Ich habe mich an einem Tag durch jeden Wiener Bezirk gesoffen
Noisey Blog

Ich habe mich an einem Tag durch jeden Wiener Bezirk gesoffen

Wie viel Rausch ein kleines Bier in jedem der 23 Bezirke ist, könnt ihr euch eh ausmalen. Hier die Chronologie des Todeskaters.
20.1.17

Header: Grafik von Samazing. Originalfotos vom Autor und via Flickr | Anonymous Account | CC BY 2.0

Vor ungefähr einem Jahr bin ich aus der Vorarlberger Provinz geflohen, um zu studieren. Nachdem ich die Schulzeit hinter mich gebracht habe, mich irgendwie durch die Matura zwang und der Präsenzdienst abgeleistet war, war es soweit: Es ging in die Hauptstadt. Doch wie kommt man als Landei im urbanen Dschungel Wiens zurecht? Stimmen diverse Vorurteile bezüglich der Stadt, deren Bewohnern und des Studentenlebens? Wie lernt man die verschiedenen Lebensstile, die Menschen und die Gepflogenheiten Wiens am schnellsten kennen? Genau: man plant eine Beisltour durch alle 23 Gemeindebezirke, die von einem Ziel getrieben ist: In jeden Bezirk zu fahren und sich dort (mindestens) ein kleines Bier oder einen Spritzer – Abwechslung muss schon sein – reinzustellen.

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Schon bei der Planung – die mein Bruder und ich übernahmen – trafen wir auf die erste Erkenntnis: Das Öffi-Netz in Wien ist genial. Wenn es in deinem provinzialen Kaff nur zwei Buslinien gibt, die im Halbstundentakt daherkommen, weiß man das sehr zu schätzen. Wir planten also die Route, von der wir dachten, dass sie uns am effizientesten durch alle Bezirke bringen könnte und bereiteten uns mit ein paar Hülsen auf das Spektakel vor.

Durstgetrieben und (halbwegs) ausgeschlafen trafen wir uns am darauffolgenden Freitag, um unser Vorhaben in die Tat umzusetzen. Das Team für die Tour bestand aus Johannes – der schon länger in Wien wohnte, die Idee zur Tour hatte und noch vom Vorabend schwer gezeichnet war – , meinem Bruder Fabio, meinem damaligen Mitbewohner Christof und mir. Die Rollen waren schnell verteilt: Christof notierte (mehr oder weniger konzentriert), wo wir unser Bier getrunken haben. Fabio war die große Geldtasche und nahm das Geld von allen. Joschi war um 13 Uhr noch unbrauchbar, also blieb er ohne Aufgabe, das Trinken sollte eh noch für jeden Aufgabe genug werden. Der Fotograf war ich. Irgendwer musste ja dafür sorgen, dass wir am nächsten Tag unserem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge helfen können. Erkenntnis des Tages: Der Fotograf schaut auf Selfies immer am beschissensten aus.

Screenshot von GoogleMaps

17. Bezirk – Beisl am Eck

Das Spektakel für die Leber begann in Hernals. In dem Wissen, dass wir heute noch eine große Menge Bier in uns leeren würden, begannen wir mit einem Spritzer. Dass die Wirtin um 14 Uhr noch nicht mit Gästen gerechnet hatte und deshalb kein Bier eingekühlt war, könnte bei dieser Entscheidung auch mitgespielt haben, aber ich glaube, es war dennoch unsere scharfsinnige Planung, die uns zum Spritzer führte. Wir saßen also in diesem kleinen Beisl und Christof organisierte sich etwas, um die Tourstops schriftlich festzuhalten. Die Tatsache, dass er nach dem ersten Spritzer bereits "Baisel am Eeck" [sic!] notierte, ließ uns alle erahnen, wo diese Tour noch hinführen würde.

Betrunkenheit: Der erste Spritzer am Tag ist immer der beste.

