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Es gibt wahrscheinlich keine verrücktere Droge als DMT

Folgt Terence McKenna in eine Welt aus Elfen und Triebtäter-Krokodilen.

von Tao Lin
12 August 2014, 2:36pm

Alle Illustrationen: Tao Lin

N,N-Dimethyltryptamin, oder einfach nur DMT, ist eine illegale, bewusstseinserweiternde Tryptamin-Verbindung, die im menschlichen Körper und in mindestens 60 Pflanzenarten weltweit gefunden werden kann. Der Arzt Rick Strassman beschrieb sie in der Dokumentation DMT: The Spiritual Molecule von 2000 als „das erste körpereigene, menschliche Psychedelikum" und sagte in einem Interview von 2011, dass DMT „eigentlich eine notwendige Komponente der normalen Hirnfunktion zu seien scheint". Terence McKenna (der laut Strassman „mehr als jeder andere die Bekanntheit von DMT durch Vorträge, Bücher, Interviews und Aufnahmen auf das jetzige, noch nie da gewesene Level brachte") nannte DMT in seinem 1994er Vortrag „Rap Dancing Into the Third Millenium" „das stärkste der Menschheit und der Wissenschaft bekannte Halluzinogen" und „das gebräuchlichste Halluzinogen der Natur". McKenna fragte sich, warum die Theologie DMT nicht zu „ihrem Paradebeispiel für die Präsenz der anderen Welt in unserer" erklärt hatte und sagte:

Warum das keine fetten Schlagzeilen in jeder Zeitung dieses Planeten macht, ist mir ein Rätsel, denn ich habe keine Ahnung, auf welche Neuigkeiten gewartet wird. Das sind nämlich die Neuigkeiten, auf die ich gewartet habe.  

*

Anfang 1967 hat McKenna als Student an der Berkeley-Universität zum ersten Mal DMT geraucht. Er hatte bereits Erfahrung mit LSD (er konsumierte es „einmal im Monat oder so") und anderen Psychedelika, aber während eines Interviews mit The Archaic Revival (1992) sagte er Folgendes:

Erst durch das DMT habe ich mich komplett den psychedelischen Erfahrungen verschrieben. DMT war so viel intensiver und so viel fremdartiger—und warf so viele Fragen darüber auf, was Realität ist, was Sprache ist, was du selbst bist oder was das dreidimensionale Raum-Zeit-Kontinuum ist. All diese Fragen beschäftigten mich ungefähr die zwanzig darauffolgenden Jahre.

Von 1967 bis 1994 rauchte McKenna 30 bis 40 Mal DMT—eine orangene, kristalline, ohrenschmalz-ähnliche Substanz, die „in etwa wie Mottenkugeln riecht". Er beschrieb seine DMT-Trips in „Rap Dancing into the Third Millenium", „DMT Revelations" und „Time and Mind". Was nun folgt, ist meine Zusammenfassung der drei Zusammenfassungen McKennas, chronologisch angeordnet und mit ungefähren Angaben der Zeit (in Minuten und Sekunden), die seit dem ersten Inhalieren des in einer Glaspfeife verdampften DMTs verstrichen ist:

0:00. Erster Zug. Farben werden bunter, Kanten werden schärfer, weit entfernte Dinge werden klarer—„es fühlt sich an, als wäre die Luft aus dem Raum gesaugt worden."

0:10. Zweiter Zug. Du schließt die Augen und „die Farben beginnen, zu verschwimmen und dieses Mandala-artige, langsam rotierende Blumending zu formen, meistens in Gelb-Orange"—McKenna nannte dies „die Chrysantheme." Dann „trittst du entweder über oder du brauchst noch einen Zug." („Die Haschraucher mit Lederlunge wissen, wovon ich rede.")

0:20. Dritter Zug. Die Chrysantheme teilt sich. Das Geräusch „eines Pausenbrotpapiers oder eines prasselnden Feuers" ist zu hören und „ein Gefühl des Übergangs" stellt sich ein. Dann ist es so, „als würde man eine Reihe von Tunneln oder Kammern hinunterstürzen."

