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Ein ehemaliger Bundeswehr-Soldat designt Waffen für bekannte Videospiele

Entwickler lieben die virtuellen Raketenwerfer und Maschinengewehre des Ex-Soldaten, weil sie so realistisch sind. Waffenhersteller sehen Games als Chance, um für ihre Knarren zu werben.

von Patrick Klepek
09 April 2018, 9:40am

Dieses Gewehr hat Rmory für 'Star Citizen' designt | Bild mit freundlicher Genehmigung von Rmory

Kaum ein Videospiel-Hit kommt ohne Waffen aus. Bei den meisten handelt es sich um Schusswaffen. Um sie zu gestalten, bitten viele Spieleentwickler einen Experten um Hilfe: Der ehemalige Bundeswehrsoldat Kris Thaler hat 2008 das Unternehmen Rmory gegründet, das sich ganz auf das Design von Videospiel-Waffen spezialisiert hat.

"Ob ihr es glaubt oder nicht, ich hatte gar nicht vor, mich mit der Firma auf Waffen zu spezialisieren", schrieb Thaler uns in einer E-Mail. Vor einigen Jahren lud Thaler einige seiner Designs mit der Bitte um Feedback auf ein Message Board hoch. Einige dieser Bilder zeigten Waffen. Wenig später wurde Thaler von einem Entwickler kontaktiert, der ihn bat, ein paar Ideen für sein Spiel auszuarbeiten. Von da an konzentrierte sich der Ex-Soldat ganz auf virtuelle Schusswaffen.

Inzwischen hat Rmory schon bei einer Vielzahl von Games mitgearbeitet, von kleinen Independent-Spielen wie Xenonauts bis hin zu Star Citizen, dem größten Spiel, das je über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert wurde.

Ein weiteres Design des ehemaligen Soldaten | Bild mit freundlicher Genehmigung von Rmory

Obwohl Rmory auch andere Ausrüstung wie Panzer anbietet, wollen die meisten Kunden nur eins: Schusswaffen. "Manchmal kommt ein Kunde zu uns und sagt: 'Hey, wir brauchen einen Raketenwerfer'", sagt Thaler. "Wir arbeiten dann an den Details wie Ladekapazitäten, Animationen, alternative Schusstechniken und so weiter. Dann geben wir dem Kunden das nötige visuelle Material, damit die Waffe in das Spiel integriert werden kann."

Für seine Designs greift Thaler auf Erfahrungen bei der Bundeswehr zurück. Hier lernte er verschiedene Waffen kennen, von Pistolen bis zu Raketenwerfern. "Ich denke, dass die Glaubwürdigkeit mit dieser Erfahrung steht und fällt", sagte er. "Du kannst zwar viel über Waffen lesen, aber wenn du tatsächlich mit ihnen gearbeitet hast, bekommst du eine ganz andere Perspektive. Fast jeder kann eine Waffe entwickeln, die cool aussieht. Aber wenn diese Waffe sich im Spiel nicht glaubwürdig anfühlt, macht es das Spielerlebnis kaputt."

Thaler steht den Entwicklern nicht nur beim Design zur Seite, sondern berät sie bei Bedarf auch in taktischen Fragen, zum Beispiel welche Waffen in welchem Szenario am besten eingesetzt werden sollten.


Ebenfalls auf Motherboard: Waffen aus dem Onlineshop


Wie realistisch sollten Waffen in Games überhaupt sein?

Dieser Artikel entstand wenige Wochen nach dem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida. Seither ist in den USA eine große Debatte um eine Verschärfung der Schusswaffengesetze losgebrochen. Wir haben Thaler gefragt, ob ihn Vorkommnisse wie dieses in seiner Arbeit beeinflussen.

"Natürlich", sagte er. "Jede Tragödie, vor allem wenn Kinder involviert sind, lässt dich innehalten. In Gedanken bist du dann bei den Opfern und Hinterbliebenen." Allerdings ist Thaler der Meinung, dass weder Waffen noch Videospiele das Problem seien. "Verrückte Leute sind das Problem", sagte er. "Und leider wird es immer irgendwelche Verrückten geben."

Dieses Argument lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht wohl nicht bestätigen. Auch wenn die psychische Gesundheit eine wichtige Rolle bei der aktuellen Waffendebatte spielt, weisen neue Studienergebnisse darauf hin, dass die Verbindung zwischen psychischen Erkrankungen und Waffengewalt weniger stark ist als gemeinhin angenommen. Laut der New York Times ergab kürzlich eine Untersuchung von 235 Schießereien, dass nur 22 Prozent der Angreifer als psychisch krank eingestuft worden wären.

Rmory stellt zwar keine echten Schusswaffen her, trotzdem kann man die Beziehung von Games, Waffen und Waffenherstellern nicht völlig unbeachtet lassen. Zwar sind sich inzwischen viele Psychologen einig, dass Videospiele nicht der Grund für Gewalt sind – trotzdem verbringen viele Gamer sehr viel Zeit damit, über Schlachtfelder zu rennen und um sich herum zu schießen.

Dank Firmen wie Rmory sehen diese virtuellen Waffen überraschend authentisch aus – und das hat einen Nebeneffekt, der nicht jedem Gamer gefallen dürfte: Der Journalist Simon Parkin beschrieb 2013 in einer Recherche, wie Waffenhersteller beliebte Games ausnutzen, um Spieler auf ihre Produkte aufmerksam zu machen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch bei Waypoint . Er ist Teil einer Reihe über die Beziehung von Waffen und Videospielen .

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