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Auf Wiens Straßen könnten bald Bürgerwehren patrouillieren

Seit den Ereignissen in Köln bilden sich zunehmend Gruppen, die selbst für „Sicherheit" auf Österreichs Straßen sorgen wollen.
14.1.16

Die mediale Diskussion über die Ereignisse in Köln und die dadurch aufgeflammte Debatte über dieangeblichen Gefahren, die von Geflüchteten ausgehen, hat auch in Österreich ihre Spuren hinterlassen.

Vor allem die Aussage von Polizeipräsident Pürstel, dass Frauen „nachts generell in Begleitung unterwegs sein" sollten, zog viel Kritik nach sich. „Wenn der Polizeipräsident meint, dass die Wiener Polizei nicht in der Lage ist, Frauen vor Angriffen zu schützen, dann hat er auf ganzer Linie versagt", betonte etwa der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz.

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In Wien, Niederösterreich und der Steiermark, haben dieses angebliche Versagen der Sicherheitskräfte nun einige Menschen zum Anlass genommen, Bürgerwehren zum Selbstschutz ins Leben zu rufen. Mit Erfolg, wie zumindest aus zahlreichen Likes auf Facebook zu schließen ist.

Allein die Facebookseite „Bürgerwehr Wien/Wien Umgebung" wurde seit ihrer Gründung am 8. Jänner 2016 knapp 2200 mal geliked (Stand 14.01.2016). Auch die niederösterreichische Gruppe „Bürgerwehr Mödling/Baden/Traiskirchen/Guntramsdorf" und ihr steirisches Pendant „Bürgerwehr Für Sie AT" können mehrere hundert Anhänger hinter sich vereinen.

Während die Niederösterreicher und Steirer vorerst aber nur über aktuelle Ereignisse „die in den Medien verharmlost" werden berichten und Tipps zum Selbstschutz geben wollen, ist man in Wien schon einen Schritt weiter. In der Bundeshauptstadt sollen in den nächsten Wochen tatsächlich die ersten Patrouillen unterwegs sein. „Noch sind wir nicht Unterwegs. Wir sind gerade im Aufbau und erledigen alles, was organisatorisch so nötig ist", sagt einer der Organisatoren, gegenüber VICE.

Dabei soll es nicht darum gehen, als prügelnder Mob durch Wien zu ziehen. „Wir wollen unseren Bürgern das Gefühl geben das jemand auf sie schaut wenn es dunkel wird.Wir werden uns als Verein im Rahmen der Nachbarschaftshilfe bewegen", heißt es auf der Facebookpage. Auch wolle man nicht die Arbeit der Polizei übernehmen, sondern lediglich „unseren Frauen einen kleines Gefühl der Sicherheit geben indem wir sie Begleiten wenn sie das wünschen." Vor Notwehr würde man aber nicht zurückschrecken.

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Alle drei Seiten scheinen bemüht, von Anfang an darauf hinzuweisen, dass die Gruppen keine Anti-Asyl-Seiten seien und man weder rechts noch links sei. Ein Hinweis, der von den Nutzern teilweise ignoriert wird. So finden sich in den Kommentarspalten durchaus hetzerische, rassistische und teils offen rechtsextreme Postings und Videos. Und natürlich auch die üblichen All-Cabs-Schreier.

Man versichert uns gegenüber, dass man rechte Rambos und Hooligans aus der realen Patrouille raushalten werde. Ob das gelingen wird, wird sich zeigen. Der Nährboden für rechte Straßengewalt ist jedenfalls da, wie zuletzt die rechtsextremen Gewaltexzesse in Leipzig gezeigt haben.

Neben diesen über Facebook organisierten Gruppen gibt es mittlerweile in Wien auch ein Unternehmen, das kostenlosen Begleitschutz vor allem für Frauen anbietet. Das Unternehmen „Weisser Flügel" arbeitet an einem 24/7-Begleitschutz, der ganz einfach online oder per SMS vorbestellt, aber auch akut genutzt werden kann. Finanzieren will sich das Projekt über Sponsoren.

Egal ob es Unternehmen wie „Weisser Flügel" oder dem rechten Lager entspringende Bürgerwehren sind—sie profitieren vom scheinbaren Versagen der staatlichen Autorität und der zunehmenden Unsicherheit in der Bevölkerung.