0:40. Du gelangst an diesen „Ort". 

In einer Zusammenfassung sagt McKenna an diesem Punkt: „Worte können das nicht beschreiben—zumindest nicht genau. Deshalb werde ich das Ganze jetzt nur ungenau schildern. Was folgt, sind Lügen." Später fügt er noch hinzu: „Ich meine, du musst das verstehen: Es handelt sich hier um Metaphern im wahrhaftigsten Sinn, was bedeutet, dass sie Lügen sind!" McKennas Bewusstsein für diesen Aspekt des DMTs und seine Untersuchungen diesbezüglich haben mein Interesse an seinen DMT-Berichterstattungen noch verstärkt. In einem Vortrag sagte er: 

Das Ganze ist so verwirrend, weil es das Sprachvermögen selbst beeinflusst. Der Teil, der das DMT beschreiben will, ist davon infiziert—vom Prozess der Betrachtung. Das DMT bringt dir also keine Erfahrung, die du analysieren kannst. Etwas so geordnetes passiert dabei nicht. Der syntaktische Mechanismus der Beschreibung unterliegt sofort einer Art hyperdimensionalen Inflation und dann kannst du dir selbst nicht mehr sagen, was du eigentlich verstehst. Anders gesagt: Das, was DMT macht, kann mit so einer niedrigdimensionalen Sprache wie Englisch nicht ausgedrückt werden.

Dieser Ort oder Raum, an den du gelangst (von Einigen auch „The Dome" genannt), scheint sich unter der Erde zu befinden und ist gedämpft und indirekt beleuchtet. Die Wände „sind übersät mit geometrischen Halluzinationen, welche in den hellsten Farben erstrahlen und tief schillernde, sehr hohe und reflektierende Oberflächen besitzen—alles ist ähnlich einer Maschine, glänzend und voller Energie." McKenna sagte:

Aber das ist nicht das, was sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Das macht eher die Tatsache, dass dieser Ort bewohnt ist—der erste Eindruck beim Übertritt ist, als würde jemand jubeln. […] Du gelangst an diesen Ort und bist sofort umgeben von quietschenden,  sich transformierenden Elfen-Maschinen … aus Licht, Sprache und Geräuschen. Sie kommen zwitschernd, quietschend und stolpernd auf dich zu. Sie sagen: „Hurra! Willkommen! Du bist hier!" In meinem Fall: „Du hast so viele her geschickt und kommst selbst so selten!"

0:50. Du bist „aufgewühlt." Du denkst dir: „Verdammte Scheiße, was ist das? Was ist das?" McKenna sagte dazu:

Das Komische am DMT ist, dass es keinen Einfluss auf das hat, was wir normalerweise als unseren Geist bezeichnen. Der Teil, den du dein „Selbst" nennst … damit passiert nichts. Du bist genau so wie vorher, nur wurde die Welt drastisch und zu 100 Prozent ersetzt. Alles ist weg und du sitzt da und sagst zu dir: „Mein Gott, vor einer Minute saß ich noch mit ein paar Leuten im Zimmer und sie überredeten mich dazu, diese komische Droge zu nehmen. Was ist passiert? Ist das die Droge? Haben wir das gemacht? War es das?"

1:00. Die Elfen (oder „mit Edelsteinen besetzte, selbstdribbelnde Basketbälle") fangen an, dir entgegen zu rennen. Sie „singen, rufen und reden in einer Art Sprache, die sehr bizarr klingt. Viel wichtiger ist aber, dass du diese Sprache sehen kannst, was total verblüffend ist!" Dazu „passiert" etwas, das McKenna über die Jahre als „Luv" bezeichnet hat—„nicht ‚Light Utility Vehicle', sondern Liebe, aber nicht im eigentlichen oder im sexuellen Sinn", sondern etwas „fast Greifbares", „ein Klebstoff, der sich über diesen Ort ergießt."

