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Vice Blog

Katzen, Koks und Kohle

Will Zweigart ist der Schöpfer von Ca$hcats.biz, der einzigen Anlaufstelle im Internet, wo Fotos von Katzen neben obszöner Zurschaustellung von Reichtum gezeigt werden.
27.6.12

In Will Zweigarts E-Mail-Eingang sind viele alarmierende Fotos.
„Ich habe ein paar Silvesterfotos erhalten, die wirklich jenseits von Gut und Böse sind. PETA würde wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen“, erinnert er sich. „Die Leute haben tatsächlich riesige Lines Koks gebaut und ihre Katzen danebengesetzt, und im Hintergrund sah man Champagnerflaschen. Und natürlich die obligatorischen 20- und 50-Dollarscheine.“

Es ist ganz logisch, dass manche Leute Zweigart solche Fotos schicken. Immerhin ist er der Schöpfer von Ca$hcats.biz, der einzigen Anlaufstelle im Internet, wo Fotos von Katzen neben obszöner Zurschaustellung von Reichtum gezeigt werden. Doch der Typ hat Prinzipien: Auf die Silvesterkokainpartyschnappschüsse hat er keinen Bock.

„Ich denke dabei an die Katzen. Ich will die Besitzer nicht zu schlechtem Verhalten animieren“, sagt der 33-jährige. „Ich wollte aber nicht in Zweifel stellen, ob das tatsächlich gut ist für das Wohlergehen der Katze ist oder nicht.“ Das wird wahrscheinlich das einzige Mal sein, dass du das Wort „Wohlergehen“ in Zusammenhang mit Ca$hcats hörst. Sogar inmitten der sich ausweitenden Katzenbilderflut im Internet sticht Ca$hcats als etwas Außergewöhnliches und teilweise richtig Krankes hervor. Das Konzept jedoch ist simpel: Es ist ein Tumblr, auf dem von Usern eingesandte Fotos von Katzen mit Geld, Waffen, Diamanten und Ähnlichem gezeigt werden. Das Layout ist übersichtlich und frei von Anzeigen. Die Katzen wirken ruhig und selbstvergessen.

Eine Zufallssuche durch die Seite bringt verstörende Bilder hervor: eine fleckige amerikanische Kurzhaarkatze auf einem Geldturm, der aus etwas mehr als 100.000 Dollar zu bestehen scheint; eine gelassene orangene Tigerkatze in einer Decke aus mindestens 5.000 Dollar; ein Satz Fotos von schwarzen Katzen mit Pistolen, Dollarscheinen, Euros und Flachmännern zusammen mit der Bildüberschrift „all black everything“—eine Hommage an Lupe Fiasco. Diese Bilder rufen schwer beschreibbare Emotionen hervor, aber sie haben eine ganze Legion an Anhängern generiert. Seit der Einführung der Seite im Januar 2011 hat Ca$hcats schon mehr als 55.000 Tumblr-Follower und nahezu 5.000 Facebook-Fans. Hunderte Bilder aus der ganzen Welt wurden eingereicht. Und Zweigart fragt nur selten nach, wo denn die ganze Kohle überhaupt herkommt.

„Das Konzept ist so tiefgreifend surreal“, sagt Danielle Strle, Tumblrs Produkt- und Partnerschaftsmanagerin—außerdem sendet sie der Seite selbst regelmäßig Fotos. „Wie könnte eine Katze so viel Geld anhäufen? Wofür würde eine Katze so viel Kohle ausgeben, wenn Katzen tatsächlich Geld ausgeben würden?“

Neben diesen nicht zu beantwortenden, doch irgendwie liebenswürdigen Fragen, die Ca$hcats bei seinen Betrachtern hervorruft, stellt Ca$hcats außerdem einen erfrischenden Bruch mit den sonstigen Internetfotos von Katzen in Kartons oder Katzen beim Spiel mit Flaschendeckeln und so weiter dar. Zweigart erzählt, die Seite sei als eine Art von Korrektiv gestartet worden—Katzen sollen hier ungewöhnlich dargestellt werden; auch durchaus negativ konnotiert, wie das online ansonsten nicht der Fall ist.   „Alle paar Tage senden mir meine Eltern immer noch Bilder von unseren Katzen zu, wie sie einfach nur den ganzen Tag faul mit einem selbstgefälligen Grinsen des Erfolgs und der Befriedigung herumliegen. Irgendwie bestätigt das, dass sie schon immer geglaubt haben, uns überlegen zu sein und dabei zeigen sie immer diese Herrscherklasse-Attitüde“, sagt er. „Ich dachte, das wäre ein interessanter Kontrast zwischen dem, was du siehst und der Tatsache, dass Katzen wirklich über das Internet herrschen—zumindest aus einer komödiantischen Sichtweise.“ Was auch immer die Botschaft dahinter sein mag: Die Seite inspiriert ihre Follower, ihre monetären Prioritäten zu verlagern.
Divya Anantharaman, Schuhdesignerin aus Ditmas Park in Brooklyn, hat einen Schnappschuss ihrer drei Jahre alten Katze eingeschickt (inklusive 500 Dollar, zwei Gewehren, Fuchsfell, Schnaps, Four Loko und einem Blackberry), nachdem sie einen gutbezahlten Job an Land gezogen hatte. „Ich dachte mir, anstatt die Kohle auf die Bank zu bringen, nehme ich lieber einen Teil in bar mit nach Hause, weil ich einen Haufen Geld bei Ca$hcats zeigen wollte“, erinnert sie sich.

Bei ihrem Foto ließ sie sich von einem Film inspirieren: „Irgendwie ist das wie bei einer Szene aus Enter the Void, wenn sie alle auf der Couch liegen und er sagt: ‚Was, ich?’, und der andere antwortet: ‚Ja, ich bin’s. Ich bin hier.’ Und sie sind einfach nur völlig zugeballert und es hört auch einfach nicht auf“, sagte sie. „Es ist wirklich ein langer Trip. ‚Dazu ist mein Leben geworden.’“ [Randbemerkung: Als ich zugab, dass ich keine Ahnung hätte, was Enter the Void sei, rügte mich Anantharaman folgendermaßen: „Du musst diesen Film gesehen haben, wenn du für VICE arbeitest!“ Anscheinend ist es ein Gaspar-Noé-Film über einen Drogendealer aus Tokio.] Strle denkt heute anders über Geld. Sie hat einmal ein Foto von ihrer Katze Wallace „mit einem 100-Milliarden-Dollar-Schein aus Simbabwe gemacht, den [sie] extra dafür auf eBay ersteigert hatte“, erzählt sie. „Jedes mal, wenn ich jetzt einen erheblichen Betrag Geld herumliegen habe, machen Wallace und ich ein Foto zusammen.“

Der Stern von Ca$hcats.biz steigt immer noch. Zweigart—tagsüber ein Social Media Consultant—wird diesen Herbst in einer New Yorker Galerie Fotos der Ca$hcats ausstellen. In der Zwischenzeit versucht er die, Nachfrage zu stillen und das Angebot zu verwalten. „Jemand hat mir letzte Woche eine E-Mail geschrieben, in der stand: ‚Ich habe 17.000 Dollar in bar. Was soll ich damit machen?’“, erzählt er. „Ich habe ihm Tipps für das Foto gegeben. ‚Lass deine Katze nicht unscharf erscheinen’, und so.“

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