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Der ultimative Noisey Guide to: Weihnachtsfeier 2017

14 extrem brauchbare Tipps, wie ihr auf eurer Weihnachtsfeier die beste Figur zum bösen Spiel macht.

von Fredi Ferkova und Nina Damsch
29 November 2017, 12:06pm

Foto: Imago | Cinema Publisher Collection

Ho, Ho, Ho, ihr lieben Santas, Jesuskinder oder bärtige Jahresend-Vorboten, je nachdem was Weihnachten für euch bedeutet. Die Zeit der in Glühwein getränkten Fehler und der punschlastigen Schamanfälle ist gekommen: Die Weihnachtsfeier-Zeit. Eine Weihnachtsfeier beinhaltet einen Raum gefüllt mit Menschen, die du regelmäßig in einem professionellen oder bildungsrelevanten Kontext siehst und eine Menge Frust oder Vorfreude, sexuell-aufgeladene Stimmungen, Alkohol, Wham und Mariah Carey. Zu sagen, dass wir DAS Rezept hätten, um dir alle negativen Impulse des menschlichen Gefühlsspektrums zu ersparen, wäre gelogen. Aber wir haben Tipps, die uns irgendwann schon mal geholfen haben.


1. Vortrinken hilft dir zwar psychisch, empfiehlt sich aber nicht

Ja, wir wissen, es wäre so schön einfach: Ein kleines Bier oder ein Shot Erdbeerwodka zum Einstimmen und locker werden. Vielleicht, weil du der Neue und nervös vor dem ersten Besäufnis mit noch fremden Menschen bist. Vielleicht, weil du dich schon das ganze Jahr übermäßig auf gratis Essen und Trinken mit den Kollegen freust. Egal, was dich emotional aufreibt: Die Kombination aus offener Bar gepaart und verschiedenen, tiefen Emotionen begünstigt ein potenzielles Fiasko.

Es hat schon wirklich gute sozio-kulturelle Gründe, warum sich Menschen nicht regelmäßig mit Kollegen oder der Familie betrinken, sondern mit ihren Freunden. Unsere Uni-, Arbeits-, oder Schulkollegen kennen in der Regel die weichgezeichnete Version von uns, das schützt uns vor einem aufreibenden, emotionalen und beleidigenden Arbeits- und Bildungsleben. Es stärkt den Zusammenhalt der Gruppe, wenn sich jeder zusammenreißt und nicht der Mensch ist, der er bei Freunden und Familie ist. Vortrinken nimmt dir alle wichtigen Startbedingungen – zum Beispiel Nüchternheit – damit dieser Abend nicht ein hart gezeichnetes Bild von dir in den Köpfen aller Anwesenden hinterlässt.

2. Wenn du es schaffst, trinke vielleicht einfach gar nichts

Der einzige Nüchterne auf einem dünneisigen Fest der Alkoholika zu sein, hat auf den ersten Blick nicht viele Vorteile. Aber dafür zwei entscheidende: Wenn du nicht besoffen bist, kannst du Small Talk führen, ohne die ständige Sorge zu haben, unterdrückte Emotionen rauszulassen. Und du kannst ganz genau zuhören – und Informationen, die aus den lallenden Mündern rollen, die nächsten Jahre für dein Vorankommen im Leben nutzen. Auch wenn es nur um die Frage geht, wer den letzten Donut bekommt. Erpressung ist nicht edel, du musst im Zweifel ja auch gar nichts direkt aussprechen. Genauso wenig, wie du selbst auf der Weihnachtsfeier betrunken deinen Kollegen von deinem letzten Ärger mit jemanden anderen erzählen musst.


Hier noch schnell das optimale Essen zur Weihnachtsfeier 2017: Munchies präsentiert "Mac'n'Cheese mit Matty Matheson":


3. Twerken ist out, erst recht auf einem Tisch

Auf einer Weihnachtsfeier zu Beyoncé zu tanzen, kann mitunter das beste Gefühl auf der Welt sein. Wenn man mit anderen zusammen tanzt, dann fühlt es sich auch am nächsten Tag noch gut an. Denn: Wenn man zusammen mit den Kollegen auf der Tanzfläche zappelt, steht nicht ein Einzelner im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dancefloors zu eröffnen ist sehr mutig und verdient Respekt, solltest du den ersten Schritt machen, achte auf kollaborative Eröffnungseinlagen.

Twerken ist leider oft eine sehr einsame Sache und auch wenn du endlich sämtliche Moves des YouTube-Tutorials echt gut kannst und der Tisch da vorne perfekt für den Twerk wäre – behalte deinen Balztanz für dich. Oder schnapp dir zumindest den Nächsten und zwinge ihn, mit dir zu twerken. Das entlastet dein Ansehen ungemein. Du weißt schon, nur für den Fall, dass das doch nicht so gut aussieht wie zuhause.