1:10. Jeder der „Elfen-Maschinen-Kreaturen" „drängt andere zur Seite und sagt ‚Schau her, schau her, nimm das, nimm mich!'" Sie „kommen auf dich zu und dann—du musst an dieser Stelle wissen, dass sie keine Arme haben, also bringen wir das in eine niedrigere Dimension, um es überhaupt beschreiben zu können—bieten sie dir Dinge an." Dir wird klar, dass das, was dir da angeboten wird—diese „Ansammlung an Elfengeschenken" oder „himmlischen Spielzeugen", die „irgendwie lebendig erscheinen"—, „unmöglich" ist. Dieser „unglaubliche Wahnsinn" geht noch ungefähr drei Minuten lang weiter, während denen die Elfen Folgendes sagen:

Sei nicht erstaunt. Gib dich nicht der Verwunderung hin. Sei aufmerksam. Sei aufmerksam. Schau dir an, was wir machen. Schau dir an, was wir machen, und dann mach du es. Mach es!

4:10. Dann—„und nur 5 Prozent berichten davon", merkt McKenna an—„kommt alles zum Erliegen, sie warten und du fühlst, wie diese Fackel, dieser Funken, sich in deinem Bauch entzündet und deine Speiseröhre hinauf wandert." Dann „öffnet sich dein Mund und dieses sprachähnliche Zeug kommt raus." Es sind Klänge, aber „das, was du da erlebst, ist visuell. Diese Töne sind Oberflächen, Schatten, Farben, Einsätze und Juwelen. Du erschaffst etwas." Die Elfen „sind außer sich vor Freude."

4:40. „Die ganze Sache beginnt, in sich selbst zusammenzubrechen und sie fangen an, sich buchstäblich von dir weg zu bewegen. Das letzte Bild von ihnen ist dann, wenn sie dir zum Abschied winken." Danach „ertönt ein Brummen im System und dir wird klar, dass diese zwei Kontinuitäten auseinander gerissen werden." (Einmal „drehten sich alle Elfen beim Beginn des Auseinanderreißens gleichzeitig um und schauten McKenna an" und sagten „Déjà-vu. Déjà-vu.") McKenna fügte hinzu:

Oft ist das auch sehr erotisch, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das Wort hier passt. Aber es scheint fast so, als sei Sex hier die Oberfläche, von der das der Inhalt ist. Und ich stehe sehr auf Sex, ich will ihn nicht schlecht machen. Ich will dem DMT eher ein hohes Lob aussprechen.

5:00. „Du schwärmst davon."

7:00. „Du kannst dich an nichts erinnern." Du sagst: „Das ist so toll, das ist so toll, das ist—wovon rede ich eigentlich?" McKenna überlegte, ob DMT „beim Träumen eine Rolle spielt", denn „die Art, auf die sich ein Traum verflüchtigt, ist auch die Art, auf die sich ein DMT-Trip verflüchtigt—mit der gleichen Geschwindigkeit." McKenna hat darüber bereits in einem Interview gesprochen:

Da gibt es diesen Selbstzerstörungsmechanismus. Ich habe das Gefühl, dass du da etwas herausfindest, das so kontra-intuitiv ist, dass du in diesem Moment buchstäblich nicht daran denken kannst. Wenn du also von dort wieder hierher zurück kommst, dann gibt es diesen Augenblick, in dem es unter die Oberfläche der rationalen Furcht rutscht.

*

Die DMT-Erfahrung hatte für McKenna „einen grundlegend anderen Ablauf als jede andere Erfahrung auf dieser Seite des Bewusstseins." Er sagte, dass dies keine Droge sei, sondern „etwas, das sich als Droge tarnt." Laut ihm mache jeder eine andere Erfahrung, aber „irgendwie wird zumindest die Dramatik die Gleiche wie in meiner Beschreibung sein." Er kommt vorläufig zu folgendem Schluss:

Das muss ernst genommen werden. In anderen Worten: Diese ganze „Das ist nur eine Halluzination"-Sache ist Blödsinn und passé. Ich meine, die Realität ist verdammt noch mal nur eine Halluzination. Das wäre damit erledigt—es ist nur eine Halluzination. Leute, was wir hier haben, ist eine Art intelligente Entelechie, die aus irgendeinem Grund verzweifelt versucht, mit der Menschheit zu kommunizieren.

