vermittelt werden, in denen immer noch die minderjährigen, auf alt geschminkten Models auf Plakaten zur Perfektion gephotoshoppt werden, ist es wichtiger denn je, Body Shaming zu thematisieren—und nicht, es zu betreiben. Als Privatperson genauso wie als Medium.

Auf die Frage, was sie mit dem Hashtag eigentlich genau sagen wollte, erzählt Jenny Fellner gegenüber VICE: "Das Ganze war ein blöder Scherz in unserer Gruppe, weil eine Truppe von Männern am Strand zu uns gesagt hat: 'Lustig, bei euch gibt es keine Quotendicke'. Darauf hin war das ein Running Gag. Nicht mehr und nicht weniger. Dass ein dummer Witz, der niemandem gegenüber beleidigend gemeint war, so ausartet, konnte niemand wissen. Ich habe mich bereits auf meinem Instagram-Profil entschuldigt. Damit ist das Thema nun für mich erledigt."

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und — verena bogner (@verenabgnr)13. Januar 2016

Über Humor lässt sich bekanntlich ja streiten. Auch wenn eine dumme Bemerkung eines Mannes in Jenny Fellners Girl Gang vielleicht für einen Running Gag reicht, trifft das meinen Humor und auch den der Verfasser der kritischen Kommentare eher weniger. Und was bedeutet eigentlich "Quotendicke"? Gibt es der Meinung der fremden Männer am Strand nach in jeder Clique dicke Personen, um die Quote nach oben zu treiben? Wenn ja, wie hoch ist diese Quote und wer legt sie fest?

Dass Jenny Fellner im Vorhinein nicht weiter über den Hashtag nachgedacht hat, kann man ihr schon glauben. Dass "niemand wissen konnte", dass der Hashtag Menschen beleidigt, eher weniger. Das hätte man mit etwas Sensibilität gegenüber Themen wie Bodyshaming, die nicht ganz aus der Expertise einer Frauenmagazin-Herausgeberin heraus fallen, durchaus wissen können und müssen. Dass Frauen, die sich in Positionen wie Jenny Fellner befinden und in der Öffentlichkeit Gehör finden, diese Möglichkeit nicht nutzen, um andere, positive, empowernde Botschaften zu verbreiten, ist schade. Aber zum Glück finden sich in der Madonna ja alle nützlichen Tipps, wie auch wir perfekt werden können. So perfekt, dass wir dank zahlreicher Diät-Tipps und Cellulite-Wundermittel alle gleich sind. Gleich langweilig, gleich glattgebügelt.

Als Person, die in der Öffentlichkeit steht und noch dazu ein Magazin für Frauen herausgibt, sollte sie sich ihrer Reichweite besser bewusst werden. Denn ihre Leserinnen sind ganz bestimmt nicht nur durchtrainierte Bikini-Girls, die mal eben so nach St. Tropez jetten. Und das ist auch gut so.

Verena auf Twitter: @verenabgnr