18. Bezirk – Centimeter

Das Centimeter war unsere zweite Haltestelle und zugleich auch unser kürzester Aufenthalt – ganz zur Überraschung der Kellnerin. Die hat uns nämlich gefragt, warum wir es denn so eilig hätten, nachdem wir vier Seidel bestellt haben, sofort zahlen wollten und kurz nach dem obligatorischen Foto schon zur Hälfte ausgetrunken hatten. Wir erklärten ihr also euphorisch unser Vorhaben und sie fragte uns, ob wir das öfters machen. Wir wussten anfangs nicht wirklich, wie wir das aufnehmen sollten. Sahen wir wirklich so aus, als würden wir uns öfters 23 Bier an einem Tag reinstellen? Na ja, wir haben es als Kompliment genommen.

Betrunkenheit: Das erste Bier am Tag ist immer das beste.

19. Bezirk – Café Blau Stern

Joschi beschwerte sich hier als erstes über die noble Atmosphäre und die Preise. Zur Abwechslung tranken wir hier einen Sturm, um nicht nur unsere Leber, sondern auch unsere Verdauung auf Herz und Nieren (pun intended) zu testen. Als mich die anderen drei fragten, warum ich denn dieses Lokal ausgesucht hatte, verschwieg ich ihnen, dass ich dort mal ein Tinder-Date hatte. Ich sagte stattdessen einfach, dass es das Lokal im 19. Bezirk war, von dem wir am wenigsten weit zum nächsten Beisl laufen müssten. Sie haben es ohne nachzufragen akzeptiert. Das Tinder-Date lief übrigens extrem schlecht, ich habe nie wieder was von ihr gehört. Aber auch das musste ja niemand wissen.

Betrunkenheit: Scheiß' auf Tinder, wir haben Bier!

9. Bezirk – Glashütte

In der Nähe des sagenumwobenen "Loco" befindet sich die Glashütte, direkt in den Gürtelbögen. Laut einer der insgesamt drei Google-Bewertungen handelt es sich hierbei um "eine Institution im 9ten". Alleine deshalb (und weil ich dort tagtäglich vorbeiging und deshalb wusste, dass es genau die richtige Absteige für unser Vorhaben war) mussten wir dort rein. Wir setzten uns an den Tisch und ich rief der Kellnerin zu, dass sie uns doch bitte vier kleine Bier bringen soll. "Wos, klane woits? Wir hom nur Hoibe.", war ihre Reaktion. Ich bestellte dann zwei ihrer "Hoiben" und vier Gläser dazu. Auf diese Bestellung hin drehte sich ein sehr stämmiger, glatzköpfiger Mann fortgeschrittenen Alters zu uns um (er trank eine Hoibe) und fragte belustigt: "Na wos is'n los, vatrogts ka Hoibe, Burschn?" Das wollte ich nicht so stehen lassen. Ich ging also zu ihm und erklärte ihm, was wir heute noch so vor uns hatten. Er hörte sofort auf uns auszulachen, klopfte mir auf die Schulter und wünschte uns noch viel Glück. Er wirkte auf mich so, als hätte er sich uns gerne angeschlossen. Vielleicht hatte er aber einfach schon das eine oder andere Bier zuviel intus – es war immerhin schon Freitag und nach 15 Uhr.

Betrunkenheit: Hier wäre noch jedem eine Hoibe lieber gewesen.

20. Bezirk – Billa Handelskai

Am Handelskai angekommen, stellten wir zum ersten (aber nicht zum einzigen) Mal fest, dass dieser Tag ein sehr teurer Spaß werden könnte. Um das Loch, das sowieso in unsere Studentenbudgets gerissen werden sollte, möglichst klein zu halten, entschlossen wir uns deshalb auch ab und zu auf einen Supermarkt auszuweichen und unser Bier an der frischen Herbstluft auszurülpsen. Dieser Tag sollte auch tatsächlich der einzige bleiben – zumindest bis zum heutigen Tag – an dem einer von uns ein kleines Dosenbier im Billa kaufte. Im Ernst, wer kauft sich ein fucking kleines Dosenbier?