4. So und nicht anders unterhältst du dich auf Weihnachtsfeiern mit Menschen, die hierarchisch über dir stehen:

“Hey, du hast das echt cool organisiert. OK, danke. Tschüss!“

Nur um das nochmal ganz deutlich zu machen: Beschwere dich nicht. Schleime nicht. Versuch es nicht mit unangemessenem Small Talk.

5. So baggerst du deine Kollegen an, auf die du schon lange stehst:

Gar nicht. Baggere nicht betrunken deine Kollegen an, bringe sie damit nicht in eine komische Lage – egal, wie sehr du selbst die Chemie spürst. Die Chemie, die du spürst, nennt sich Ethanol und sie hat mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit nichts mit beidseitigem Begehren zu tun. (Wenn nötig) Masturbiere vor der Weihnachtsfeier (laut einem Bericht der Zeit ist das 2017 auch Frauen möglich, danke!), weine nach dem Orgasmus ein bisschen, bis du eine allumfassende Leere spürst. Dann geh erhobenen Hauptes auf diese Feier.

6. Versuche, deinen Frust (falls vorhanden) vorher kreativ rauszulassen

Damit du gar nicht erst in eine ganz blöde Situation geraten kannst – die beispielsweise mit Lästern, Schmusen oder Tränen zu tun hat –, versuche in das Innere deiner Seele einzutauchen und herauszufinden, wen du am allermeisten hasst und wen du am allermeisten liebst. Dann nimm diese Gefühle und meditiere. Oder schreibe ein Trap-Lied darüber. Oder ein Haiku. Wer weiß, vielleicht macht dich irgendetwas davon unerwartet reich und/oder berühmt und du musst nie wieder auf Weihnachtsfeiern.

7. Lösche alle Apps mit Story- und Live-Funktion

Ja, viele bleiben dann nicht mehr. Aber Pinterest ist eine unterschätzte App und dein Karma wird je verlorener App reiner und leuchtender. Die Chance, dass du in irgendwelchen Instagram- oder Snapchat-Storys landest, während du – entgegen unserer Tipps – einem Menschen, der hierarchisch über dir steht, etwas ins Ohr lallst, ist erstaunlich groß. Aber wie sagten schon unsere Eltern: Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu. Und du weißt, wie sich Alkoholkonsum und die Liebe zur Kamerafunktion zueinander verhalten ...

8. Schreibe eine Entschuldigungs-Nachricht vor

Während einer Kater- oder sonstigen Art von Afterparty-Depression Entschuldigungs-Nachrichten zu schreiben, ist für deine Psyche und alle Empfänger fast desaströser als einfach nur betrunken peinlich gewesen zu sein. Bevor du aus deiner Melodramatik heraus eine devote Massen-SMS an alle möglicherweise betroffenen Kollegen schickst (die eventuell nichts mehr von der vorangegangenen Nacht wissen), schreibe eine simple und ehrliche Entschuldigung vor, die nicht auf die noch nicht geschehenen Geschehnisse eingeht. So etwas wie: “Haha, war gestern doch bisschen zu viel. Sorry und bis Montag!“

Und bedenke: Auf jeder Weihnachtsfeier ziehen sich Leute aus, schreien herum, schimpfen oder haben verwerflichen Sex. Kein Stress, wenn du dieses Mal das Thema für das nächste Monat bist. Alles wird gut.

9. So hast du One-Night-Stands mit deinen Kollegen:

Gar nicht, verdammt. Es ist kein One-Night-Stand, wenn man sich nachher öfter sehen muss. Sich öfter zu sehen nach einmaligem, besoffen Sex, ist vor allem eins: unangenehm.

Und ja, Sex muss nichts mit Liebe zu tun haben, erinnere dich bitte trotzdem an Punkt 5 unseres Guides.

10. Weiche allen Gesprächen über Politik und Sex aus

Sollte irgendjemand damit anfangen, dann bewege dich in slow motion weg von ihm und suche dir eine Gruppe, die nicht auf alle Regeln des höflichen Small Talks scheißt. Du willst nicht die echte politische Meinung deiner Kollegen oder Schulkameraden zu Themen wie Einwanderungspolitik, Trump und Feminismus wissen, glaub uns. Das gilt auch für den Fall, dass du auf der Weihnachtsfeier einer Partei bist.

Warum dein (schlechtestenfalls nicht existentes) Sexleben für diesen Personenkreis uninteressant sein sollte? Weil es in Berichten auf Partys – egal wie es tatsächlich ist – immer extrem erbärmlich wirkt. Du weißt das, wir wissen das und deine Kollegen wissen es auch.

11. Sei kein Ego-Arsch, vor allem was die Musik angeht!

Wie bei allen Parties wird auch bei der alljährlichen Weihnachtsfeier jedem Musikliebhaber ab einem gewissen Zeitpunkt schlagartig der Gedanke in den Kopf schießen: Das kann ich besser als der DJ/die Band/die vorgefertige Spotify-Liste des Klassensprechers! Und vielleicht mögt ihr in der Annahme, die Speerspitze des guten Musikgeschmacks zu sein, sogar richtig liegen. Dennoch: Überlegt euch, bevor ihr das Aux-Kabel, das Mikrofon oder den Hemdkragen des DJs an euch reißt, trotzdem nochmal: Möchte wirklich jeder den "Arschfick-Song" hören? Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Kollegen mit euren undergroundigen Techno-Kenntnissen zu beeindrucken? Ist die Internetverbindung eures Smartphones stark genug, um die eigene Spotify-Playlist ohne unangenehme Buffer-Pausen zu streamen (und ist das überhaupt nötig)?

