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Sex

Produktplatzierungen sind jetzt auch in Pornos angekommen

Vor Kurzem wurde der erste Porno mit eingebauter Werbung veröffentlicht. Damit ergeben sich für die gebeutelte Industrie ganz neue finanzielle Möglichkeiten.

von Allison Tierney
06 März 2015, 4:00pm

Veronica Vain: Wall Street-Praktikantin und Porno-Star in einem (Foto: bereitgestellt von ArrangementFinders.com)

Pornos sind inzwischen in allen Bereichen der modernen Gesellschaft angekommen. Ein Beispiel für diesen Umstand ist der Einzug von Pornhub in die Musikindustrie: Letzten Oktober gründete die Porno-Website ein Plattenlabel und drehte zusammen mit Coolio ein NSFW-HipHop-Video. Jetzt lässt ein Online-Dating-Dienst die Grenzen noch weiter verschwimmen. Im Januar ernannte ArrangementFinders.com mit Kayden Kross eine mit Preisen ausgezeichnete Porno-Darstellerin zum neuen Vorstand. Am Anfang mutete das Ganze noch wie ein Publicity-Stunt an, aber schon bald folgten die ersten Resultate: Letzten Monat drehte das Unternehmen den ersten von ArrangementFinders.com gesponserten Porno mit dem Titel Screwing Wall Street: The ArrangementFinders IPO.

Es hat den Anschein, als läge die Zukunft der Pornos in Produktplatzierungen. Wenn du das nächste Mal auf deiner bevorzugten Schmuddel-Website unterwegs bist und ganz aufgeregt nach „Gangbang" suchst, dann springen dir vielleicht schon bald Nahaufnahmen eines Energy-Drinks entgegen, während du noch an deinem Hosenknopf rumfummelst. Na, schon durstig?

In den letzten fünf Jahren hat sich die Branche der Erwachsenenunterhaltung drastisch verändert. Als YouTube 2005 online ging, ließ das Porno-Äquivalent nicht lange auf sich warten. Innerhalb eines Jahres entstanden drei solche Seiten und die Verkaufszahlen von Porno-DVDs gingen zurück. Inzwischen gibt es mehr als Tausend dieser einschlägigen Tube-Websites und quasi jede sexuelle Fantasie wird kostenlos bedient (siehe „Rule 34": Wenn etwas existiert, dann auch als Porno).

Laut eigenen Statistiken wurde 2014 78,9 Milliarden mal auf Pornhub-Videos zugegriffen (das sind ungefähr zehn Porno-Klicks pro Erdbewohner). Währenddessen stehen die Produktionsunternehmen von Erwachsenenfilmen vor dem Bankrott und sind verzweifelt auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, ihre Streifen profitabel zu vermarkten. Man kann entweder eine Zusammenarbeit mit einer Tube-Website eingehen, sich dem Webcam-Trend anschließen oder qualitativ hochwertige Pornos produzieren, die so speziell und exklusiv sind, dass die Leute auch bereit sind, dafür Geld zu zahlen. Ansonsten hat man verkackt.

Aber könnten behutsam eingesetzte Produktplatzierungen das Ganze in eine neue Richtung lenken?

„Eigentlich gibt es nur in Pornos noch keine solche Art der Werbung. Das Potenzial ist jedoch riesig", erklärte mir Kross. „Man geht zwar ein hohes Risiko ein, aber es kann sich auch richtig lohnen, denn es schauen einfach viele Menschen Pornos. Es wird mehr nach Pornos als nach irgendeinem anderen Thema gesucht—der Name ArrangementFinders wird also die Runde machen, ob nun gewollt oder nicht."

ArrangementFinders.com ist eine Dating-Website, die jungen Frauen dabei hilft, reiche ältere Männern kennenzulernen. Das Unternehmen hat auch schon in der Vergangenheit zu Werbezwecken mit Porno-Stars zusammengearbeitet—zum Beispiel mit Bree Olson (Charlie Sheens Ex-Frau) oder Sydney Leathers. Es ist jedoch ein Novum, dass ein Porno-Star die Firmenleitung übernimmt.

Kross wurde 2006 an der University of California von Scouts der Erwachsenenindustrie entdeckt und hat seitdem in mehr als 100 Pornos mitgespielt. Ihre anderen Fähigkeiten sind jedoch ebenfalls beeindruckend: Sie hat schon Artikel in der New York Times veröffentlicht und moderierte für G4. Fast sofort nach ihrer Übernahme der Geschäftsleitung von ArrangementFinders kam Kross auf die Idee, den Firmennamen in Erwachsenenfilmen zu platzieren. Sie wusste allerdings auch, dass das nur mit dem richtigen Porno-Star funktionieren würde.

Erinnert ihr euch noch an die Wall Street-Praktikantin, deren auf der Arbeit geschossene Nacktfotos im Internet auftauchten, sie daraufhin kündigte und dann der Welt per Twitter die Nachricht „Ich habe gekündigt, denn wenn ich mich schon jahrelang in den Arsch ficken lasse, dann will ich dafür auch in die Hall of Fame kommen" zukommen ließ? Nun ja, Veronica Vain (aka Paige Jennings) ist jetzt die Hauptdarstellerin von Screwing Wall Street: The ArrangementFinders IPO.

Vain wurden von mehreren Produktionsfirmen lukrative Angebote unterbreitet. „Wenn ich einen anderen Deal eingegangen wäre, hätte ich damit vielleicht die Situation der Frauen im Porno-Business noch weiter verschärft", erzählte mir Vain am Telefon. „Der größte Reiz bestand für mich darin, bei etwas mitzuwirken, dass es so vorher noch nie gegeben hat: ein Porno-Film mit Produktplatzierungen."

Der Streifen macht sich auch Vains Ruf zunutze: Sie spielt darin eine Börsenmaklerin an der Wall Street, die die Aktien eines Unternehmens manipulieren will—nämlich die von ArrangementFinders.com. Der erste Clip wurde am 13. Februar auf Pornhub veröffentlicht und in den ersten 48 Stunden eine Million mal angeschaut. Das ist Rekord für den ersten Auftritt eines neuen Porno-Sternchens.

„In der Vergangenheit hat man Pornos noch still und heimlich geschaut und sie unter seiner Matratze versteckt", sagte Kross. „Aber jetzt reden die Leute über dieses Thema. Man folgt Porno-Stars auf Twitter und gibt damit ja quasi zu, deren Filme zu schauen. Das ist ein gutes Beispiel für den Schneeball-Effekt und langsam kommt alles ins Rollen."

Kross und Vain sagen beide, dass sich die Porno-Industrie immer weiterentwickelt—und zwar in dem Sinne, dass sie einen immer größer werdenden Einfluss auf unsere Alltagskultur hat und der Geschäftsseite ein großer Umbruch bevorsteht.

„Wenn ein Film zum Teil durch Produktplatzierungen finanziert wird, dann muss man sich nicht so viele Gedanken um die Kosten machen, was sich wiederum positiv auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt. Damit wäre der Industrie sofort sehr viel weitergeholfen", erklärte mir Vain. Sie fügte noch hinzu, dass die Möglichkeiten für Produktplatzierungen unendlich seien—E-Zigaretten, Gleitgel, Kondomen und sogar Energy-Drinks.

Screwing Wall Street: The ArrangementFinders IPO wird über die kommenden Monate stückweise veröffentlicht und soll im April auf DVD erscheinen. Der Film ist zwar der erste Porno mit einer Produktplatzierung, aber er wird definitiv nicht der letzte sein.