Anzeige
Reisen

Wir haben die Kriegsveteranin interviewt, die in Afrika Wilderer jagt

Sie ist ein richtiger Instagram-Star und ihre große Leidenschaft ist es, Wilderer in Afrika das Fürchten zu lehren.

von Dani Cabezas
02 Oktober 2015, 4:01am

Alle Fotos von Kinessa Johnsons Facebook-Seite

Sie stemmt Gewichte, zeigt eine coole Pose oder ihre Dutzenden Tattoos. Sie hält Gewehre, erkundet undurchdringlichen Regenwald oder lächelt ein paar Meter von potentiell lebensbedrohlichen Wildtieren entfernt in die Kamera. Kinessa Johnson ist ein Instagram-Star, und das liegt hauptsächlich an ihrem Job: Sie bekämpft in einigen der entlegensten Gegenden Afrikas Wilderer.

VIDEO: Aus dem Wald vertrieben — Ugandas verlorener Stamm

Kinessa wurde im Bundesstaat Washington an der Westküste der USA geboren und trat dort der US Army bei. Doch inzwischen hat sich ihr Leben sehr verändert. Eines Tages erfuhr sie von VETPAW, einer Organisation, die sich dem Kampf gegen die illegale Wildtierjagd in Afrika verschrieben hat—und zwar mit der Hilfe von US-Kriegsveteranen. Sie hörte, dass VETPAW eine Frau suchte, die Wildtierhüterinnen ausbilden konnte, und bewarb sich. Sie bekam den Job, und seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war.

Kinessa ist neben ihrer Arbeit für VETPAW auch Model für Waffenhersteller. Sie hat viel Zeit in Tansania verbracht, und obwohl sie momentan wieder in den USA ist, hofft sie darauf, bald wieder in einem afrikanischen Land zu arbeiten.

VICE: Was genau ist deine Aufgabe bei VETPAW?
Kinessa Johnson: VETPAW ist ein Akronym, das für Veterans Empowered to Protect African Wildlife steht. Wir sind eine Gruppe von Veteranen und Veteraninnen, die im Irak und in Afghanistan gedient haben. Unsere Fähigkeiten und unsere Führungsqualitäten können sehr nützlich sein, wenn man sie auf die Prävention der Wilderei von gefährdeten Tierarten anwendet. Ich bin ausgebildete Waffentechnikerin und -ausbilderin, und das ist die Art von Fachwissen, die ich an afrikanische Försterinnen und Förster weitergeben kann, damit sie in ihrem Kampf gegen die Wilderer noch effektiver sein können.

Hat diese Aufgabe irgendetwas mit deinen Aufgaben in der US Army gemeinsam?
Nein, das kann man kaum vergleichen. Aber ich bereue bisher nichts. Ich versuche, mich rückblickend nur auf die Erfahrung zu konzentrieren, die ich mitnehmen konnte.

MUNCHIES: Für deinen Fleischkonsum müssen mehr Tiere sterben, als du denkst.

Aber es ist doch so, dass du in vielen Bildern mit Waffen posierst. Sind die für deine Arbeit notwendig?
Ich bin froh, dass du das fragst, denn damit kann ich das klarstellen: Viele dieser Bilder sind entstanden, bevor ich zum VETPAW-Mitglied wurde, also gehören sie nicht zu diesem Abschnitt meines Lebens oder zu meiner aktuellen Arbeit.

Allerdings hast du mit Waffen viel zu tun. Du arbeitest sogar als Model für die Waffenindustrie ...
Das tue ich, aber es ist nur ein Nebenjob. Ich bin das, was man als „taktisches Model" bezeichnet: Sie suchen Frauen, die für ihre Zeitschriften mit Waffen posieren. Es gibt Leute, die sagen, das sei für Waffenfans sehr attraktiv ... Für mich ist es einfach nur eine Methode, ein wenig Geld dazu zu verdienen.

Setzt du in deinem aktuellen Job Waffen ein? Musstest du je auf einen Wilderer schießen?
Nein. Ich musste noch nie den Abzug betätigen. Unser Ziel ist es, Wilderei zu verhindern, und nicht, Menschen zu erschießen. Wir wollen, dass die Wilderer ihre gerechte Strafe kriegen.

Wilderei ist ein großes Problem. Was sind deiner Meinung nach die nötigen Schritte, um es zu lösen?
Illegale Jagd ist in vielen Teilen der Welt ein Problem, aber in Afrika ist sie ein riesiges Problem. Wir reden hier hauptsächlich von gefährdeten Tierarten. Eines der Haupthindernisse sind die unwissenschaftlichen, abergläubischen Überzeugungen, die in vielen Ländern sehr verbreitet sind, wie zum Beispiel die Vorstellung, dass Elefantenstoßzähne ein potentes Aphrodisiakum sind. Hierzu kommt noch die weitverbreitete Armut in den meisten dieser Länder, weswegen es dann Leute gibt, die auf jede erdenkliche Art versuchen, Geld zu verdienen. Wilderei ist für sie eine Antwort auf ihre Probleme. Die Lösung wäre also offensichtlich, dass diese Länder eine funktionierende, unabhängige Wirtschaft brauchen, in denen die Leute nicht meinen, sich ihren Lebensunterhalt mit Wilderei verdienen zu müssen.

Würdest du sagen, die Situation hat sich in den letzten Jahren verschlechtert?
Ich fürchte, ja. Vor allem wenn wir uns ansehen, wie die Zahlen bei gewissen Spezies immer weiter sinken—wie bei dem nördlichen Breitmaulnashorn oder dem Elefanten. Es kann keinen Zweifel geben, dass Wilderei zu einer immer größeren Sorge wird.

Du hast mehr als 85.000 Follower auf Instagram. Was ist es deiner Meinung nach, das diese Fans am meisten anlockt?
Es ist großartig! Es klingt fast surreal, ich kann es gar nicht erklären. Ich bin froh, wenn ich ein paar Leute inspirieren kann, und ich bin stolz, für eine Sache zu kämpfen, an der so viele Menschen interessiert sind. Wenn ich nur eine Person überzeugen kann, sich um ein Ende der Wilderei zu bemühen, dann habe ich mit meinem Leben etwas Gutes angefangen.

Abgesehen von der Wilderei, glaubst du, die Leute sind zunehmend gegen die Jagd an sich, weil sie in der heutigen Welt nicht nötig ist?
Diese Frage stellt man mir oft. Es gibt Argumente dafür und dagegen. Als eine Person, die sich gegen Wilderei einsetzt, kann ich nur sagen, dass es absolut abscheulich ist.