Illustration optimistischer Mann
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Der optimistischste VICE Guide für das beste Leben der Welt

Es gibt nichts schönzureden: Das Leben ist manchmal beschissen. Aber alles kein Problem, denn hier ist der ultimative happy happy Guide für ein erfülltes Dasein und das beste beste Leben überhaupt.
10.3.15

Es regnet, ist kalt, du schaust die 100. Folge einer austauschbaren Serie, vielleicht hast du gerade eine Bindehaut- oder Nierenbeckenentzündung. Du bist draufgekommen, dass das alles so nicht weitergehen kann, das Studium oder die Arbeit beschissen ist oder du nichts von beidem hast. Eine Beziehung hast du auch nicht, oder du hast eine, aber wärst eigentlich viel lieber wieder Single. Wenn du Single bist, hättest du natürlich gerne eine Beziehung und sowieso hättest du gerne alles, was du nicht hast, vor allem ein bisschen Perfektion und Zufriedenheit und das am besten sofort.

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Natürlich sind alle Menschen um dich herum inkompetente und unfreundliche Arschlöcher, denen immer gute Dinge passieren während dein Leben das schlimmste von allen ist. Wieso Mühe geben, dass überhaupt etwas besser wird? Wird es doch eh nicht. Weil die Welt der schlimmste Ort der Welt ist, ungerecht, düster, voller Korruption und Hundekacke. Es gibt nichts schön zu reden: Das Leben ist manchmal beschissen. Aber alles kein Problem.

Hier der ultimative happy happy Guide für ein erfülltes Leben und sowieso das beste Leben überhaupt.

Triff Entscheidungen

Foto: VICE Media

Hör auf, zu denken und fühl ein bisschen mehr. Aus Vernunft wirst du noch oft genug handeln müssen und selbst dann hat das Bauchgefühl meistens recht. Wenn du eine Wohnung betrittst und irgendetwas fühlt sich nicht gut an, dann wird das nicht deine neue Wohnung. Wenn du einen tollen Mann nicht willst, weil dich irgendetwas zurückhält, dann ist er es einfach nicht. Dein Bauch ist viel gescheiter als du.

Wenn du dann, mit Bauch oder Kopf, beidem oder keinem davon, eine Entscheidung getroffen hast, dann steh dazu. „Was wäre, wenn"-Fantasien sind für den Arsch. Wir haben sie alle, aber „Was wäre, wenns" wird es immer geben. Vielleicht wärst du jetzt glücklicher, hättest du doch nur etwas anderes studiert. Hast du nicht. Mach jetzt was daraus, studiere noch einmal oder tu es nicht, aber wenn du dich für etwas entschieden hast, dann akzeptiere die Entscheidung.

Sündige

Du hast gerade drei Donuts gegessen, was du nicht solltest, oder am Nachbarn genascht, was du noch weniger solltest, weil du dem jetzt jedes Mal mit knallrotem Gesicht beim Briefkasten begegnest? Du schaust jeden Tag drei Stunden Pornos, hast letztes Wochenende nach dem Fortgehen ins Taxi gekotzt oder seit drei Tagen kein Sonnenlicht mehr gesehen? Und weiter? Es interessiert keine Sau.

Du wirst nicht mit 80 auf deinem Sterbebett liegen, deine letzte Energie zusammensammeln und deinen heulenden Enkeln ins Ohr hauchen: „Hätte ich doch nur damals nicht ins Taxi gekotzt." Alles was du tust, führt zu irgendetwas. Im besten Fall zu etwas Gutem. Meiner Familie und mir wurde einmal in Argentinien alles gestohlen. Pässe, Geld, Flugtickets, Kreditkarten. Die Kurzfassung: Wäre uns nicht alles gestohlen worden, würde ich jetzt wahrscheinlich in Argentinien leben und hätte drei lockige Babys. Aus den schlimmsten Sachen kann Jahre später etwas Gutes werden. Und wenn nicht, dann hast du es Jahre später sowieso wieder vergessen.

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Aber bei all dem Carpe Diem: Sei kein Arschloch. Es ist nicht immer ganz einfach, aber erinnere dich ab und zu einmal daran, dass du nicht der einzige Mensch auf der Welt bist. Jeder macht mal Blödsinn. Manche ein bisschen mehr als andere. Entschuldige dich, vergib dir irgendwann auch einmal und machs beim nächsten Mal besser.

