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Horrortrips

Leute erzählen uns ihre schlimmsten Fernbus-Erlebnisse

"Nach zweieinhalb Stunden Wartezeit beschlossen wir, einen Bus zu besetzen."

von VICE Staff
12 Oktober 2017, 4:00am

Foto: imago | biky

Wer in einen Bus steigt, muss sich dessen ungeschriebenen Gesetzen beugen. Erstens: Die coolen Kids sitzen hinten. Zweitens: Jegliche Nahrungsmittel und Aktionen, die deine Mitreisenden auch nur kurzzeitig einem penetranten Geruch aussetzen, sind verboten. Drittens: Sprich niemals – NIEMALS – jemanden an, wenn er oder sie gerade Kopfhörer auf hat. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass diese Regeln auch dann beachtet werden müssen, wenn ihr über mehrere Stunden in einem Fernbus gefangen seid. Verstoßt ihr gegen die Regeln des Fernbusses, erwarten euch schreckliche Strafen: Vom verächtlichen Blick der Mitreisenden über den Rauswurf vom grimmigen Busfahrer bis hin zum Walk of Shame durch die deutsche Presselandschaft (wie der Typ, der sein Kokain im Gepäckraum bunkerte) bleibt euch – mitunter zu Recht – nichts erspart.

Damit ihr in Zukunft einmal mehr nachdenkt, bevor ihr euer Zwiebelmett-Sandwich und eure Käsefüße auspackt, haben wir Leute nach ihren schrecklichsten Fernbus-Erfahrungen gefragt:

Franziska, 24: "Ich habe mit anderen Passagieren einen Fernbus besetzt."

Foto: privat

"Am Freitag nach dem Sturm Xavier wollte ich gegen 18 Uhr mit dem Bus von Hamburg nach Berlin fahren. Davor war ich wegen des Unwetters fast zwei Tage lang unterwegs, um mit der Bahn aus Amsterdam wegzukommen. Unser Bus kam eine Viertelstunde zu spät in Hamburg an und musste dann 45 Minuten Pause machen. Weil alle nach Berlin wollten und die Züge nicht mehr gefahren sind, war am Busbahnhof ein Riesenchaos. Als Ich mich umblickte und etwa 100 andere Passagiere sah, die ebenfalls in meinen Bus wollten – kein Doppeldeckerbus –, fing ich an, mir Sorgen zu machen. Als wir dann einchecken wollten, wurde uns gesagt, dass ein zweiter Bus den Rest abholen würde. Allerdings kam dieser ominöse Bus nie an. Nachdem ich zweieinhalb Stunden gewartet hatte und in der Zeit fünf andere Busse nach Berlin abfuhren (für die ich allerdings kein Ticket hatte), kam um 20:30 Uhr endlich ein Bus, auf dessen Anzeige 'Bus B nach Berlin' stand. Als wir eingestiegen waren, hieß es dann, die Anzeige sei falsch eingestellt worden – und der Bus, der mich endlich an mein Ziel bringen sollte, war eigentlich der 20-Uhr-Bus.


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Weil unsere Stimmung so schlecht war und weder die Zentrale noch die Geschäftsführung auf Anrufe reagierten, beschlossen ein paar andere und ich, dass wir den Bus besetzen würden. Als dem Fahrer auffiel, dass sie die falschen Passagiere an Bord hatten, kippte die Stimmung: Wir diskutieren, schrien uns gegenseitig an, und die Mitarbeiter drohten uns mit der Polizei und versuchten sogar, zwei Mädchen aus dem Bus zu ziehen. Wir blieben sitzen. Als das Personal der Fernbus-Kette merkte, dass es nicht handgreiflich werden darf und gegen uns nichts machen kann, füllte es den Bus mit den Reisenden auf, die Tickets für 20 Uhr gekauft hatten. Die Besetzung war erfolgreich, wir fuhren los. Gegen 1 Uhr kam ich schließlich in Berlin an – sieben Stunden, nachdem ich eigentlich in den Bus hätte steigen sollen."

Helen, 21: "Ich verfluchte meine Vulva dafür, dass ich mit ihr nicht in eine Flasche pinkeln konnte."

Foto: privat

"Vor zwei Wochen bin ich mit dem Bus vier Stunden lang von Berlin nach Prag gefahren. Schon vor der Fahrt litt ich unter meiner stark gefüllten Blase. Als der Busfahrer ankündigte, die Toilettentür auf der Autobahn aufzuschließen, war ich froh, endlich pinkeln zu können. Ich wand mich aus dem oberen Deck die Treppe zur Toilettenkabine hinab und bemerkte, dass die Tür noch immer abgesperrt war. Während ich erfolglos an der Tür rüttelte, kam ein schwitzender Mann mit dem Busunternehmensmitarbeiter im Schlepptau auf mich zu. Vollkommen perplex sah ich, wie der Angestellte die Tür öffnete und der Mann sich schnell in die kleine Kabine quetschte. Laut seufzend begann er zu kacken – und ich stand noch immer mit voller Blase vor der geschlossenen Tür. Ich wurde wütend: Hätte er mich nicht wenigstens kurz pinkeln lassen können?

