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Rob Pruitt, unser Mitarbeiter des Monats

Wir haben den New Yorker Künstler einfach mal für einen Monat eingestellt.
24.10.10

Rob Pruitt, Exquisite Self-Portrait: The Artist, 2010, Siebdruck auf Leinwand, 84 3/4 x 63 3/4 inches

Vice: Hi Rob, weißt du was? Du bist Mitarbeiter des Monats!
Rob Pruitt: [lacht] Ich fühle mich sehr geehrt. Ich hab nicht die leiseste Ahnung, wie das passiert ist. Ich dachte, meine unzähligen Kaffeepausen hätten mich disqualifiziert. Na ja, du hast das tolle Bild auf dem Cover gemalt. Magst du mir nicht was darüber erzählen?
Es basiert auf einem traditionellen Amish-Muster für Quilts, dass „Windowpane“ heißt, was ziemlich lustig ist, weil sie einfach nur den optischen Effekt von 3D-Fenstern beschreiben. Ich glaube, sie haben nicht die geringste Ahnung, dass das auch ein Name für Acid-Pappen ist. Das erinnert mich an diesen Secondhandladen in North Fork, Long Island, wo Jonathan [Horowitz, Künstler und Robs Freund] und ich früher gewohnt haben. Er befindet sich im Keller einer Kirche und heißt Glory Hole. Hau ab!
Wir konnten da nie vorbeifahren, ohne uns kaputtzulachen und an diese alten, kleinen Ladys zu denken, die keine Ahnung haben, wonach ihr Laden wirklich benannt ist. Natürlich denken sie ganz unschuldig an „Glory of God“, und dass der Laden nun mal so klein ist wie ein Loch. Und er heißt schon zehn Jahre so. Ich kann nicht glauben, dass es ihnen nie jemand gesagt hat.
Ich weiß. Man sollte denken, dass sie vielleicht einen anonymen Brief bekommen oder so etwas nach dem Motto: „Meine lieben Damen, vielleicht sollten Sie das noch einmal überdenken.“ Basiert das Cover-Bild auf einem bestimmten Amish-Quilt?
Ja, aber als ich die Serie gemacht habe, habe ich mit verschiedenen Proportionen herumgespielt, und für das Bild habe ich das Gittermuster ziemlich verkleinert. Ich fand es interessant, es wie ein Computerkeyboard aussehen zu lassen. Und du benutzt viel buntere Farben als bei den Originalen.
Stimmt. Ich habe diese Sprühfarben namens Montana Gold benutzt, die für Graffitikünstler gemacht werden und von denen es eine riesige Bandbreite großartiger Farben gibt. Die Amish machen ihre Quilts aus alten Klamotten, also sind sie hauptsächlich in Erdtönen gehalten. Deine letzte Ausstellung bei Gavin Brown and Maccarone hat sich lose mit Rumspringa beschäftigt, der Coming-of-Age-Phase, in der Amish-Teenager die Gemeinschaft verlassen dürfen, um sich die Ärsche abzufeiern. Danach entscheiden sie sich für den neuen, verrückten westlichen Lifestyle oder kehren zur Herde zurück.
Es ist etwas, das mich seit ein paar Jahren beschäftigt, als ich Devil’s Playground—die Doku über Rumspringa—gesehen habe. Es hat auch für meine persönliche Geschichte sehr viel Sinn ergeben. Vor ungefähr 25 Jahren habe ich mit einem Kunstprojekt namens Artworks for Teenage Boys angefangen und mich seitdem viel mit Teenager-Rebellion beschäftigt. Bei diesen Quiltbildern, die normalerweise von Großmüttern, die im Kreis zusammensitzen, gemacht werden, hat mir die Vorstellung Spaß gemacht, dieses Material wilden Jugendlichen auf Meth in die Hand zu drücken und zu sehen, was sie mit diesem Teil ihrer Tradition tun würden und was für Quilts sie während ihrer Zeit des hemmungslosen Draufgängertums machen würden. Und so könnte so einer vielleicht aussehen, total hell und bunt.
Ja, total überladen und mit verzerrten Proportionen. Aber statt ein Jahr dafür zu verwenden, einen zu machen, würde es so sein, als ob er mithilfe von Stencils und Sprühfarbe in gerade mal 24 Stunden entstehen würde. Ist das die Art, wie du sie gemacht hast? Sie sind ja riesig, fast 2,40 Meter groß.
Es dauert verdammt lange, die 1.000 kleinen Pappformen auszuschneiden, aber wenn du die Stencils erst mal fertig hast, geht alles ganz schnell. Ich habe ein Interview von dir gelesen, in dem du sagst, Künstlersein sei wie ein permantes Rumspringa.
Ja, das denke ich, vor allem, wenn es um mich selbst geht. Ich kann nicht glauben, was für eine großartige Entscheidung ich vor 28 Jahren gegen einen Schreibtischjob getroffen habe. Ja, das war eine exzellente Wahl.
Jeder Tag bietet mir eine brandneue Möglichkeit, zu tun, was auch immer zur Hölle ich tun will. Ich habe keine Antwort für jeden, aber es ist wie ein permanentes Experiment. Ich meine, es geht nicht ums Drogennehmen und hemmungslosen Sex. Nicht?
Na ja, ja und nein. [lacht] Aber ich habe da eher an kreatives Experimentieren gedacht. Weißt du, ich kann alles von gestern wegwerfen und was ganz Neues anfangen, wenn ich das will. Und es ist der Wahnsinn, das zu können. Wenn du als Amish aufgewachsen wärst und Rumspringa erlebt hättest, denkst du, du wärst jemals zurückgekommen?
Ummmmmmm. [lacht] Ich kann nicht glauben, dass dich das noch nie jemand gefragt hat.
Das ist eine großartige Frage, aber ich schäme mich etwas, ehrlich zu antworten, weil ich denke, dass ich zurückgegangen wäre. Ich liebe es, innerhalb einer masochistischen Struktur arbeiten zu müssen. Weißt du, was ich meine? Das ist lustig, weil ich darüber spreche, dass mein Leben die absolute Freiheit ist. Außerdem sind Amish-Jungs echt heiß. Ich liebe die Bärte und diese hochsitzenden Arbeitshosen.