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Meine Rückkehr in die Therapie

Ich leide unter Depression und suche jetzt Hilfe.
19.11.14

Foto:  ​James Nash | ​Flickr | ​CC BY-SA 2.0

Solange ich zurückdenken kann, war ich depressiv. Nachdem ich aus der Gebärmutter meiner Mutter herausgeschnitten und in ein Krankenhausbett gelegt worden war, erklärte ich wortlos: „Ich bin zu Hause." Mein derzeitiges Bett verlasse ich nicht, wenn ich nicht unbedingt muss, und kümmere mich um die wichtigen Dinge des Lebens (der Arbeit aus dem Weg gehen, meine Katze wegschubsen, das Leben anderer Menschen auf Instagram verfolgen) gern in der Horizontalen.

Die Tatsache, dass meine aktuelle berufliche Situation alles andere als rosig ist, macht die Sache nicht besser. Ich bin 31 Jahre alt, kinderlos, allein und habe keinen Agenten. Ich bin ein einziges Mal angesprochen worden, weil mich jemand vertreten wollte. Und das war der Assistent eines Agenten, der noch nicht einmal wusste, dass Ari Gold von der Miller/Gold-Talentagentur, den ich auf meiner Website aufgeführt habe, keine real existierende Person ist. (Er ist ein Charakter aus Entourage).

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Ich bekomme noch nicht einmal einen Job als Autorin beim Kabelfernsehen. Ich kann mir Kabelfernsehen noch nicht einmal leisten. Letzte Woche habe ich mir die Schulter verrenkt, als ich auf einer Treppe gestürzt bin. Das fand in einem Laden statt, in dem ich zu einer Version von „Hotel California", die ich dadurch gruseliger gemacht habe, dass ich rasselnde Ketten und Zitate von Charlie Sheen eingefügt habe, meinen darstellenden Tanz aufgeführt habe.

Das einzige, das ich letztes Wochenende gemacht habe (im Bett natürlich), war zu masturbieren und The War for Late Night zu lesen, ein Buch über das Tonight Show-Debakel von 2009. Wenn ich gestorben wäre und die Sanitäter meinen Vibrator neben dem Buch hätten liegen sehen, auf dessen Cover eine mittelmäßige Fotomontage von Conan O'Brien und Jay Leno, die sich gegenseitig anschreien, zu sehen ist, wäre ich vor Peinlichkeit wahrscheinlich ein zweites Mal gestorben. Als ich gerade masturbierte, machte ich den Fehler, meine Augen zu öffnen. Jay Lenos aufgedunsenes Gesicht starrte mich an. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich Hilfe brauchte.

Die Zeit war gekommen. Ich entschied mich dafür, meine Psychotherapie fortzusetzen. Ich vereinbarte—nachdem ich einen Nachmittag lang in der Warteschleife gehangen hatte—einen Termin in der nahegelegensten Klinik.

Schon in meiner ersten Sitzung habe ich alles rausgelassen. „Geh rein, steig hart ein, geh wieder nach Hause und kriech zurück ins Bett", hatte ich mir gesagt. Wie hart bin ich genau eingestiegen? Hart genug, um zu heulen, während ich die Formulare ausfüllte.

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Während der Sitzung weinte ich mit Unterbrechungen und unterschiedlicher Intensität weiter. Als mich meine Therapeutin nach meinen Stärken fragte, fing ich sofort an zu schluchzen. „Wenn ich ein positives Selbstbild hätte, wäre ich doch nicht hier", dachte ich mir und rasselte widerwillig ein paar Klischees herunter.

„Ich bin … witzig?", sagte ich in singendem Tonfall. Sie nickte und schrieb es emotionslos auf. „Was sonst noch?", fragte sie. „Ähm …", stotterte ich. Ich meinem Kopf herrschte absolute Leere. Mir fiel beim besten Willen nichts Beachtenswertes oder Besonderes an mir ein. „Kein Wunder, dass ich hier bin, so erbärmlich wie ich bin", sagte ich mir. „Ich bin … eine gute Autofahrerin?", fragte ich mehr, als dass ich es sagte. Sie schrieb es auf.

Nachdem ich nur zwei Stärken hatte aufzählen können, kamen wir auf das Thema Familie zu sprechen. „Erzählen Sie mir etwas über Ihren Vater", bat sie.

„Scheiße", antwortete ich. „Wie viel Zeit haben Sie denn?"

„Eine Stunde", antwortete sie und schaute auf ihre Armbanduhr.

Und wie ich ihr von meinen Vater erzählte. In dem Moment, in dem ich ihr davon erzählte, dass mein Vater einmal das Wort „FUCK" in das Dach eines Autos geritzt hatte, das seiner Meinung nach zu nah an seinem Volvo geparkt hatte, leuchtete Schadenfreude in ihren Augen auf. Da wusste ich, dass ich ihr in den kommenden Wochen mit den Anekdoten über meinen schlechten Vater viel Freude bereiten würde. Eigentlich müsste sie mich für diese Geschichten bezahlen, die sind Gold wert!

Ich weinte und weinte und weinte noch mehr. Ich weiß gar nicht, ob ich wegen des trostlosen Zimmers weinte (ein beiges Büro mit staubigen Möbeln und einem inspirierendem Zitat über die Macht der Liebe an der Wand), weil ich das Gefühl hatte, dass ich weinen musste, weil Menschen während Therapiesitzungen nun mal weinten, weil ich es hasste, über mich selbst zu sprechen, oder weil ich eben ein geborenes Nervenbündel war. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem.

Meine Tränen wurden mit Sicherheit nicht von den Dingen ausgelöst, über die ich sprach. Schließlich war das meine erste Sitzung, meine Gelegenheit, mich selbst vorzustellen, bevor ich meine Probleme vorstellte. Ich weinte, während ich erzählte, wie alt meine Mutter war. Ich weinte, während ich erzählte, was mein Hauptfach an der Uni gewesen war. Ich weinte so heftig, dass ich meine Augen irgendwann nicht mehr öffnen konnte. Als ich den Raum verließ und ins gleißende Tageslicht trat, wurde es mir einfach zu viel. Ich musste mich erst für eine Weile in meinem Auto hinlegen, bevor ich die zwei Blocks zurück zu meiner Wohnung fahren konnte, um mich dort wieder ins Bett zu legen.

Ich schreibe diesen Text, während ich in meinem sicheren, gemütlichen Bett liege. Sollte ich im Bett liegen? Wahrscheinlich nicht. Werde ich heute noch aufstehen? Nicht, wenn ich es vermeiden kann. Eines Tages werde ich vielleicht aus freien Stücken aus meinem Bett aufstehen. Das ist mein Ziel. Ich bin es leid, ständig müde zu sein. Ich will bloß so glücklich sein, wie andere zu sein scheinen (oh, und außerdem gevögelt werden). Scheint ein erreichbares Ziel zu sein.