Betrunkenheit: Langsam kribbelts.

21. Bezirk – Billa Floridsdorf

Die Billa-Filiale bei der U-Bahn Station Floridsdorf befindet sich direkt neben einer FitInn-Filiale. Das war also der Punkt, an dem wir kurz dem normalen Menschenverstand verfielen und uns von außen betrachteten, um unser verkorkstes Vorhaben in Frage zu stellen. Doch dieser Anflug mentaler Schwäche war sofort vorbei, als wir endlich unser sechstes Getränk in der Hand hielten. Direkt nachdem wir angestoßen hatten lachten wir dann doch darüber, dass wir ernsthaft kurz ein schlechtes Gewissen hatten. Was ist schon ein aufgepumpter Bizeps gegen eine Elefantenleber? Genau: nichts.

Betrunkenheit: "Haha, das was wir hier machen ist irgendwie eh wie Liegestütze, nur mit der Leber."

22. Bezirk – Bobbys Getränkemarkt

Nach einer kurzen Bimfahrt (oder war es doch eine lange Busfahrt?) kamen wir dann in Kagran an und glücklicherweise fand sich direkt vor der U1 Station eine Bude namens Bobbys Getränkemarkt. Direkt nebenan war ein kleines Ständchen mit FPÖ-Wahlhelfern, weil zu der Zeit gerade für die Wien Wahl 2015 geworben wurde. So eine Bezirkstour soll ja auch lustig sein, deshalb ließen wir uns auf ein Gespräch mit diesen Wahlhelfern ein. Ganz zu unserer Überraschung, waren sie nicht verwundert, wieso wir in diesem– sagen wir angeheiterten – Zustand mit ihnen sprachen. Wir haben uns wohl sehr gut mit deren Stammklientel assimiliert. Wir deckten uns also mit Feuerzeugen und Kopfhörern ein und zogen weiter. Die Feuerzeuge waren übrigens scheiße und die Kopfhörer klangen wie die Schnur-Blechdosen-Telefone aus der Kindheit – die MA48 dankt.

Betrunkenheit: Begossen wie ein transdanubischer Garten.

2. Bezirk – Brot & Zeit Praterstern

Da unser ungewöhnliches Vorhaben in unserem Freundeskreis hohe Wellen schlug – was ich im Nachhinein eh verstehen kann – dauerte es nicht lange, bis sich die ersten Schaulustigen mit uns trafen, um unseren Rausch zu bewundern. Beim Brot & Zeit haben wir Nessi getroffen. Sie beobachtete uns amüsiert, verbrachte aber die meiste Zeit damit sich zu wundern, wie wir unser Bier so extrem schnell trinken konnten. Aber wir hatten schließlich ein Ziel vor Augen. Hard work and dedication, wie in der Uni. Gehindert hat uns hier eigentlich nur Christof, der es auch nach dem dritten Versuch nicht geschafft hat, das verdammte &-Symbol richtig zu schreiben. Aber ich versteh ihn eh, macht ihr das mal nach 8 Bier – I challenge you!

Betrunkenheit: "Oha, ist euch schon mal aufgefallen, dass das &-Symbol aussieht wie jemand, der auf seinem Arsch nach rechts rutscht?!"

11. Bezirk – Weinhaus Hochmayer

Im Weinhaus Hochmayer fiel uns sofort nach dem Betreten die auffallende Rapid-Deko auf. Die Austria-Fans unter uns knurrten kurz, dann erinnerten wir uns aber alle wieder daran, dass es heute um etwas Größeres als Fußball geht.

Also selbes Spiel wie immer: Hinsetzen, Bier oder Spritzer bestellen (Im Weinhaus waren es natürlich Spritzer), bezahlen, austrinken und gehen.

