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Reisen

Urlaub wie ein Hippie

Schmutzige und verlauste Hippies können zwar nicht viel, aber zumindest wissen sie, wie man durch die Welt zigeunert.
16 Dezember 2011, 12:00am

Ich, als ich noch Westen in der Öffentlichkeit trug

Heutzutage bin ich ein Dalston Punk–Fan mit einem Hang zu Rap aus New York, aber vor langer, langer Zeit war ich ein junger Mann, der nicht wusste, wohin. Mir wurde alles "ein bisschen zu viel", also packten meine Freundin und ich unsere Sachen zusammen und machten uns auf. Mein Plan sah so aus: "In ein paar Tagen steigt eine Party am Schwarzen Meer" und "Marokko hört sich gut an". Nachdem wir diese sehr ausführliche Planung hinter uns gebracht hatten, brachen wir zu irgendeinen Ort am Meer auf, von dem aus Schiffe den Hafen verlassen. Nachdem wir dort 24 Stunden abhingen (weil wir die Fahrt nicht vorher gebucht hatten und uns die Crew den Zutritt verweigerte, weil wir betrunken waren) ging’s auf zu unserem Hippie-Abenteuer, das die nächsten paar Monate andauern sollte. Weil ich eine Entscheidung getroffen hatte, die viele andere als uncool oder idiotisch bezeichnen würden, dachte ich, es sei angebracht, die Konsequenzen daraus in einer Liste aus Weisheiten zu komprimieren. Hier ist also mein Reiseführer für Hippie-Ferien.

Wenn du kein Mädchen bist, fahr per Anhalter mit einem.

Dies ist der offensichtlichste Ratschlag, den ich geben kann, aber es gibt wohl ein paar Hirnlose da draußen, die das immer noch nicht verstehen. Männer fliegen auf hübsche Mädchen, die am Straßenrand stehen und irgendwo hin gebracht werden wollen. Diese ultimative Schwäche des Mannes ist dazu da, sie auszunutzen, entweder von Nutten, oder von seinen Kumpeln (mit Nutten als Vermittlerinnen). Ich war mit einer ganz attraktiven Blondine unterwegs, demnach bot es sich an, dass sie an der Autobahn stand und den Daumen in die Luft streckte, während ich in den Büschen saß und ein Buch las. Sobald ein Auto anhielt, sprang ich raus und manövrierte meinen Arsch in die Karre, egal welche Einwände der Fahrer darüber erhob, dass er nur eine Person mitnehmen könne. Ein Typ nahm uns durch halb Spanien mit, weil Ramadamamanamam war und weil er einen altruistischen Tag hatte. Außerdem schenkte er uns eine CD von Boney M.

Vergiss deine Ansprüche

Wenn du zur Mittelklasse gehörst (was offensichtlich zutrifft), hast du wahrscheinlich gewisse Ansprüche. Ansprüche wenn es ums Essen geht, wie du dich fortbewegst, Dinge, die du gerne tust und deine Körperhygiene. Vergiss den ganzen Scheiß. Alles. Es ist einfach nicht angebracht unter diesen Umständen. Wenn du dich dazu entscheidest, jeden Cent zu sparen, musst du einige protokollarische Abläufe beiseite lassen, an die du dich zu Hause normalerweise halten würdest. Aus Mülltonnen zu essen ist total OK, wenn du durch Städte reist. Saubere Tonnen hinter Ladenketten sind aus naheliegenden Gründen die einzigen, denen du dich nähern solltest. Viele Städte auf diesem Kontinent haben offensichtlich wenig Bedenken gegen verwilderte, nomadische Kids und schließen ihre Tonnen nicht ab. Mach dir zu Nutzen was sie haben. Betrachte es als Geschenk des Ferien–Gottes. Weiterhin gilt: wenn du einer Psy–Trance Party mitten in der Ukraine beiwohnst, wird es unvermeidlich sein, dass die Leute dich dazu auffordern werden, an Sachen teilzunehmen, die dir fremd vorkommen mögen. Sag dir nur: „Ich bin im Urlaub und im Urlaub haben Ansprüche keinen Platz.“ Dann wird es dir auch nichts ausmachen.

Verschwinde sobald dir danach ist.

