Sex

Ein "Anti-Fashion-Shooting" zur Erforschung der Körperfunktionen

"Wir sind beide vorlaut, ordinär und machen uns gerne nackig. Wir wollten ein wenig abhängen, Spaß haben und dabei Fotos machen."

von Steph Wilson
11 Oktober 2016, 4:13am

Alle Fotos: Steph Wilson

Steph Wilson ist eine regelmäßige Mitarbeiterin unseres Schwester-Verticals Broadly, für das sie zum Beispiel erst vor Kurzem eine verspielte Fotoreihe über potenzielle Masturbationsgegenstände geschossen hat. Ihre Arbeiten schaffen mühelos den Spagat zwischen Stillleben, Porträt und High Fashion. Für uns hat sie sich erneut hinter die Kamera geklemmt und sich anschließend dazu geäußert, wie sie die manchmal ideenlose Modeindustrie aufs Korn nimmt.

VICE: Was hat dich zu diesem Shooting inspiriert?
Steph Wilson: Ich hatte einfach Bock, mal wieder so eine ungezwungene Fotoserie zu schießen. Ich liebe zwar mein Team am Set, aber wenn noch sieben anderen Menschen herumwuseln, dann kann es schnell hektisch werden. Da ist es schwer, einfach loszulassen. Außerdem geht so die Verbindung zum Model verloren. Deswegen verzichtete ich hier auf Make-up und Styling. Einfach nur das Model Lily Newmark und ich.

Warum gerade sie?
Lily ist eine gute Freundin. Wir sind beide vorlaut, ordinär und machen uns gerne nackig. Wir wollten ein wenig abhängen, Spaß haben und dabei Fotos machen.

Ist es bei Fashion-Shootings wichtig, einen roten Faden zu haben?
Ja, denn sonst ist es ja nur Mode. Hübsche Bilder reichen heutzutage nicht mehr aus. Ganz viele Fotos aus diesem Bereich langweilen mich zu Tode. Als Malerin verspüre ich immer den Drang, meinen Bildern das gewisse Etwas zu verleihen. Ich konzentriere mich vor allem auf Sex, Etikette oder Körperfunktionen—also diese ganzen leicht anstößigen Themen, über die man sich gerne auslassen darf und die ästhetisch gesehen hoffentlich trotzdem faszinieren. So nach dem Motto "Etwas Hässliches in etwas Schönes oder Interessantes verwandeln". Lily und ich haben auch überlegt, die Fotoserie scherzhaft als "Expensive Fashion Shoot" zu bezeichnen, weil die Bilder ja eher einen Anti-Fashion-Touch haben und wie ein missglückter Versuch eines 90er-Jahre-Modeteams im Bereich Avantgarde wirken.

Deinen Bilder liegt immer ein subtiler Humor zugrunde. Ist das Absicht?
Ich mache mich gerne über Dinge lustig, die entweder zu ernst genommen werden oder als Tabus gelten, die total lächerlich beziehungsweise altbacken sind. Im Grunde will ich immer eine Balance zwischen Witz, Ästhetik und Verständnis finden. Ein Thema, bei dem Humor nichts verloren hat, würde ich so jedoch niemals angehen. Beispiele hierfür wären häusliche Gewalt oder weibliche Genitalverstümmelung. Stigmas bezüglich Nacktheit, Körperbehaarung, der Periode, Sex, Sprache, sozialer Medien und so weiter sollten allerdings auf jeden Fall auseinandergenommen werden, um zu zeigen, was sie eigentlich sind: tief verwurzelte Erniedrigungen, die aufgrund eines Systems entstanden sind, in dem die Leute durch Scham "normal" und damit auch zu folgsamen Konsumenten werden sollen.

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