Selbiges gilt übrigens auch umgekehrt für die Profis, die offiziell mit der Aufgabe beauftragt wurden, für die musikalische Untermalung der Party zu sorgen. Mögen die Leute überhaupt, was ihr spielt? Herrscht auf dem Dancefloor gähnende Leere – und könnte das mit eurer Musikauswahl zu tun haben? Wie immer im Leben gilt eben auch in der Musik: Nehmt Rücksicht auf eure Mitmenschen und stellt auch mal das eigene Ego hinten an. Es ist schließlich Weihnachten!

12. Es heißt Wichteln – nicht Trollen!

Wir verstehen bis heute den Sinn von Wichteln nicht. Vor allem dessen lol-ige Version "Schrott-Wichteln" erscheint uns als die schlimmste Form des unnützen Geldausgebens. Keine kritische, sondern eine zusätzliche, völlig unnütze Manifestierung vom Weihnachtsfest als rein kapitalistischer Zweck-Veranstaltung. Aber anscheinend ist der Geschenkaustausch per Losverfahren inzwischen genauso Teil einer jeden Weihnachtsfeier, wie Freigetränke und unpassende Kleidung (hierzu mehr bei Punkt 13).

Als Teil des Teams seid ihr verpflichtet mitzumachen, also gebt auch gefälligst Mühe! Dass ihr den Namen des Kollegen zum ersten Mal auf eurem Wichtel-Zettel gesehen habt, ist keine Ausrede, Müll zu verschenken! (Außer beim Schrott-Wichteln, natürlich.) Macht euch Gedanken, erkundigt euch über seine/ihre Hobbies, Interessen oder Lieblingsspeisen. Wenn ihr das nicht hinkriegen solltet, vermeidet zumindest Sexshop-Artefakte, Drogen oder Schlüsselanhänger. Niemand mag Schlüsselanhänger.

13. Beachtet die unausgesprochenen Dresscode-Regeln

Viele bis alle Weihnachtsfeiern haben ein total originelles und witziges Motto, was es schon wieder nicht ganz so originell macht, aber das ist ein anderes Kapitel. Jedenfalls gibt es bei allen Dresscode- und Nicht-Dresscode-Partys zusätzlich den wichtigsten Dresscode überhaupt: den unausgesprochenen. Neben den Regeln, die irgendwie auf der Hand liegen, wie zum Beispiel, dass deine (Fetisch-)Unterwäsche kein Outfit ist, gibt es noch ein paar andere: Deine Shirts mit Marihuana-Blättern sind vielleicht nostalgisch, aber fehl am Platz. Alle Shirts, die auf deinen wahren Charakter schließen lassen, wie zum Beispiel Logos von Bands, Firmen und Parteien, sind ebenfalls fehl am Platz. Übrigens: Kleidung, die als Unterwäsche durchgehen würde, ist für Außenstehende Unterwäsche. Crossdressen als dein liebster Anime-Charakter auf das Motto “come as you wish” ist wahrscheinlich eine schlechte Idee, es sei denn du arbeitest in einem Anime-Studio oder gehst in eine Manga-Zeichenschule.

Foto: Imago | Cinema Publisher Collection

14. Für alle, die sich an unsere Punkte gehalten und eine glückliche Weihnachtsfeier ohne dramatische Zwischenfälle erlebt haben:
Glückwunsch! Auf ein Jahr Vorfreude bis zur nächsten Weihnachtsfeier.

Für alle anderen gibt es den Punkt 14.1.

14.1 Für alle anderen: Suhle dich in Selbstmitleid. Und fühle dich für ein Jahr erlöst:

Solltest du am Tag danach mit Schamgefühlen und Kopfweh erwachen, entspanne dich. Probiere auf Spotify Schlagworte wie: Pein, Scham oder Trauer. Weine ein bisschen. Und masturbiere. Alternativ kannst du dir Bibis Beauty Palace in Dauerschleife anschauen, damit du verstehst, dass jede Art von Bildung und Arbeit mit Scham belastet ist und du da eigentlich noch ganz gut aussteigst. Wenn es ganz schlimm ist: Rufe deine Eltern an und mache ihnen Vorwürfe. Eltern die Schuld für eigene Lebensentscheidungen zu geben, funktioniert seit Anbeginn der Psychologie und immerhin haben sie dich mit ihrer Erziehung in eine gewisse Richtung gedrängt. Falls du nicht enterbt werden willst: Es war nur eine Weihnachtsfeier. Du bist jetzt für ein Jahr frei.

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