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Janna: Sie kann sich einfach nicht mehr damit identifizieren, sie sieht das zwar alles, aber hat keine emotionale Verknüpfung mehr dazu. Sie fragt sich, was das für „Freunde“ sind, die sich auf Facebook alle nur selber feiern und wofür sie eigentlich gemocht wird.
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Ich vermute, dass wir unser Selbst erst durch andere definiert bekommen. Das ist so ein ursoziologisches Ding, dass wir den anderen brauchen, der uns spiegelt. Und in dieser Facebook-Maschine haben wir ein Feuerwerk davon. Man kann hier ständig Bestätigung finden und sich wunderbar selbst darstellen. Fotos von sich hochladen und anschließend dabei zusehen, wie viele Menschen einen „toll finden“. Das macht einfach süchtig.Die Zuschauer von About:Kate können ja auch Fotos und Videos hochladen, die dann gezeigt werden. Wenn die Zuschauer bei der Serie interagieren, schlüpfen sie also auch in eine inszenierte Rolle, so eine Art „Second Me“, oder?
Das machen wir ja auf Facebook sowieso schon alle, sei es, dass man seine Fotos mit Weichzeichner bearbeitet oder nur die coolen Sachen liket. Ein bisschen inszeniert man sich mit seinem „Second Me“ dahin, wie man eigentlich sein wollen würde. Manche sagen aber auch, das „Second Me“ hat eigentlich mehr mit mir zu tun als die Realität. Weil im Internet kann ich mich als das ausgeben, was ich wirklich bin, ohne dass ich an irgendwelche Umstände geknebelt bin.

Ich selber bin sehr viel im Internet unterwegs, aber gleichzeitig kucke ich sehr gern noch oldschool-mäßig Filme, ohne nebenbei auf zehn anderen Geräten aktiv zu sein. Unser Format eignet sich dafür, weil es sehr assoziativ ist, wie ein Bewusstseinsstrom. Es ist auch eher langsam erzählt, man hat Zeit, auf Nebenwege zu gelangen.
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Die Beiträge werden direkt zu ARTE Creative nach Straßburg geschickt und da weiß ich gerade nicht, was alles schon gekommen ist. Ich weiß nur, dass die Leute auf Facebook schon sehr aktiv sind und viel privat mit Kate schreiben. Es ist interessant zu sehen, dass Menschen, die wissen, dass es eine Serie ist, überfordert sind von Kates Privatheit.So ging es mir auch. Vor allem weil Kate und ich einige gemeinsame reale Freunde haben. Wer stellt denn die Posts auf ihre Seite?
Das mach im Moment noch ich, gebe das aber während der Ausstrahlung an meinen Kollegen ab. Ich sitze zur Zeit auch im Schnitt und bin mittlerweile schon ein bisschen multipel gestört, weil ich alle fünf Facebook-Profile der Serienfiguren betreue. (lacht)

Das ist ganz lustig, wie bekloppt man davon wird. Man bekommt ja einfach zu viel mit von den Leuten. Das will man gar nicht wissen.Aber apropos Schnitt: Die Dreharbeiten sind ja schon abgeschlossen, die Videos der User werden dann also nachträglich eingefügt, wie arbeitet ihr denn derzeit?
Ja, das ist für den Workflow und die Postproduktion ziemlich schwierig. Wir halten unseren Picture-Log soweit offen, dass wir die Videos der User einfügen können. Ich sitze bis Ende Juli im Schnitt und bin parallel zur Ausstrahlung damit beschäftigt, die Serie fertig zu stellen.

Es gibt eine App, die sich die User runterladen können und die sich mit der Serie verknüpft. Die App synchronisiert sich und zeichnet die eigenen Bewegungen auf und auch die Antworten, die man auf Fragen eingibt. Am Ende wertet die App alle Daten aus. Es ist ein großer Psychotest, wie man ihn aus Magazinen kennt.Und anschließend kann man die Ergebnisse dann auf Facebook posten und sich damit selbst inszenieren.
(lacht) Ja, genau, und wenn die Freunde mitmachen, kann man es sogar noch vergleichen!Mit About:Kate reagiert ARTE Creative auf die steigende Nachfrage nach mehr Interaktivität. Ob das von den Zuschauern angenommen wird, ist eine andere Frage. Erstmal ist es ein Experiment, wie der Projektleiter Alain Bieber bestätigt: „Das ist unsere Aufgabe bei ARTE Creative: Wir sind die Talentschmiede, das Forschungslabor für neue Formate, ständig auf der Suche nach neuen Künstler, Kreativen und Ideen.“