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Nachdem wir die Rechnung bezahlt hatten, fiel unserem Bankier Fabio auf, dass das Geld knapp wurde. Wir hatten uns als ein bisschen verrechnet, was aber kein Problem war, weil die U-Bahn Stationen in Simmering tip top mit Bankomaten ausgestattet sind. Mit einem durstigen und einem weinenden Auge hoben wir also nochmal Geld ab und fuhren weiter zur nächsten Station– vor lauter Verpeiltheit sogar in die falsche Richtung.

Betrunkenheit: "Na, ich weiß wirklich in welche Richtung wir fahren müssen … Oh."

10. Bezirk – Würstelbox

Zum Glück hatten wir mit Nessi jemanden dabei, der das ganze Spektakel noch halbwegs nüchtern miterlebte. Ihr fiel deshalb sofort auf, dass wir in die falsche Richtung fahren und so kamen wir doch noch irgendwie in den Zehnten, was auch unsere zehnte Etappe war. (Perfekte Planung!!1!) Die Leute, die es in Favoriten nicht schaffen ein Bier zu organisieren, sind höchstwahrscheinlich auch die Leute, für die in die Gebrauchsanweisung einer Mikrowelle geschrieben wird, dass man seine Katze darin nicht trocknen sollte. An jeder Ecke gibt es mindestens einen Würstelstand und jeder dieser Würstelstände verkauft mindestens 2 verschiedene Marken Bier. Langsam fing es auch an zu dämmern. Es war also ca. 18:30 Uhr – die perfekte Zeit für das zehnte Bier.

Betrunkenheit: So betrunken wie jeder zweite Favoritner zu dieser Zeit.

23. Bezirk – Billa

Von Favoriten aus fuhren wir dann mit dem Bus eine gefühlte Ewigkeit in den 23. Bezirk. Seit dieser Tour war ich dort übrigens nie wieder und ich habe nicht das Gefühl, dort etwas zu verpassen. Fast so, als wären wir nicht ständig in Lokalen unterwegs gewesen, die auch etwas zu essen anboten, meldete sich der Hunger und wir setzten wieder auf Ottakringer vom Billa, dieses Mal aber mit Leberkässemmerln dazu, um unsere alkgeschädigten Mägen wieder etwas auf Vordermann zu bringen. Tatsächlich schaffte die köstliche Nahrung es, dass wir unseren kapitalen Rausch, der sich langsam aber sicher anbahnte, kurz vergessen konnten. Nicht, dass wir das wollten, aber eine kurze Pause war schon gut.

Betrunkenheit: "He, sind wir schon noch in Wien?"

12. Bezirk – Café Rondo

Auch im Café Rondo ist bis auf hitzige und laute Diskussionen nicht viel passiert. Zu dieser Zeit dienten wir alle wahrscheinlich eher zur Belustigung der außenstehenden Personen, als zu unser eigenen. Aber das war schon gut so, die anderen durften ja ruhig auch was davon haben.

Außerdem gab es dort nur Zipfer, zum Glück waren hier jegliche Geschmacksnerven längst völlig abgetötet.

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Betrunkenheit: So zua, dass sogar Zipfer schmeckt.

14. Bezirk – Reigen

La Familia live on stage

Das "Reigen" ist ein sympathisches Lokal im 14. Bezirk. Dort finden regelmäßig irgendwelche Jam Sessions und Open Mic-Nights statt. An diesem Abend war geschlossene Gesellschaft, also wollte uns der Türsteher nicht rein lassen. Könnte auch daran gelegen haben, dass wir die Garderobenpflicht (2 Euro!1!!) ignoriert haben. Wir wollten ja nur schnell etwas trinken und dann weiterziehen. Wie es sich gehört schlichen wir uns eben in das Lokal und sofort bemerkten wir, warum dort nur eine geschlossene Gesellschaft willkommen war. Es war eine Art Familienfeier von einer riesigen südamerikanischen Familie. Stellt euch vor, ihr sitzt im Reigen und applaudiert eurem Neffen, der gerade auf der Bühne gesungen hat und plötzlich kommen vier Rauschkugeln samt Begleitung rein und grölen, als hätte es die österreichische Nationalmannschaft ins WM-Finale geschafft – so muss das ungefähr gewesen sein.