Ich ging zurück an meinen Platz, von wo aus ich ihn immerhin nicht mehr kacken hören konnte. Als der Typ nach einer halben Stunde endlich aus dem Kabinenklo rauskam, hatte er so einen fetten Haufen zusammengeschissen, dass der Bus die restliche Fahrt über stank. Der Busfahrer machte sogar die Lüftung an, aber es half nichts. Alle paar Minuten zogen sich Gestankwellen durch beide Ebenen des Busses. Eingehüllt in den Fäkaliengeruch des Fernbus-Scheißers verfluchte ich meine Vulva dafür, dass sie es mir durch ihre Form so schwer machte, in eine Flasche zu pinkeln. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich bin dann erst in Prag auf Toilette gegangen. In die Kabine hätte mich nichts mehr reingekriegt."

Bene, 26: "Er packte ein Glas mit einer glibberigen Fleischpastete aus und dippte stundenlang sein Brot darein."

Foto: privat

"Im Dezember 2016 fuhr ich mit dem Nachtbus von Ingolstadt nach Berlin. Ich hatte mich bewusst für den Bus am Samstagabend entschieden, damit ich auf der siebenstündigen Fahrt in Ruhe schlummern konnte und keinen wertvollen Wochenendtag vergeudete. Als ich in den Doppeldecker einstieg, war ich frohen Mutes. Ich konnte mich auf einem einzelnen Platz ohne Sitznachbarn breit machen, der ganze Bus war kuschelig warm und dunkel und die meisten meiner Mitfahrer schliefen schon. Dieses Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, hielt aber nur 30 Minuten.

Ich war gerade über meinem Hörspiel eingenickt, als mir ein Kopfhörer aus dem Ohr fiel. Ich weiß nicht mehr, was mich aufgeweckt hat, aber es kann so ziemlich alles gewesen sein: Kleinkinder, die sich hinter mir stritten und gegen meinen Sitz traten. Der Typ, der sich erst Stunden später als der Vater erkennbar machte, saß auf der anderen Seite des Ganges und machte mit seinem Schub-Schnarchen den Eindruck, dass er gleich ersticken würde.

Immer mehr Fahrgäste wurden wegen der Kinder wach. Ein älterer Mann reagierte auf die störenden Schreie mit noch lauteren Schreien. 'Wer hat da seine Kinder nicht im Griff?', rief er immer wieder. Er weckte den Vater, die Herren diskutierten über Erziehung und nach 'nur' einer halben Stunde hatten sich alle wieder eingekriegt – da war aber schon der gesamte Bus wach. Zu allem Übel hatte sich ein Kerl auf der Flucht vor den streitenden Typen neben mich gesetzt und meinen Schlafplatz halbiert. Dann packte er ein Glas mit einer glibberigen Fleischpastete aus und dippte immer wieder die Ecke eines ganzen Laib Brotes rein. Der Gestank – irgendwo zwischen Frikadelle und Käsefuß – war nicht mehr aus der Luft zu kriegen. Die Kinder stritten gegen 4 Uhr wieder, der Typ dippte um 6 immer noch seelenruhig Brot in seine Paste und vor mir in der Reihe blinkte mir immer wieder der helle Bildschirm eines Tablets ins Gesicht. Durch den Spalt zwischen den Sitzen erhaschte ich einen Blick auf die schwitzige Halbglatze des Passagiers und den Softporno, den er guckte. Ob es irgendein Klischee gibt, das diese Busfahrt nicht erfüllte? Ich hatte das Gefühl, dass ich alles gesehen hatte. Seit diesem Erlebnis fahre ich wieder Bahn, buche eine Mitfahrgelegenheit oder fliege."

Julian, 21: "'Dit hab ick in 30 Jahren nicht erlebt!', sagte der Busfahrer durchs Mikro."

Foto: imago | Schöning | bearbeitet

"Ich war vor zwei Jahren mit drei weiteren Freunden im Fernbus von Amsterdam nach Berlin. Wir hatten eine elfstündige Fahrt vor uns und waren ziemlich glücklich, als wir gemerkt haben, dass außer uns nur noch etwa sieben andere Leute mitgefahren sind. Der Bus war quasi leer. Nach etwa sechs Stunden musste ich aufs Klo und habe etwas in der Schüssel hinterlassen, das von der Bordtoilette definitiv nicht abtransportierbar war. Egal, wie oft ich gespült habe, das Wasser konnte meine Exkremente nicht wegschwemmen. Nach fünf Minuten habe ich aufgegeben und bin zurück zu meinen Freunden nach hinten. Mir war das sehr unangenehm, aber ich dachte zu dem Zeitpunkt, das würde sich von alleine regeln.

Einer meiner Kumpels ging dann wenige Minuten später auch aufs Klo, kam mit weit geöffneten Augen zurück und sagte: 'Das kannst nur du gewesen sein!' So erfuhren schließlich meine Freunde von meinem hartnäckigen Haufen.

Als wir an der Raststätte anhielten und der Busfahrer die Toilette ebenfalls nutzen wollte, bekam auch er die Katastrophe zu Gesicht. Der arme Kerl musste meine Scheiße in seiner Pause mit Handschuhen aus der Schüssel heben – und er fand das natürlich nicht so lustig wie meine Freunde. Auf der Raststätte war ich übrigens nochmal kacken, mein Darm war nach dem Amsterdam-Aufenthalt offenbar sehr angeregt. Danach ging die Fahrt relativ ereignislos weiter – bis der Fahrer 200 Kilometer vor Berlin eine Durchsage machte: 'Hier sind zehn Leute im Bus, und ihr habt es geschafft, den 1.000-Liter-Wassertank leerzumachen. Dit hab ick in 30 Jahren nicht erlebt!' Ich habe die Toilette also nicht nur vollgekackt, sondern auch noch die Spülung bis zu ihrem Ende ausgereizt."

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