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So werdet auch ihr ein YouTube-Star

Von Jumpcuts über Brüste bis zum Blowjob-Face: Alles, was du wissen musst, um als Youtube-Star durchzustarten.

von Lisa Ludwig
21 August 2014, 2:55pm

So viel Spaß

Während man früher für den Einstieg in die Medienbranche noch hart arbeiten oder ohne Schlüpper auf die Besetzungscouch musste, führen heutzutage tausende Wege in das Wirtschaftszweig gewordene Epizentrum der Profilneurotiker. Auch wenn angeblich immer weniger junge Leute „irgendwas mit Medien“ machen wollen, arbeiten täglich tausende YouTuber am ganz großen medialen Durchbruch. Wenn ihr zu den Leuten gehört, die stundenlang verliebte Selbstgespräche vor dem Spiegel führen, seid vielleicht auch ihr für die ganz große Karriere als Video-Guru der Generation Hashtag geschaffen. Lehnt euch einfach zurück und lasst uns machen. Wir erklären euch, was ihr alles wissen müsst, um der nächste Herr Tutorial zu werden.

Jumpcuts sind eure besten Freunde
Was für den herkömmlichen ZDF-Zuschauer auf den ersten Blick nach ADHS oder einem epileptischen Anfall aussieht, ist das wichtigste Tool der youtubschen Inhaltsvermittlung. Jumpcuts sind schnelle Schnitte, die langatmige Erklärungen in knappe Informationsklumpen und auch die langweiligste Person in einen Slapstick-Gott verwandeln können. Wichtig zu beachten ist dabei, dass bei der Aufnahme der Videos nicht schneller oder hektischer gesprochen wird, sondern die Straffung rein in der Postproduktion (ihr, wie ihr mit einer Dose Redbull vor Windows Movie Maker sitzt) stattfindet. Warum macht man das? Weil niemand Zeit hat, Leuten beim Atmen zuzuhören. Deshalb. Außerdem wirkt es irgendwie edgy und schnell und ist damit alles, was das Internet sein möchte.

Auch wenn YouTuber oft so tun, als würden sie sich über böse Kommentare lustig machen: Eigentlich weinen sie sich jeden Abend in den Schlaf.

Scheißt auf Kommentare und Feedback
David Hasselhoff könnte zu „Chabos wissen, wer der Babo ist” auf einem diamantbesetzten Einhorn Pokémon spielen und die Leute hätten immer noch etwas daran auszusetzen. Wo es Kommentarfelder gibt, werden Menschen sie dazu nutzen, andere zu beleidigen. Lasst euch davon nicht verunsichern und hört einfach auf, den Scheiß zu lesen. Wenn es um Reaktionen eures realen Umfelds geht, merkt euch einfach Folgendes: Ihr seid jetzt Teil einer Internet-Community. Ihr braucht die Außenwelt und ihre Anerkennung nicht mehr.

Was sind Let’s Plays?
Während man sich in meiner Kindheit nach der Schule noch bei dem Freund zusammengerottet hat, der einen Super Nintendo hatte, muss man mittlerweile nicht mehr das Haus verlassen, um anderen beim Zocken zuzuschauen. Egal ob ihr kein Geld, keine Hardware oder einfach keine Lust habt, um selbst der Videospiele-Sucht zu fröhnen: Let’s Player übernehmen den Job für euch und laden mitunter Hunderte Stunden Gameplay-Material hoch. Mir persönlich ist Minecraft sogar zu langweilig, um es selbst zu spielen, aber der Markt boomt und Leute wie PewDiePie verdienen angeblich Millionen mit ihrer öffentlich zelebrierten Spielsucht. Da sich mittlerweile aber jeder mit Headset und Capturing-Programm zum Let’s Player berufen fühlt, solltet ihr euch für euren Kanal etwas Besonderes ausdenken. Max Payne mit Alkoholvergiftung, Barbies Zauberhafte Pferdewelt auf Ketamin—eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Brüste, Sex und Blowjobs
Wir wollen ehrlich mit euch sein: Wie jedes Medium funktioniert auch YouTube über Titten, Schwänze und ähnlich sexuelle Inhalte. Es muss gar nichts Explizites in den Videos zu sehen sein (ab 18-Inhalte schränken eure Reichweite unnötig ein), VERSPRECHT es den Leuten einfach nur. Ihr habt ein kurzes Nachrichtenpiece, in das am Rande eine Frau verwickelt ist? Packt Brüste in euren Thumbnail (so wir bei diesem Artikel bei Facebook). Die eine Vase in diesem Point-and-Click-Adventure sieht mit sehr viel Fantasie aus wie ein Penis? Mit einer Überschrift á la „SEXSKANDAL in Kinderspiel?!“ geht euer Traffic durch die Decke. Kleiner Tipp an alle Frauen: Ein Blowjob-Face im Schmink-Tutorial kann wahre Wunder wirken.