Unter lautem Lachen schlichen wir zur Bar, bestellten eine Runde Spritzer und hauten ab, nachdem wir noch ein bisschen zu den Beats des Trommelkreises tanzten. Südamerikanische Familienfeiern? Jederzeit wieder!

Betrunkenheit: Arriba, abajo, al centro, adentro!

13. Bezirk – Della Lucia

Das "Della Lucia" ist eine Art Eisdiele mit einem Cafe-Bereich. Direkt nebenan befindet sich die "Tanzschule Immervoll" – im Ernst, die heißt so. Man merkt also sofort, dass uns das Schicksal (oder eben wieder akribische Vorbereitung) dort hingeführt hat. An diesem speziellen Tag wurde eben nichts dem Zufall überlassen. Die Kellner in der Eisdiele schienen nicht sehr glücklich mit unserem Auftreten, wir waren ihnen wohl etwas betrunken für diese Uhrzeit, aber lang gingen wir ihnen ja sowieso nicht auf die Nerven.

Betrunkenheit: Zua wia a Friedhofstor.

15. Bezirk – Lugner City

Der 15. Bezirk war auch unser 15. Stop (Stichwort Planung – siehe Favoriten und Tanzschule Immervoll) und natürlich ging es in das Einkaufszentrum des berühmten Baumeisters– in die Lugner City. Was uns sofort aufgefallen ist: Hier wurden wir von niemandem komisch angeschaut und die Kellnerin im Restaurant verdrehte nicht die Augen, als wir ihr erklärten, dass wir nur ein kleines Bier trinken wollen. Heute – nach einem Jahr mit Hauptwohnsitz in Wien – weiß ich auch warum. Mit 14 Bier bzw. Spritzer im Schädel haben wir uns so verhalten, wie es der durchschnittliche Besucher der Lugner City tut. Okay, das mag übertrieben sein, aber die Freundlichkeit der Kellnerin heiterte unsere alkoholgeschwängerte Stimmung ziemlich auf. Kann sein, dass es am fortgeschrittenen Alkoholpegel lag, aber wir fühlten uns wohl in der Lugner City.

Betrunkenheit: Lugner for President!

7. Bezirk – Café Burg

Völlig entspannt spazierten wir von der Lugner City die Burggasse entlang und landeten in einer Spelunke namens Café Burg. Das Café Burg war uns ziemlich unheimlich und es kam uns auch so vor, als wären wir dort nicht wirklich willkommen, aber was soll's, jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt um wählerisch zu werden. Fun Fact: In den Recherchen fand ich das Café Burg leider nirgends. Die Info "C Burg", die Christof aufgeschrieben hat, reichte leider nicht, um das unheimliche Café im Siebten wiederzufinden. Erst vor kurzem habe ich es entdeckt, als ich zufällig mit dem Fahrrad dran vorbeigefahren bin. Vielleicht werde ich es demnächst wieder besuchen um mir immerhin einen halbwegs nüchternen Eindruck zu verschaffen.

Betrunkenheit: Das Adrenalin hat uns kurz wieder ganz nüchtern gemacht. Mit Betonung auf kurz.

6. Bezirk – Vlaire Uisine

Das Lokal der sympathischen Asiatin nahe der Mariahilfer Straße, war definitiv eines unserer Highlights. Das Restaurant stand kurz vor seiner Eröffnung und dementsprechend wichtig war es für die Inhaberin, ordentlich Werbung zu machen. Sie verköstigte uns mit allem was sie zu bieten hatte. Wir waren hin und weg von ihren asiatischen Spezialitäten, aber noch viel mehr von der Tatsache, dass wir hier (vermeintlich) gratis Essen abstauben konnten. Vermeintlich deshalb, weil wir zwei Wochen nach der Bezirkstour drauf gekommen sind, dass Nessi, die sich permanent und fast schon flirtend mit der Gastgeberin unterhielt, 20 Euro für das Essen bezahlen musste, während wir anderen schon nervös vor dem Restaurant warteten. Falls du das liest, Nessi: Bussi und danke, du hast noch immer was gut bei uns!