Wähle die richtigen Freunde

Foto: VICE Media

Wenn du einige Freunde aus deiner Kindheit nur noch hast, weil du sie eben immer schon kennst, sie bei deinem ersten Kuss dabei waren oder du dich mit ihnen sehr gut über einen gemeinsamen Feind aufregen konntest (das aber der einzige Grund ist, weshalb ihr noch befreundet seid und sie eigentlich Volltrottel geworden sind), dann vergiss sie. Man lebt sich nun mal auseinander und es ist nicht schlimm, wenn man irgendwann nicht mehr viel miteinander anfangen kann.

Dann gibt es noch die Freunde, die dich nur haben, weil sie dich brauchen. Und du behältst sie einfach, weil … tja. Scheiß vor allem auf die. Aber: Freundschaft beruht nun mal auch darauf, dass man sich gegenseitig hilft. Sag also nicht deiner besten Freundin, dass sie ihren Umzug gefälligst alleine machen soll, nur weil du heute keine Lust hast. Wenn das für dich nicht selbstverständlich ist, dann bist du das Arschloch eurer Freundschaft.

Manche Freunde sind echte Freunde, egal wie selten man sie sieht. Und denen hilft man auch beim 100. Umzug noch gerne. Aber es gibt eben auch einfach Arschlöcher, die du nur noch als Freunde siehst, weil du sie seit immer kennst oder weil es praktisch ist, mit ihnen befreundet zu sein. Zum Glück haut das Leben dir oft genug schlimme Momente um die Ohren, in denen du dann siehst, wer dir guttut und wer nicht.

Liebe

Foto: VICE Media

Vielleicht bist du so arg verliebt, dass es wehtut und jemand auch in dich. Und vielleicht ist das sogar dieselbe Person, die du gut findest. Schön für euch. Lest beim nächsten Punkt weiter.
Wenn du nicht verliebt bist, dann bist du es eben nicht. Es wäre ja langweilig, wenn das so einfach ginge. Ein anfängliches, ganz oberflächliches Verliebtsein ist das reine Idealisieren des Gegenübers. Zwischen dieser Idealisierung und einer tatsächlichen Beziehung, steht ein langer, harter Weg ernüchternder Realität.

Die Ideale werden durch tatsächliche Erlebnisse und Eigenschaften ersetzt und entweder die Realität ist toll und gut genug, um die Person auch ohne Verliebtheitswahn super zu finden oder sie ist es nicht. Dann auf zum nächsten Ideal. (Das mit der Idealisierung passiert übrigens auch dann, wenn ihr euch gegen eine Person entschieden habt, oder sie sich gegen euch—euer Ex ist nicht so toll, wie ihr plötzlich wieder glaubt!)

Hab Spaß

Genieß es, dass du irgendwie noch machen kannst, was du willst (siehe auch Sünde). Blamiere dich und lach drüber. Wenn du dabei schlecht angezogen bist oder eine peinliche Frisur hast, dann kannst du wenigstens in 10 Jahren, wenn du ein paar Falten mehr hast, die Fotos von heute anschauen und dich freuen, wie viel toller du doch geworden bist. Wenn du dich nicht erst in 10 Jahren gut fühlen möchtest, dann schau dir alte Fotos an und fühle dich jetzt schon besser.

Aber ehrlich: Mit 50 wirst du dich an die Zeiten zurücksehnen, in denen du Flecken auf deinen Shirts und schlecht gefärbte Haare haben konntest und es OK war, weil du einfach noch jung warst. Genieß das Leben, sei nicht zu cool, um dir Gedanken über Dinge zu machen, die dich wirklich beschäftigen und interessieren. Kauf dir eine Jahreskarte für den Zoo, lies alle großen russischen Autoren oder fang an, Trampolin zu springen, wenn es das ist, was du am liebsten machst. Trink mal zu viel, tanz mal zu lang und genieße, dass du am nächsten Tag nichts machen kannst, weil es dir so schlecht geht.

Akzeptiere schlechte Tage

Auch die gehören dazu—lerne sie anzunehmen. Höre Musik, die alles noch viel schlimmer macht, iss Sachen, die alles noch einmal schlimmer machen. Lass es dir so richtig dreckig gehen, hör für ein paar Tage auf, dein Zimmer aufzuräumen, sei ein Messie, zieh deine Jogginghose nicht mehr aus, weine grundlos laut herum. So laut und übertrieben, dass du deswegen noch ein bisschen mehr weinen musst. Oder schau in den Spiegel und weine darüber, was für ein Wrack dir entgegenblickt. Wenn dir dabei Eis aus dem Mund tropft: Ausgezeichnet. Heute ist ein schlechter Tag. Vielleicht ist morgen auch noch einer. Vielleicht die ganz Woche. Nutze die Zeit, um endlich die neuesten Folgen einer austauschbaren Serie oder alle Ryan Gosling-Filme zu schauen.