Wenn es um den Urlaub geht, ist Vorbereitung dein Feind. Ist nicht alles gut und schön, wenn man für eine Zeit verreist und alles dabei hat, was man braucht: Töpfe, Pfannen, ein Handtuch, ein Zelt, Gas in Flaschen, Geld, Wasser, einen Reisepass, etc? In Wirklichkeit ist das nicht gut und schön. Es ist dumm. Auf jeder Wegstrecke, die du zurücklegst und die es wert ist, sie zu gehen, willst du möglichst NICHTS dabei mit herumtragen. Als mein Rucksack leicht genug war um ihn 50 Meilen am Tag auf meinen Rücken zu tragen, enthielt er: viele Samen (um damit essbare Sprossen zu züchten), ein T–Shirt und ein Paar Shorts, verschiedene Hippie–Ausrüstungsgegenstände und Gewürze, eine alte Cornflakes–Schachtel und einen Edding (um immer kleinere Anhalter–Schilder herzustellen), eine Schüssel, den Koran und einen Schlafsack. In der Tat war nichts was ich dabei hatte besonders nützlich, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Zelt die Sache vereinfacht hätte.  

Hippies sind deine Freunde

Zugegeben, in einem vollgepferchtem Bus in der Stadt, sind Hippies nicht das, was du willst. Ihre Haare stinken, der Rest von ihnen stinkt und ihre Abneigung gegen Krieg und ähnlichem, wird einem sehr schnell ziemlich lästig (weil der Rest der Welt ja Kindersoldaten toll findet, die sich gegenseitig den Kopf abreißen, richtig?), aber wenn du das Leben eines Obdachlosen führst, SIND DAS DEINE LEUTE. Du wirst zwar ab und an arbeiten, aber alles was du sinnvolles lernen musst, wirst du von diesen Leuten lernen. Ich habe jemanden namens Giuseppe getroffen, der seit sechs Jahren nicht mehr in die Berührung mit Geld gekommen ist. Mit ihm zu reisen war kostengünstig. Man wird auch an den Punkt kommen, an dem man denkt: „Hey, mein vorheriges Leben war so leer und ohne Sinn. Ich werde meine Haar verfilzen, mir ein finsteres Hindu-Symbol auf meinen Rücken tätowieren lassen und alles seligsprechen, was ich rauche." Das ist der gefährliche Moment. Viel Glück bei der Rückkehr in die zivilisierte Welt, Spinner.

Verschwende nichts

Sobald du anfängst dich selbst zu bemitleiden, zu realisieren, dass du dich seit einigen Tagen nicht mehr gewaschen hast und du gerade krank wirst, wirst du es wahrscheinlich in Betracht ziehen die Nacht in einem Hotel zu verbringen, um dich zu erfrischen. Wenn du das machst, dann bist du richtig im Arsch. Du hast die vierte Wand durchbrochen und du kannst nie wieder zurück und wenn du andere Reisenden triffst, werden sie dir gegenüber höflich sein, aber tief in ihrem Inneren werden sie lachen. Sie lachen, weil du komplett versagt hast. Hab aber trotzdem unbedingt Geld in der Tasche (es wird sich als nützlich erweisen, wenn du jemanden bestechen musst, wer auch immer das sein wird), aber verwende es nur für Notfälle und nicht als multifunktionales, alltägliches Tauschmittel, zu dem es sich aus der Not heraus über die letzten tausend Jahre entwickelt hat. Komm schon, wer weiß es besser? Die Geschichte oder du?

Wenn du in Rom bist…

Als ich in Rom war, aß ich eine Pizza, aber ich hatte keinen Geschlechtsverkehr mit kleinen Jungs, was die Römer FRÜHER zu tun pflegten. Ich habe auch nicht den Vatikan besucht. Es gibt keinen Grund, eine Welt zu erforschen, die du nicht erforschen kannst. Bei meiner Ankunft in Marokko, war sofort offensichtlich, was die Marokkaner trieben, aber ich lernte schnell die Westler um ihr Geld zu bescheißen und rauchte viele der Bergpflanzen. Solltest du irgendwann in einem ähnlich erbärmlichen Zustand in dem ich war, in einem Land ankommen, wirst du nicht als ein Gleichgestellter akzeptiert, sondern als ein Schandfleck der Menschheit. Also musst du versuchen dich mit dieser Rolle abzufinden und versuchen nicht über sie zu schimpfen.

Einen fröhlichen Hippie-Urlaub.