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Reisen

Japan - Entführt von russischen Seemännern

A
von Alex

Wie ihr wisst, bahne ich mir gerade meinen Weg durch Hokkaido. Der nächste Stopp meiner Reise gen Norden war Monbetsu, was angeblich die rassistischste Stadt des ganzen Landes ist. Die Einheimischen sind völlig genervt von dem nicht enden wollenden Ansturm von betrunkenen russischen Seemännern, die in ihrem Hafen anlegen und alles verwüsten. Eine zeitlang haben sie sogar allen Ausländern verboten, da zu bleiben.

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Dieser kleine Streifen in der Stadtmitte ist das einzige, was hier nachts ein paar Lichtstrahlen abgibt. Die Hälfte der Läden in der Gegend hat Schilder, auf denen steht „Keine Russen“ und die andere Hälfte sind Bordelle. Alles stinkt nach Krebsärschen.

Das ist wahrscheinlich der deprimierendste Ort in ganz Japan, den du auf der Suche nach einem Happy Ending aufsuchen kannst…

Nachdem wir von ein paar hässlichen japanischen Trunkenbolden mit hasenzahnigen Mädchen im Arm angemacht wurden, ist uns dieser einigermaßen respektable Typ aufgefallen. Er hat sich selbst als Alexei vorgestellt. Nachdem wir meine 14 Worte Russisch und seine elf Worte Englisch ausgetauscht hatten, hat er uns eingeladen, mit ihm ins Taxi zu steigen.
Alexei war betrunken und hungrig. Er hat uns in ein Restaurant mitgenommen, wo er eine Menge Sake und riesige Berge von Fleisch bestellt hat. Mein Japanisch-Übersetzer Benny musste so tun als wäre er, genau wie ich, aus England, weil Alexei jedes Mal, wenn Amerika erwähnt wurde, ausrastete und diese Maschinengewehr-Gesten machte.

Gott sei Dank ist er nach ein paar Sake ein bisschen aufgetaut und hat angefangen dieses komische kleine Fashion-Shooting für uns zu machen.

Kurz vor 23 Uhr fing er an panisch durchzudrehen, weil er realisierte, dass er seine Ausgangssperre verpassen würde und eigentlich zurück aufs Boot musste, um am nächsten Tag abzulegen. Er hat uns manisch ins Taxi genötigt und ist mit uns Richtung Hafen gefahren. Er war so hibbelig, dass er aussteigen wollte, als das Auto noch gar nicht richtig gehalten hatte.

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Als wir zum Boot kamen, fanden wir uns wieder umgeben von riesigen, besoffenen und herumschreienden Russen.

Der Kapitän des Schiffes stürmte total sauer vom Boot herunter und schrie Alexei an, weil er spät dran war und danach machte er diese Geste in der er so tat, als würde er meine Kamera zerschmettern, wenn ich noch mehr Fotos machte. Wir waren bereit, jede Minute loszulaufen, aber Alexei schaffte es irgendwie, dass sich alle beruhigten und kam zurück, um uns zu erzählen, dass es OK war, das Boot zu betreten.

Am Anfang war die Crew feindselig und sie packten uns die ganze Zeit an und schoben uns von einem Sitz bis zum nächsten, während sie uns Alkohol reinstellten. Nachdem sie uns in ihren Clan aufgenommen hatten, erhielt ich das OK meine Kamera auszupacken und ich schaffte es sogar irgendwie, dass sie sich alle lang genug hinsetzten, um für dieses einigermaßen zivil aussehende Bild zu posieren.

Dann betranken wir uns.

Du weißt natürlich, was als nächstes kam: die gute Stimmung kippte. Einer der Crewmitglieder bestand darauf, dass wir die Nacht dort verbrachten und bevor wir uns versahen, waren wir in diese flammende Diskussion auf Russisch verwickelt, in der wir irgendwie die Schuldigen waren. Es wurde alles ein bisschen haarig—Benny und fanden uns auf einmal getrennt voneinander in unterschiedlichen Teilen des Boots wieder und fragten uns, wie zum Teufel wir wieder da wieder herunter kommen sollten. Glücklicherweise hatte Alexei ein Auge auf uns und stellte sicher, dass uns nichts passierte. Er schaffte es, mich aus den Fängen dieser drei Russen zu befreien, die mich allesamt mit Vorwürfen bombardierten, die ich nicht verstand und brachte uns von Boot runter. Auf dem Weg runter versuchte eins der Crewmitglieder sich meine Kamera zu schnappen, aber wir kamen unbeschadet davon.
Irgendwann brachte uns Alexei wieder den ganzen Weg zurück in die Stadt und dankte uns dafür, dass wir sein Schiff angeschaut hatten und sagte, dass wir drei für immer Brüder bleiben.

ALEX HOBAN

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