Popkultur

Wie du Camgirls behandeln solltest, erklärt von Camgirls

Ist der Chat wirklich kostenlos? Kann man einfach nach bestimmten Fetischen fragen? Welche Preise sind angemessen? Der Knigge für den Umgang mit Camgirls.

von Allison Tierney
07 Juni 2017, 11:08am

Foto: Shutterstock | bearbeitet von Noel Ransome

Webcams haben die Erotikindustrie für immer verändert. Cam-Models – also im Grunde DIY-Porno-Stars, die von zu Hause aus arbeiten – können selbst bestimmen, was sie wann wie machen. Den Zuschauern ermöglicht das Ganze einen persönlichen Touch, den es so in anderen Porno-Formaten nicht gibt: Sie können in Echtzeit mit den Menschen interagieren, zu denen sie masturbieren. Leider sind die korrekten Verhaltensweisen in diesen Chatrooms nicht für jeden User sofort ersichtlich.

Sind die "kostenlosen" Chats tatsächlich kostenlos? Kann man jedes Camgirl einfach so nach bestimmten Fetischen fragen? Und was ist ein angemessener Preis fürs Ausziehen? Wir haben bei einigen Camgirls nachgefragt, wie man sich bei ein- und auch bei ausgeschalteter Kamera am besten verhält.

Foto: xoMinnie.com

Die Preise haben ihren Grund

"Hör auf, dich über die Preise zu beschweren. Du findest, 500 Token für einen Augenblick nackte Haut zu viel? 3.000 Token sollen für eine Masturbationsshow inklusive Massageöl zu teuer sein? Wie viel würdest du denn verlangen, um dich ohne verpixeltes Gesicht vor Tausenden Zuschauern nackt im Internet zu präsentieren? Sind 25 Dollar für einen Blick auf deinen Schwanz in Ordnung? Und hast du nicht Bock, dich vornüber zu beugen und dein Arschloch zu spreizen? Ach ja: Vergiss nicht, für die User zu lächeln, die deine Show illegalerweise aufnehmen und dann bei irgendwelchen Porno-Seiten hochladen!" – Minnie Scarlet , arbeitete vier Jahre lang als Camgirl, ist derzeit aber nicht aktiv

Foto: bereitgestellt von o0Pepper0o

Kostenlos ist nicht gleich kostenlos

"Weil viele Seiten ihren Service wegen des kostenlosen Chats als 'kostenlos' vermarkten, gehen eine Menge neuer User davon aus, für die Camgirls nichts bezahlen zu müssen. Das ist falsch. 'Kostenloser Chat' bedeutet einfach nur, dass man ohne zu bezahlen im Chatraum abhängen kann. Alle Wünsche kosten aber. OK, irgendein User zahlt immer. Dementsprechend kann man an sich schon eine 'kostenlose' Sexshow anschauen.


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Es kommt übrigens nur ganz selten vor, dass ein Camgirl von Anfang an nackt ist und von sich aus masturbiert. Viele Neulinge sind dann sauer, wenn die Models nur gegen Bezahlung arbeiten. Die 'Aber die Seite ist doch kostenlos!'-Beschwerden werden wohl nie abreißen. Sie sind aber auch ein guter Grund, den jeweiligen User auf stumm zu schalten oder komplett zu bannen." – o0Pepper0o , arbeitet seit viereinhalb Jahren als Camgirl

Foto: bereitgestellt von Dahlia Dee

Der Kunde ist nicht immer König

"Spam die Camgirls nicht in den sozialen Medien voll. Es gibt Leute, die mich immer und immer wieder anschreiben: "Hey", "Hey", "Hey", "Warum antwortest du nicht?" und so weiter. Wir müssen uns auch um andere Kunden kümmern. Einige von uns haben Hunderttausende Twitter-Follower, da kann man nicht sofort alle Anfragen beantworten.

Viele User wollen außerdem einen bestimmten Fetisch befriedigen. Dafür starten sie einen Privatchat und verlangen dort Dinge, ohne an die nötige Vorbereitung zu denken. Nehmen wir als Beispiel ein Camgirl, das keine Anal-Sachen macht. Ein User lädt sie in einen Privatchat ein, sie fragt ihn, auf was er Lust hat. Er fordert sie auf, sich etwas in den Arsch zu stecken. Diese Anfrage muss sie dann mit einer Entschuldigung ablehnen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Typ schon fünf bis zehn Dollar ausgegeben, ihr ist die Sache unangenehm und am Ende schreibt er ihr wahrscheinlich noch eine schlechte Bewertung." – Dahlia Dee , arbeitet seit fünf Jahren als Camgirl

Foto: bereitgestellt von Vawnie Voulphie

Im Internet ist es anders als im echten Leben

"Wenn du mich im echten Leben triffst, dann gib dich ruhig zu erkennen! So viele User haben mir erst irgendwann später geschrieben, dass wir uns schon richtig unterhalten haben. Ich finde es OK, mit meinem Usernamen angesprochen zu werden, aber es kommt dabei trotzdem auf die äußeren Umstände an. Nicht jedes Camgirl will, dass Freunde oder Verwandte über ihre Online-Persönlichkeit Bescheid wissen. Persönliche Grenzen müssen respektiert werden! Wenn ich fast ganz nackt auf Conventions unterwegs bin und dort auf User treffe, dann werde ich total nervös. Ich weiß ja nicht, was mich dann erwartet. Vielleicht lassen sie sich aufgrund der Atmosphäre total gehen oder glauben, dass ich es wegen meiner Tätigkeit in Ordnung finde, wenn sie mich anfassen oder sich an mir reiben. Jedes Model ist anders. Deswegen darf man von nichts einfach so ausgehen. Merke dir einfach folgende Sache: Wenn die Webcam aus ist, gelten andere Regeln! Dann sind wir ganz normale Menschen." – Vawnie Voulphie, arbeitet seit einem Jahr als Camgirl

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