Orientiert euch an denen, die es schon geschafft haben
Oftmals als Urtyp des deutschen YouTubers bezeichnet, ist Herr Tutorial einer der gehasstesten und geliebtesten Selfmade-Internetpromis zugleich. Ursprünglich einfach nur ein Schwabe mit außergewöhnlich weißen Zähnen, der sehr gerne über seine Hautunreinheiten spricht, ist Sami Slimani mittlerweile zum Aushängeschild der Generation Selfie geworden, denen es nach Positivität, Glückskeks-Poesie und nützlichen Tipps für den Teenager-Alltag dürstet.

Sein Erfolgsrezept aus Do-It-Yourself-Anleitungen, Beziehungs-Ratschlägen und dem einnehmendsten Lächeln seit dem Joker hat dem Markus Lanz des Internets mittlerweile sogar zu einem Moderationsjob bei VIVA verholfen. Ebenfalls ganz oben dabei sind die Jungs von Y-Titty, die mit 3 Millionen Abonnenten den zweiterfolgreichsten Channel Deutschlands betreiben. Eine repräsentative Umfrage in der Redaktion hat allerdings ergeben, dass 100 von 100 Leuten (Hochrechnung) OG, Phil und TC abgrundtief hassen. Deswegen: Egal was ihr macht und wie sehr ihr den Fame wollt—seid nicht wie Y-Titty.

Mehr Effekte, mehr Spaß
Jeder kann ein Video aufnehmen und es hochladen. Nutzt die Chance und macht eure YouTube-Clips zu einem ganz besonderen visuellen Erlebnis. Je nachdem mit welchem Programm ihr arbeitet, steht euch eine Fülle an Effekten zur Verfügung. Explosionen bei Einblendungen, Schussgeräusche, während von rechts ein Videotitel ins Bild fährt—nutzt die Möglichkeiten moderner Medien und werdet zum Michael Bay des usergenerierten Content.

Die Sache mit dem Geld
Auch wenn bei den ganz großen Playern des Marktes immer der Eindruck entsteht, dass man vom Internet-Fame alleine bequem leben kann, ist das natürlich absoluter Schwachsinn. Die einzige wirkliche Einnahmequelle über Youtube direkt ist die Monetarisierung eurer Videos. Das bedeutet: Vor euren Videos werden Werbeclips geschaltet. Reich werden kann man mit den Cent-Beträgen allerdings nicht, deswegen erwarten euch vor allem zu Beginn immense finanzielle Investitionen. Video-Equipment, Schneideprogramme und all der Alkohol, den ihr beim Durchlesen der Hater-Kommentare trinken werdet, machen das Dasein als YouTuber zu einem überaus teuren Hobby. Wenn ihr dann aber irgendwann mal den Durchbruch geschafft habt, könnt ihr euch endlich von Großkonzernen für Schleichwerbung bezahlen lassen. Das ist doch was!

Quark mit Beeren
Umfassende Recherchen auf diversen Social-Media-Portalen haben ergeben, dass das Internet absolut verrückt nach selbstgemachten Fruchtquarks und anderen gesunden Desserts ist. Nutzt dieses Wissen zu eurem Vorteil.

Das Internet liebt Outtakes
Niemand ist perfekt, auch Sami Slimani nicht. Deswegen solltet ihr von dem Gedanken Abstand nehmen, dass eure Videos perfekt geschnitten und hochprofessionell anmoderiert sein müssen. Steht dazu, dass ihr im heimischen Keller vor dem Camcorder eures Vaters hockt und keine Ahnung habt, aus welchem Winkel euer Gesicht am vorteilhaftesten aussieht. Wenn ihr euch verhaspelt, lasst es im Video (wichtig: Verwendet bei diesen Sequenzen besonders viele Jumpcuts) und lacht über euch selbst. Irgendjemand da draußen findet das bestimmt liebenswert und schenkt euch ein ehrlich gemeintes „LOL“.

Dagi Bee
Was auch immer ihr tut: Haltet euch an Dagi Bee. Laut deutschen Medienmachern ist sie die Zukunft des Journalismus.

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