McKenna beschrieb die DMT-Wesen unter anderem als „translinguistische Elfen", „freundliche Fraktalwesen", „Elflegionen des Hyperraums", „kleine Racker", „Mem-Händler", „Kunstsammler" und „synthetische Homunkuli." Er stellte seine Theorien bezüglich dieser Wesen „völlig neutral" vor, denn er war „sich nicht sicher". Diese Theorien lege ich nun dar.

1. Außerirdische

Sie könnten Aliens sein—„du weißt schon, sie haben sich um einen anderen Stern herum entwickelt, womöglich mit einer anderen Biologie, sie bestehen vielleicht nicht mal aus Materie und haben irgendwann, vielleicht schon vor langer Zeit, die weite Strecke zurück gelegt und folgen einem Plan, der wir vielleicht verstehen, vielleicht aber auch nicht. Das ist es—das ist echt."

Wenn Außerirdische wirklich mit der menschlichen Gesellschaft kommunizieren wollten und sie aus ethischen Gründen mit ihrem Billionen Tonnen schweren Beryllium-Raumschiff nicht auf dem UN-Plaza landen können (kurz gesagt, sie wollen subtil vorgehen), dann erscheint es mir logisch, dass sie sich in einem schamanischen Rausch verstecken. Sie sagen vielleicht: „Lasst uns diese Leute untersuchen. OK, sie sind irgendwie ziemlich vernünftige Rationalisten, außer dass sie sich gerne mal „den Kopf wegdröhnen" und alles akzeptieren, was dabei mit ihnen passiert. Wieso verstecken wir uns also nicht in dieser Dröhnung und kommunizieren dort mit ihnen. Sie werden niemals realisieren, dass wir etwas anderes sind, als die pinken Elefanten."

2. Wesen eines Paralleluniversums

Eine weitere Möglichkeit, die „der heidnischen Vorstellung vielleicht näher kommt", ist die „Existenz eine Paralleluniversums, im Grunde genommen genau dort." McKenna führte weiter aus:

Nenn es Märchenland oder Reich des Westens—was auch immer dir gefällt—, aber dorthin kommt man nicht mit Raumschiffen. Der Weg dahin führt durch magische Türen, die mit Ritualen und solchen Dingen geöffnet werden. Das ist auch eine Möglichkeit. Zumindest spricht man in jeglicher menschlichen Folklore—mit Ausnahme der letzen 300 Jahre in Westeuropa—explizit davon, dass es solche parallelen Bereiche der Intelligenz und Ordnung gibt.

3. Tote Menschen

Die dritte Möglichkeit: „Auf DMT dringst du in eine Welt von menschlichen Seelen in einer Art anderen Dimension ein." McKenna bezeichnete das als „haarsträubend" und kam nur „widerwillig" zu diesem Schluss. Hier ein Teil seiner Beweisführung:

Diese Dinger … stehen in einem sehr komischen Verhältnis zu den Menschen. Zuallererst mal lieben sie uns! Aus irgendeinem Grund sind wir ihnen nicht egal. Wer- und was auch immer sie sind, sie sind sich unserer Existenz viel mehr bewusst, als wir uns ihrer. Sie hießen mich ja schließlich willkommen. Ist es also möglich, dass das, was wir am Ende des 20. Jahrhunderts und nach 500 Jahren von Materialismus, Reduktionismus und Positivismus entdecken werden, wahrscheinlich der am wenigsten von uns erwartete Ausgang unseres Dilemmas sein wird? Werden wir bald herausfinden, dass der Tod nicht das Ende ist?

4. Menschen aus der Zukunft

Die vierte Möglichkeit ist die, dass die Wesen „Menschen aus einer außergewöhnlich fortschrittlichen Zukunftswelt" sind. „In dieser Welt bestehen die Menschen aus Sprache und sind nur 76 Zentimeter groß, also ist das wohl eher die weit entfernte Zukunft.

