Anzeige
Sex

Skinema: The Whore of Wall Street

Der Arzt, der die Brüste meiner Frau gemacht hat, ist das Vorbild für eine Figur in „The Wolf of Wall Street".

von Chris Nieratko
02 Januar 2015, 11:00am

Foto: Matt Sharkey

Regie: Brett Brando
Bewertung:
9
Brazzers.com

In der Anfangsszene dieser Porno-Parodie auf Martin Scorseses Ode an die Exzesse der 80er bekommt Dani Daniels (das weibliche Äquivalent von Leonardo DiCaprio) es unter dem Schreibtisch mit der Zunge besorgt, während sie am Telefon Kleinaktien vertickt. Der eigentliche The Wolf of Wall Street beginnt mit einer ähnlich fesselnden Szene—einer wilden Party bei einer Brokerfirma, einschließlich Zwergenweitwurf und barbusiger Nutten. Mittendrin läuft irgendwann ein Mann auf den Händen eine Treppe runter.

Wenige Minuten bevor meiner Frau die Brüste gemacht wurden, erfuhr ich überrascht, dass die Idee zu dieser Figur auf den Bruder des Brustchirurgen zurückging, der für den echten Jordan Belfort arbeitete und seinerzeit tatsächlich gern mal auf den Händen durch das Büro spazierte. Schockiert (und sogar ein bisschen angewidert) erfuhr ich außerdem, dass der Arzt meiner Frau und sein Bruder in den 80ern als Breakdance-Duo ihre eigenen Tanzaufführungen choreografiert hatten. Er erzählte diese Geschichte meiner Frau, weil sie in ihrem früheren Leben eine Jazz- und Stepptanzlehrerin gewesen war und weil Ärzte gern ein wenig mit ihren Patienten plaudern, um ihr Vertrauen zu gewinnen und sie zu beruhigen, bevor sie sie aufschneiden und in ihrem Innersten wühlen. Die Tanzanekdote erwies sich bei meiner Frau als sehr wirksam und half ihr, sich vor dem Eingriff zu entspannen.

Auf mich hatte seine Geschichten jedoch genau die gegenteilige Wirkung. Und dabei war ich noch auf dem Weg ins Krankenhaus ganz unbesorgt gewesen. Ich war es ja schließlich auch nicht, der unters Messer sollte. Der Arzt meiner Frau galt als der beste in New Jersey und Brust-OPs sind mittlerweile absolute Routine.

Aber als ich seine Tanzgeschichten hörte, brach mir der Schweiß aus. Ich musste an die Scheißserie Nip/Tuck denken und daran, wie sie dort bei ihren OPs immer Musik hören. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie der Rhythmus den Chirurgen erfasste, er mit dem Kopf nickte, seine Hüften schwang, wie der Groove auf seine Hände übersprang und er plötzlich, tanzend wie Hannibal Lecter, das Skalpell im Rhythmus der Musik in die Brüste meiner Frau versenkte.

Die nächsten drei Stunden waren die längsten meines Lebens—länger noch als die letzte Stunde von The Wolf of Wall Street. Als sie mich schließlich zu ihr riefen, wusste ich, dass sie tot sein würde, ihre Brüste abgeschnitten, der Raum voller Blut, während die Stereoanlage Lisa Lisa spielte. Ich war sicher, den guten Doktor vorzufinden, wie er hinter der kalten, tittenlosen Leiche meiner Frau ganz in Gefühle versunken weiter den Moonwalk machte. Stattdessen fand ich meine Frau immer noch betäubt und leicht sabbernd, aber ansonsten unversehrt vor. Der stolze Doktor, der lächelnd über sie gebeugt seine Arbeit bewunderte, verstellte mir die Sicht. Er fragte mich, ob ich sie sehen wolle. Ich wollte nicht. Aber noch bevor ich Nein sagen konnte, drehte er sich schon auf den Fersen um, um mir den Blick auf sein gelungenes Werk freizugeben. An dieser Stelle wurde ich ohnmächtig und stieß mir den Kopf .

Ich habe schon so einige heftige Sachen gesehen, die sich mir für immer ins Gedächtnis gebrannt haben: Ich habe zwei kleine Menschen aus der Vagina meiner Frau herausspazieren sehen. Ich habe mir das Bein an vier Stellen gebrochen und dabei gesehen, wie meine Ferse an der Stelle meines Vorderfußes herausschaute. Ich habe Freunde bei der Feuerwehr, die mir einmal nach einem Wohnungsbrand Schnappschüsse von Menschen schickten, die bis zur Unkenntlichkeit verkohlt waren.

Doch nichts hatte mich auf den Anblick der abgeschnittenen und dann wieder angenähten Warzenhöfe vorbereitet. Mir war klar, dass das dazugehörte, aber tatsächlich Frankentitten zu sehen, hatte ich trotzdem nicht erwartet. Ich hatte mir vorgestellt, ein paar Monate zu warten, bis die Fäden entfernt wurden und ihre Titten wieder verheilt wären und fantastisch aussehen würden und nicht, als kämen sie aus einem Feldlazarett.

Als ich schließlich wieder zu mir kam, hatte meine Frau einen hysterischen Heulkrampf. Meine Reaktion hatte ihr gesagt, dass sie gerade den schlimmsten Fehler ihres Lebens gemacht hatte (von der Ehe mit mir abgesehen), was nicht so geil ist, wenn man das Geld, das eigentlich für die Ausbildung der Kinder gedacht war, gerade in ein Paar Möpse investiert hat.

Noch mehr Bescheuertes findet ihr auf Chrisnieratko.com und @Nieratko auf Twitter.