Irgendwann musst du es dann schaffen, dich zusammen zu reißen. Mach Portishead aus und hör das Lied, das sich am allerglücklichsten macht. Oft ist das eines, für das man sich gleichzeitig auch ein bisschen schämt. Wenn du keines hast, versuchs damit, damit, damit, da- oder hiermit. Und dann lass dich von den schlechten Tagen inspirieren. Nach einer ganz schlechten Woche habe ich mich 2013 für VICE beworben. Hätte schlimmer kommen können.

Sei ehrlich

Es wäre so einfach, aber zu viele Menschen trauen sich einfach nicht. Beinahe alle Alltagsprobleme lassen sich ganz einfach mit Ehrlichkeit lösen. Sei nicht böse, weil du gesagt hast, dass du beim Umzug hilfst, aber eigentlich gar keine Zeit hast. Sitz nicht schmollend bei einem Date, auf das du schon von Anfang an keine Lust hattest. Sag deiner Freundin nicht, dass sie in diesem Kleid super aussieht, wenn sie es nicht tut. Hör auf, dir beim Sex mit deinem Freund jemand anderen vorzustellen, weil du sein Gesicht nicht mehr sehen kannst.

Sei ehrlich (mit Maß). Du musst deinem Freund nicht sagen, dass du beim Sex an den Nachbarn denkst, aber sag ihm, dass die Beziehung nicht mehr funktioniert. Sag deiner Freundin vielleicht nicht, dass das Kleid scheiße aussieht, aber sag ihr, dass das andere besser aussieht. Hör auf, in Dinge, die Leute sagen, etwas rein zu interpretieren. Sei offen, sei ehrlich, sag Leuten, wenn du keine Zeit hast, anstatt zuzusagen und dann grantig zu sein, weil du eigentlich keine Zeit hast. Dann wissen die Menschen um dich herum auch, dass du, wenn du zusagst, auch wirklich Lust und Zeit hast.

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Und noch was: Wenn dir jemand gefällt, dann sag es einfach. Wenn du beim Fortgehen einen fremden Menschen auf ein Getränk einlädst oder einer alten Bekanntschaft nach drei Jahren plötzlich „Was hörst du eigentlich für Musik?" auf Facebook schreibst, dann weiß die Person doch eh schon ganz genau, was du willst. Lass das unnötige Herumtänzeln. „Du gefällst mir", „Ich würd gern was mit dir machen." Ehrlichkeit erspart unnötiges Mutmaßen und tut gut, vertrau mir.

Mach dir weniger Gedanken & Sorgen

Wenn du mit einem Problem konfrontiert wirst, dann gehe es an. Schritt für Schritt. OK, du kannst dir die Miete deiner Wohnung nicht mehr leisten. Beschissen, ja—aber da hilft nur hinsetzen, nachdenken und irgendwann kommt die Lösung. Du kannst auch jammern, ganz egal. Jammere. Such dir jemanden, der sich das gerne anhört. Oder wenigstens jemanden, dessen Jammern du dir auch anhörst, selbst dann, wenn es keinen Spaß macht (siehe Freunde).

Hör auf, dich mit deiner besten Freundin, der neuen Freundin deines Exfreundes oder deiner Schwester zu vergleichen. Vielleicht hat sie ein paar Kilo weniger, ist 10 Zentimeter größer oder hat gerade einen tolleren Job. Das hindert dich nicht daran, dass du so toll wirst, wie du nur irgendwie kannst. Es kann nicht nur eine supertolle Person geben (die, würdest du sie nicht voller Neid idealisieren, eh nicht so toll wäre, das weißt du). Du kannst mindestens genau so gut sein.

Hör auf, cool zu finden, was du glaubst, cool finden zu müssen. Wenn du Drachen cool findest, dann findest du Drachen cool. Ich liebe Pippi Langstrumpf, Harry Potter und selbstgebastelte Geschenke. Urteile schnell und dann kuschle weiter mit deinem Schafi, das du immer rausholst, wenn niemand bei dir schläft. Es wird dich nicht glücklich machen, wenn du so tust, als wärst du jemand, der du nicht bist. Du bist schon richtig so. Außer du bist Wladimir Putin.

Wenn ihr jetzt vor lauter Liebe und Regenbogen kotzen wollt, tut das quer über Hannas Twitteraccount: @hhumorlos.