DMT: The Spirit Molecule (2000) von Rick Strassman

Rick Strassman wurde 1952 geboren und betrachte DMT in vielerlei Hinsicht aus einem anderen Blickwinkel als Terence McKenna—zumindest im Bezug auf McKennas Vorträge und Niederschriften. Er entdeckte jedoch Dinge, die meiner Meinung nach gleichermaßen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise bizarr, unerwartet, überwältigend und tiefgreifend sind. 1990 begann Strassman mit der „ersten neuen Forschung in den USA seit 20 Jahren über die Wirkung von psychedelischen, oder halluzinogenen, Drogen bei Menschen." 

Zwischen 1990 und 1995 verabreichte Strassman 60 genau ausgewählten Freiwilligen mit viel Psychedelika-Erfahrung ungefähr 400 intravenöse Dosen DMT. Er dokumentierte die Ergebnisse mit faszinierender Genauigkeit, denn es war „wichtig, dass andere Menschen ihren Weg durch diesen Irrgarten finden", den zwei Jahre andauernden, labyrinthartigen und manchmal kafkaesken Prozess, der auch ein synkopiertes Zusammenspiel mit dem Human Research Ethics Committee, der FDA, der DEA und anderen Behörden beinhaltete, um die Genehmigung für die Studie zu bekommen. Das Ganze wurde dann im Dezember 2000 in DMT: The Spirit Molecule veröffentlicht—neun Monate nach dem Tod von Terence McKenna. 

In Strassmans Buch sind folgende Beobachtungen, Entdeckungen und Vermutungen zu finden:

1. DMT ist das „einfachste Psychedelikum" und „kommt in jedem Körper und in der Pflanzen- und Tierwelt vor. Es ist Teil des normalen Aufbaus von Menschen und anderen Säugetieren, von Meerestieren, von Gräsern und Erbsen, von Kröten und Fröschen, von Pilzen und Schimmel, von Rinde, Blumen und Wurzeln.          

2. „Im Vergleich zu anderen Molekülen ist DMT eher klein. Sein Gewicht beträgt 188 ‚molekulare Einheiten', was bedeutet, dass es nicht wirklich größer als Glukose ist, dem einfachsten Zucker unserer Körpers. Dieser wiegt 180."

3. „Vor 25 Jahren haben japanische Wissenschaftler herausgefunden, dass das Gehirn aktiv DMT über die Blut-Gehirn-Schranke in sein Gewebe transportiert. Ich kenne keine andere psychedelische Droge, die das Gehirn so sehr begehrt. Diese erschreckende Tatsache sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir uns daran erinnern, wie schnell biologische Psychiater DMT eine wichtige Rolle in unserem Leben abgesprochen haben. Wenn DMT wirklich nur ein unbedeutendes, irrelevantes Nebenprodukt unseres Stoffwechsel ist, warum strengt sich das Gehirn dann so an, um es in sein Gewebe zu bringen?"

4. „Sobald der Körper DMT produziert oder aufnimmt, wird es von bestimmten Enzymen innerhalb von Sekunden aufgespalten. Diese Enzyme heißen Monoaminoxidasen (MAO) und kommen in großer Zahl im Blut, in der Leber, im Magen, im Gehirn und im Darm vor. Dieses häufige Vorkommen von MAO ist der Grund, warum die Wirkung von DMT nur von so kurzer Dauer ist. Wann- und wo auch immer das Halluzinogen auftaucht, der Körper stellt sicher, dass es schnell verbraucht wird."

5. Es wird vermutet, dass im menschlichen Körper das DMT in der Zirbeldrüse—„deren Alleinstellung im Gehirn einzigartig ist" (alle anderen Teile des Gehirn kommen in Paaren vor)—produziert wird: „Die allgemeinste Annahme ist, dass die Zirbeldrüse zu außergewöhnlichen Zeiten unseres Lebens psychedelische Mengen an DMT produziert."

6. Bei älteren Lebensformen wie Eidechsen, wird die Zirbeldrüse „das ‚dritte' Auge" genannt und besitzt eine Linse, sowie eine Horn- und eine Netzhaut. Als sich das Leben weiterentwickelte, wanderte die Zirbeldrüse tiefer in das Gehirn. Letztendlich kam es hierzu: „Die menschliche Zirbeldrüse ist nicht wirklich Teil des Gehirns. Sie entwickelt sich eher aus einem besonderem Gewebe des Gaumens im Fötusmund. Von dort aus wandert sie zum Gehirnzentrum, wo sie sich den besten Platz reserviert hat."