Betrunkenheit: So dicht, dass das Loco als Abendgestaltung legitim wirkte.

5. Bezirk – Schwarzer Adler

Langsam aber sicher wurde es spät und wir mussten uns beeilen, da auch in Wien Cafés und Restaurants irgendwann schließen und wir brauchten ja irgendwoher unsere Drinks. Der „Schwarze Adler" war gerade dabei seine Tore zu schließen, als wir dort ankamen. Der Besitzer hat gerade das Licht ausgeschaltet und war literally gerade dabei, die Tür abzusperren, als wir um die Ecke kamen. Nachdem wir ihn lange genug zugelallt haben, dass er uns doch noch ein Bier raus lässt konnte er nicht länger hart bleiben und ließ uns nochmal rein. Er stellte die Stühle von einem Tisch runter, schmiss den Zapfhahn an und startete sogar die Stereo-Anlage extra für uns noch einmal. Auch dort werden wir uns ziemlich sicher wieder mal blicken lassen, nur um in den wenigen Erinnerungen, die von diesem Abend noch übrig sind, zu schwelgen

Betrunkenheit: "Oida, bevor ich euch zuhöre, geb ich mir freiwillig die Austria Top 40."

4. Bezirk – Kebap Grill

Vom "Schwarzen Adler" ging es dann zu Fuß weiter, was nicht gerade die beste Idee war, denn mittlerweile legten wir im Zickzack auf dem Gehsteig locker den dreifachen Weg zurück. Der nächste Halt war also dieser Kebab-Stand in TU-Nähe. Dort tauschten wir die inzwischen, sagen wir "leicht beschwipste", Nessi gegen eine andere Freundin von uns aus, der harte Kern blieb allerdings bestehen. Auch von diesem Standl ging's zu Fuß weiter und dank der modernen Technologie der heutigen Smartphones – unsere Orientierung war schon lange nicht mehr vorhanden – wussten wir auch immer, in welchem Bezirk wir uns gerade aufhielten.

Betrunkenheit: "Jaja, die vier Bier bitte mit allem, aber nicht scharf."

3. Bezirk – Zum scharfen Rene

Planlos torkelten wir weiter, bis wir beim scharfen Rene angekommen waren, den man bereits zum dritten Bezirk zählen kann, wenn man beide Augen zukneift oder ca. 2,5 Promille Alkohol im Blut hat. Der Würstelstand zum scharfen Rene findet sich übrigens auf der Liste der "Best of Würstelstände" des bekannten Falstaff-Magazins. Bei Rene kommen laut Falstaff besonders Chili-Aficionados auf ihre Kosten. Wir wollten allerdings unsere Mägen nicht noch mehr verderben und blieben deshalb bei der flüssigen Nahrung aus der Dose. Side fact: Nach einer langen und exzessiven Nacht im Sass war ich nochmal beim scharfen Rene und es stimmt – das Essen schmeckt und hat es in sich. Details spare ich mir an dieser Stelle lieber.

Betrunkenheit: Schaut einfach auf der Liste unten nach, wie Christof zu dem Zeitpunkt geschrieben hat.

1. Bezirk – Schnitzelstand vorm Grand Hotel

Es war endlich soweit, die letzten drei Etappen standen uns bevor. Endlich wussten wir alle, wie sich die Teilnehmer der Tour de France kurz vor ihrem Ziel fühlen mussten, oder so ähnlich. Sichtlich angeschlagen kauften wir unser drittletztes Bier der Tour und stolzierten in Richtung des achten Bezirks. Wir nahmen noch einmal unsere ganze Motivation zusammen und fühlten uns siegessicher, denn jetzt wo wir es schon bis hierher geschafft hatten, konnte der Rest ja nur noch ein Kinderspiel werden.

Betrunkenheit: So betrunken, dass sogar das grindigste Schnitzel zum Galadinner wird.

