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Eine Friedensbotschaft von General Butt Naked

Der frühere Kannibale General Butt Naked tötet keine Kinder mehr, sondern predigt jetzt auch in Nigeria für den Frieden.
9.2.12

Pfarrer Joshua Milton Blahyi (ehemals General Butt Naked)

Seit unserem Besuch in Lagos für die Nigeria-Folge von Fashion Week Internationale stehen wir in Kontakt mit einem jungen Fotografen namens Justice Karo, der der offizielle Nigeria-Korrespondent für VICE geworden ist.

Diese Woche haben wir herausgefunden, dass der Star des VICE Guide To Liberia, Joshua Milton Blahyi (früher bekannt als General Butt Naked), noch immer auf seiner Mission ist, eine Friedensbotschaft und vor allem Hoffnung zu verbreiten, diesmal in die zerrüttete Stadt Lagos. Deshalb haben wir Justice gebeten, uns zu helfen und sich mit Joshua zu treffen.

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VICE: Hi Justice, du hast dich also dieses Wochenende mit unserem Freund Joshua getroffen. Wie war es?
Justice Karo: Er predigte auf einer Christen-Veranstaltung, die im Namen einer „Stop the Violence“-Kampagne stattfand. Ich lebe in Lagos Mainland und die Veranstaltung fand auf einer Insel in einem Ort, der Aja heißt, statt. Der Weg dorthin war ziemlich umständlich.

Durch Lagos zu fahren, ist ein Alptraum, oder?
Als ich auf der Insel ankam, nahm ich noch einen Bus direkt nach Aja. Ich verbrachte fast zweieinhalb Stunden im Bus. Und es war zwar viel Verkehr, aber selbst wenn nicht— der Busfahrer fährt eh wie eine Frau. Als wir endlich in Aja ankamen, setzte ich mich auf ein Fahrrad und fuhr von da aus direkt zur Kirche. Ich brauchte ungefähr 15 Minuten.

Und das war das Ende deiner Reise?
Ja.

OK. Wie war es, Joshua zu treffen? Er ist eine sehr umstrittene Persönlichkeit.
Joshua hat sich vom Saulus zum Paulus gewandelt, denn er hat schon viele schreckliche Dinge in seinem Leben getan. Er hat während dem Bürgerkrieg in Liberia sehr viele Menschen ermordet. Zu dieser Zeit war er unter dem Namen General Butt Naked bekannt, denn er kämpfte stets nackt. Und sobald er nackt war, gab es keine Gnade mehr.

Sein Art zu predigen, erinnert mich immer an eine Mischungen aus James Brown und Mike Tyson; er ist ziemlich energiegeladen.
Er sprach darüber, wie er Gott sein Leben anvertraute und ich dachte nur: „Gott ist wirklich ein barmherziger Gott“, und Gott tut seine Arbeit auf der Welt, indem er ständig nach denen schaut, die schlimme Dinge getan haben.

Und hat er über sein früheres Leben gesprochen?
Ja. Mir wurde richtig schlecht, als er uns erzählte, wie er für eine Art Opfergabe Kinder umbrachte, bevor er in den Krieg zog. Er sagte, wenn er zehn Mal am Tag in die Schlacht gezogen ist, musste er an dem Tag zehn Kinder umbringen. Du kannst dir vorstellen, wie viele Kinder er getötet haben muss. Er sagte, er hätte bei den Familien der getöteten Kinder um Vergebung gefleht und dass er sich deswegen sehr schlecht gefühlt hätte. Aber genau diese Themen seiner Rede—Gewalt und Vergebung—sind im Moment eine sehr wichtige Angelegenheit, über die man sprechen muss, denn was Nigeria jetzt durchmacht, ist ein „Getarnter Krieg“.

Kommt das durch diese ganzen Unruhen, die, ausgehend von der fundamentalistischen Islamistengruppe Boko Haram, im Norden passieren?
Ja, mit all den Morden und Bombenanschlägen, die dort verübt werden, ist Pfarrer Joshua, wie ich glaube, zur richtigen Zeit am richtig Ort und ich glaube daran, dass er mit Gottes Hilfe etwas bewegen kann. Wenn es irgendjemanden da draußen gibt, der Nigeria jetzt noch helfen kann, dann ist es Pfarrer Joshua.

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Ich habe gehört, dass es diese Woche noch einen weiteren Anschlag gegeben haben soll?
Ich weiß nicht so genau, wann dieser Anschlag passiert ist, aber er hat vor kurzem stattgefunden und einige Kinder haben dabei ihr Leben verloren, ein paar wurden verletzt und manche starben in den Flammen. Es war eine Bombe, die im nördlichen Teil des Landes explodiert ist.

Es muss beängstigend sein, zu wissen, dass all diese Dinge im eigenen Land passieren.
All die Anschläge, die bis jetzt stattgefunden haben, waren im nördlichen Teil Nigerias und wir beten, dass sie nicht das gleiche mit Lagos machen werden. Ich will nicht mal daran denken, was das für Konsequenzen hätte. Völlig unabhängig davon, wie schwer das Leben hier manchmal sein kann—niemand ist bereit zu sterben. Deswegen haben wir alle Angst. Und mir geht es schlecht, denn diese Gruppe namens Boko Haram hat mehr als 300 Menschen ermordet und es sieht nicht so aus, als würden sie aufhören. Aber du hast keine Ahnung, wie froh ich war, Ex-General Butt Naked persönlich zu treffen. Ich war wirklich glücklich, denn er ist jetzt ein guter Mensch und hat ein großes Herz, mit einem großartigen Sinn für Humor.

Als wir ihn in Liberia getroffen haben, fiel es uns schwer, ihn nicht zu mögen, trotz all dieser schrecklichen Dinge, die er in seinen jungen Jahren getan hat, wie er selbst gesagt hat.
Ich glaube daran, dass ich vieles von ihm lernen kann und ich werde weiterhin mit ihm in Kontakt bleiben. Er hat mich sogar gefragt, ob ich nicht nach Liberia kommen will und ich sagte ihm, ich würde darüber nachdenken, solange sie mich nicht erschießen.

Na ja, dann pass auf dich auf. Danke, Justice!
Was ich noch sagen möchte: Wir brauchen mehr Menschen auf dieser Welt, die wie Pfarrer Joshua sind, besonders in einem großen Land wie Nigeria. Und wenn du draußen bist und daran glaubst, dass du das Leben junger Mädchen und Jungen verändern kannst, die verloren und verwirrt sind, die drogensüchtig sind, sich prostituieren oder die Waffen bei sich tragen, um Leuten ihr Geld zu stehlen usw., dann zeige dich, wie Pfarrer Joshua es getan hat und lass uns gemeinsam diese große Nation Nigeria und andere Länder, die eine schwierige Zeit durchmachen, zu besseren Orten für unsere nächste Generation machen. Gott segne Nigeria.

Was wir bisher von Justice gehört haben:

In Lagos brennen Menschen