7. Die Zirbeldrüse ist nach 49 Tagen „im heranwachsenden Fötus zu sehen", das tibetanische Totenbuch Bardo Thödröl „lehrt, dass es 49 Tage braucht, bis die Seele von kürzlich Verstorbenen ‚wiedergeboren wird'" und laut Strassman sind 49 Tage „fast genau der Zeitraum, nach dem man die ersten Anzeichen des männlichen oder weiblichen Geschlechts deutlich sehen kann."

Die Folgen der DMT-Testreihen war eine unerwartet hohe Anzahl an Begegnungen mit Wesen in scheinbar „freistehenden, unabhängigen Stufen der Existenz." Strassman schrieb, dass er „weder intellektuell noch emotional auf die Häufigkeit vorbereitet war, mit der der Kontakt mit anderen Wesen innerhalb unserer Studien vorkam. Auch erwartete so niemand den oft total bizarren Charakter dieser Erfahrungen, weder ich, noch viele der Freiwilligen—selbst die, die vorher schon einmal DMT geraucht hatten."

Diese Wesen wurden als „Joker", „Clowns", „Einheiten oder was auch immer sie sind", „DMT-Elfen", „cartoonähnliche Leute", „eine nicht feindselige Existenz, aber trotzdem etwas genervt und schroff", „Aliens", „Wegweiser", „Helfer", „Reptilien", „Gottesanbeterinnen", „Bienen", „Spinnen", „Kakteen" und „Strichmännchen" bezeichnet. Die Teilnehmer berichteten, dass sich beim Öffnen der Augen die Realität des DMT-Raumes mit dem Krankenhauszimmer überschnitt, in dem sie sich befanden. 

Eine der etwas schockierenderen Erfahrung machte ein Freiwilliger, der im Buch Ken genannt wird. Diese Erfahrung ist nicht repräsentativ, aber ich nehme sie hier als eine Art Kontrapunkt zu den Erfahrungen McKennas auf—gleich beängstigend, aber irgendwie auch komplett unterschiedlich. Bedenkt, dass in beiden Darstellungen das Erlebnis nur fünf Minuten dauert.

[Ken] kam ungefähr bei der 5-Minuten-Marke zur Ruhe, verzog aber das Gesicht und schüttelte den Kopf. Nach ein paar weiteren Minuten nahm er die Augenbinde ab und starrte geradeaus. Seine Pupillen waren immer noch geweitet, also blieben Laura und ich weiter ruhig sitzen und warteten darauf, dass er noch weiter runter kommt. Nach 14 Minuten machte er einen mitgenommenen, aber zumindest etwas gefassten Eindruck und fing an, zu reden.

Da waren zwei Krokodile auf meiner Brust. Sie erdrückten mich und vergewaltigten mich anal. Ich wusste nicht, ob ich das überleben würde. Zuerst dachte ich, ich würde träumen und hätte einen Albtraum. Dann wurde mir klar, dass das wirklich passierte.

Ich war froh, dass dies nur ein Probetag war und wir die Rektalsonde nicht zum Einsatz gebracht hatten.

Seine Augen wurden feucht, aber er weinte nicht.

„Das klingt schrecklich."

Es war schrecklich. So viel Angst hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich wollte Fragen, ob ich deine Hände halten darf, aber ich wurde so sehr nach unten gedrückt, dass ich mich nicht bewegen und nicht reden konnte. Mein Gott!

Das Außergewöhnliche an Kens Erfahrung waren die Geschehnisse, wenn nicht sogar der Schockfaktor, trotz der oben erwähnten „Rektalsonde", die erstaunlicher- und scheinbar wirklich notwendigerweise bei den Freiwilligen während der Studie eingesetzt wurde und nur von von einer Person—im Buch Nils gennant—abgelehnt wurde: „Die Sonde hatte einen Durchmesser von ungefähr 0,3 Zentimeter, bestand aus einem mit Gummi überzogenem Draht und war ziemlich biegsam. Man führte sie ungefähr 10 bis 15 Zentimeter ein und die Sonde war nur in seltenen Fällen unangenehm, zum Beispiel bei Hämorriden."