8. Bezirk – Weinraum

Ein kurzer Powernap muss sein.

Endspurt! Der Weinraum in der Josefstadt war der vorletzte Bezirk, den es zu begießen galt. Zu dieser Zeit schwanden unsere Euphorie und kognitiven Fähigkeiten zunehmend. Wir wollten es jetzt nur noch hinter uns bringen und fragten uns öfters, wie man eigentlich nur auf eine so deppate Idee kommen kann. Fast so, als hätte uns das vorher keiner gesagt. (Fun Fact: Wir vier waren die einzigen, die unsere Tour für eine gute Idee hielten). Da wir sehr spät – und ziemlich angesoffen– in den Weinraum kamen, durften wir nur auf ein Gläschen bleiben, da der Laden eigentlich schon geschlossen war. (Danke nochmal). Das war uns egal, wir wären dort eh nicht länger geblieben. Niemand will in ein edles Weinlokal speiben, deshalb sahen wir zu, dass wir auch schnell wieder an die frische Luft kamen. Gekotzt hat zum Glück keiner, was mich ehrlich gesagt im Nachhinein doch ein bisschen wundert.

Betrunkenheit: 22 Bier. In Worten: Zweiundzwanzig – noch Fragen?

16. Bezirk – Ottakringer Brauerei

We did it! Wir waren am Ziel angelangt. Das Opus Magnum der Organe fand endlich sein Ende. Wir mussten uns nur kurz mit dem Türsteher streiten, weil wir die 10 Euro für den Eintritt zur Veranstaltung, die zu der Zeit in der Brauerei stattfand, nicht zahlen konnten. Auch hier wurden wir nach kurzen Verhandlungen einsichtig behandelt und wir durften zu viert rein, obwohl wir nur einen Eintritt gezahlt hatten. Wir sprinteten also förmlich zur Bar, stießen kräftig an und hauten uns unser Siegesbier auf die Leber, die wahrscheinlich eh schon nicht mehr wusste wie ihr geschieht und Christof notierte noch schnell, dass wir in der "Otakrinka" [sic!] angekommen sind. Es war ca. 2:30 Uhr, als wir das letzte Bier getrunken hatten. Unseren Rausch wollten wir uns allerdings nicht nehmen lassen, deshalb sind wir auch bis um 6 in der Früh dort geblieben, der Pegel hätte aber locker noch bis zum folgenden Dienstag gereicht. Da Christof und ich zu der Zeit noch Mitbewohner waren, machten wir uns das damals auch zu Nutze und gingen am nächsten Tag auf das Konzert von Zugezogen Maskulin, um uns die vergangene Nacht nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, aber das ist eine andere Geschichte.

Betrunkenheit: "OTAKRINKAAA!", oder: "Wo bin ich und was habe ich die letzten acht Stunden lang gemacht?"

Fazit

Jedes Mal, wenn ich von dieser Beisltour erzähle werde ich gefragt, ob es das wirklich wert war. Meine Antwort ist immer die gleiche: Ja! Es ist zwar ziemlich anstrengend, sich gewaltsam 23 Seidl in den Magen zu drücken, aber das Ganze hat auch gute Seiten: Jeder von uns lernte Wien aus einem Blickwinkel kennen, der unter einer "gemäßigten" Alkoholisierung nicht existiert. Wir trafen lustige Leute, hatten eine Menge Spaß und verschleuderten unser halbes Monatsbudget an einem Tag. Es ist zwar ein Kraftakt für die Leber und es ist von Vorteil, wenn man den Kühlschrank und sich selbst auf einen dreitägigen Kater vorbereitet, aber trotz alledem war es sicher nicht das letzte Mal, dass wir versuchen werden die Stadt zu bezwingen. Das nächste Semester kommt bestimmt und wir sind alle schon gespannt, ob ein Jahr Studentenleben uns in der Disziplin Beisltour besser oder schlechter gemacht hat.

Sandro ist mittlerweile wieder nüchtern und twittert: @voriboy

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