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Christoph Waltz zeigt, wie man mit Querdenkern reden sollte

Der Hollywood-Star nennt Coronaleugner und Querdenker in einem Interview "asoziale Vollidioten". Das ist mutig.
18.2.21
Christoph Waltz in Smoking schaut ernst drein. In einem Interview hat er sich über Querdenker beschwert
Foto: IMAGO / MediaPunch

Es gibt ja die und die. Es gibt die, die Corona für nicht existent halten, fürchten, mit der Impfung Mikrochips implantiert zu bekommen, die Schuld dafür bei Juden suchen und gleichzeitig vor dem Faschismus der deutschen Demokratie warnen. Und dann gibt es die, die offen sagen, was letztere eigentlich für gefährliche Spinner sind.

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Christoph Waltz ist jetzt offiziell einer von denen, die das aussprechen. In einem Interview mit der GQ hat er klar gesagt, was er von Querdenkern hält. Das muss man anerkennen, denn für Promis seiner Popularität ist das gar nicht so einfach. Ein Querdenker ist ja stolz darauf. Er definiert sich über seine Parallelkultur. Wer ihn angreift, greift nicht nur sein Welt-, sondern auch sein Selbstbild an und macht sich so zu seinem Feind. Niemand mag es, wenn man sein Selbstbild in Frage stellt. Wenn Christoph Waltz in diesem Interview mit der GQ also Coronaleugner und Querdenker "asoziale Vollidioten" nennt, dann ist das mutig.


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Denn unter so etwas kann eine Karriere durchaus leiden. Auch unter Querdenkern sind Waltz-Fans. Wer Tarantino und James Bond mag, der kommt um Sympathien für den Österreicher gar nicht herum – und auch Querdenker mögen Bond und Tarantino. Diese Leute dürfte er also verprellt haben, als er seine wütenden Worte über sie verloren hat.

Wobei man womöglich nicht "verlieren" sagen sollte, denn seine Worte sind ja nicht weg. Im Gegenteil, sie wurden tausend Mal aufgegriffen, wiederholt und gefeiert. Außerdem wirkte es nicht so, als seien die Worte einfach so aus ihm rausgepurzelt, wie Gummibärchen aus der Tüte. 

Im Interview spürt man, wie wichtig es Waltz war, das mal gesagt zu haben: "aufgrund einer destruktiven Minderheit wird plötzlich das, was die Sache am Laufen hält, infrage gestellt", sagt er da. "Setzt doch die blöde Maske auf und bleibt zwei Meter entfernt von mir. Damit nimmt dir niemand Rechte weg. Niemand. Also, die Institutionen sind alle vorhanden und funktionieren im Prinzip, werden aber durch eine Gruppe von asozialen Vollidioten in die Enge getrieben."

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Und die Reaktion der Öffentlichkeit gibt ihm Recht. Es gibt einfach nicht so viele Prominente, zumal oscarprämierte Prominente, die bereit sind, diese wachsende Gruppe vor den Kopf zu stoßen. Der Mut von Waltz wird honoriert, ähnlich wie der Quatsch von Michael Wendler, über den man dieser Tage gar nicht wenig genug sprechen kann, weil er so irrelevant ist. Er hat es andersrum versucht: Er diente sich den Wahnsinnigen an und verlor damit das Wohlwollen der anderen. Bei ersteren ist er dafür populärer denn je. So kriegt jede Gruppe den Promi, den sie verdient.

Christoph Waltz ist offensichtlich sauer. Und das darf er auch sein. Mittlerweile ist belegt, dass Demonstrationen von Querdenkern die Infektionen in die Höhe getrieben haben. Wie auch sonst? Da hängen ein paar Tausend Idioten auf engstem Raum zusammen, die stolz darauf sind, sich nicht an Kontaktbeschränkungen und andere Vorsichtsmaßnahmen zu halten. Dabei singen und tanzen und atmen sie sich gegenseitig in die Hippie-Bärte und Rasta-Locken. Dann fahren sie in Zügen zurück nach Hause, in denen die anderen Fahrgäste vor Fremdscham am liebsten in ihren Masken versinken würden, die gleichzeitig der einzige Schutz vor den Aerosolen und Sektfahnen der querdenkenden Waldorf-Muttis sind. Wie sollen die Demos also nicht infektionstreibend sein?

Waltz' Wut ist mehr als fair. Und dass er sich dafür hergibt, diese Wut zu artikulieren, ist notwendig. Denn dadurch, dass diese Verrückten unwidersprochen und unaufgehalten marschieren dürfen, müssen alle anderen länger leiden. Es sind ja nicht die, deren kokette Renitenz ihr neuer Lebensinhalt zu sein scheint, die Tag für Tag Entbehrungen hinnehmen. Wir sind das. Alle anderen. Fick also diese Idioten, die uns den Lockdown länger machen.

Christoph Waltz geht dabei auch so weit, seine eigenen Peers vor den Kopf zu stoßen. "Über was für Befindlichkeiten Promis reden, wie schlimm die Krise für sie sei. Sie können gar nicht mehr ins Restaurant oder sich mit Freunden treffen. Ja, dann triffst dich halt nicht!", sagt er. Einfach mal nicht treffen. Denn auch wenn er von Promis spricht, sind damit genauso die gemeint, die Corona für nicht so schlimm halten und deshalb versuchen, ihren alten Alltag aufrechtzuerhalten. Sie packen die Todeszahlen der Grippe aus den letzten Jahren aus, vergleichen sie mit denen von Covid und deuten dann an, dass, na ja, man vielleicht nicht so streng sein müsse. Sie wollen doch nur ab und zu mal gemeinsam Fußball gucken, ab und zu mal zusammen in abgelegenen Waldstücken Partys oder in einsamen Wohnungen am Stadtrand Orgien feiern.

Das sind nun nicht die Idioten, nicht die Bösen. Aber destruktiv ist das auch. 

Trotzdem geht es Waltz vor allem um die Querdenker. "Diese Leute, die sich Querdenker nennen, denken entlang des Brettes, das sie vorm Kopf haben", sagt er. 

Vielleicht wird es einfach Zeit, dass alle, die keine Lust mehr auf Shutdowns und volle Krankenhäuser haben, genauso klar artikulieren, was sie von Querdenkern halten. Einfach nur, um diejenigen unter Zugzwang zu setzen, die derartige Aktionen verhindern könnten. Warum können nicht alle ein bisschen mehr sein wie Christoph Waltz?

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