Strassman versuchte, das Ganze mit psychologischen Modellen zu erklären—Freud oder Jung—, aber die passten nicht. Seine Forschungen, die am Ende auch Psilocybin (http://de.wikipedia.org/wiki/Psilocybin) beinhalteten, wurden 1995 eingestellt, nachdem unter anderem bei seiner ehemalige Frau Krebs diagnostiziert wurde, seine „buddhistische Mönch-Gemeinde" damit begann, die Forschung zu kritisieren und es Strassman nicht erlaubt wurde, seine Testreihen an einen anderen Ort als ein lautes, unberechenbares Krankenhaus zu verlegen (in einem Interview nannte er das Krankenhaus den „auf mehrere Arten unangenehmsten Ort, an dem Leute einen tiefgehenden Trip erleben können"). 2007 wurde Strassman bei einer IRC Chat-Diskussion folgende Frage gestellt: „Was ist der Zweck von DMT im Gehirn? Warum kommt es überhaupt im menschlichen Körper vor?" Er antwortete:

Ich glaube, wir brauchen etwas im Gehirn, dass das macht, was uns an verschiedenen Stellen unseres Lebens zu passieren scheint. Wie Silizium in Computerchips ist DMT das beste Material für den Zweck, uns scheinbar Zugang zu eigenständigen, greifbaren Bereichen zu verschaffen. Da wir aber alle die ganze Zeit DMT produzieren, vermittelt es uns auf der anderen Seite auch vielleicht unsere Auffassung der täglichen Realität.

*

In einem Interview mit The Archaic Revival von 1989 sagte Terence McKenna: „Eine Sache, die ich an Träumen interessant finde, ist die: Ich habe Träume, in denen ich DMT rauche und es wirkt. Ich finde das extrem interessant, denn das scheint zu bedeuten, dass man nicht unbedingt DMT rauchen muss, um die Erfahrung eines Trips zu machen. Du musst nur dein Gehirn davon überzeugen, dass du es konsumiert hast und dann versetzt es dich in diesen überwältigenden, alternativen Zustand."

Und in „DMT, Mathematical Dimensions, Syntax and Death" sagte er:

Einmal hatte ich Glück und mir bot sich die Möglichkeit, einem sehr berühmten tibetanischen Lama DMT zu zeigen. Ihr kennt seinen Namen wahrscheinlich nicht und er ist auch nicht in den Top 5, aber er war doch ein weiser, alter und merkwürdiger Mensch. Nun, er nahm es und ich sagte: „Also, was denkst du?" Weißt du, diese Leute, diese tibetanischen Buddhisten, kennen sich auf dem Gebiet ziemlich gut aus. Er sagte, das seien die kleineren Lichter. Er sagte, dass man nicht weiter gehen könne, ohne eine Rückkehr auszuschließen. Er sagte, dass es darüber hinaus keine Rückkehr mehr gäbe. Deshalb ist das so gesehen ein Blick ins Jenseits. Aber selbst das ist noch nicht aller Rätsel Lösung. Ich meine, was ist mit diesem Wunsch, eine Sprache zu übermitteln, die man sehen kann? Was ist der Sinn und Zweck davon? War diese Sprache vielleicht schon immer ein Geschenk der anderen Seite?

*

So tiefgreifend, extrem, verwirrend und erstaunlich DMT für McKenna auch gewesen sein mag, es war möglicherweise nicht die chemische Verbindung, mit der er sich am meisten auseinandergesetzt und identifiziert hat. Meiner Meinung nach war das Psilocybin, das in ungefähr 200 Pilzarten gefunden wird und sich im menschlichen Körper in Psilocin aufspaltet. Dieses Psilocin unterscheidet sich nur vom DMT, weil es ein Sauerstoffatom mehr besitzt.