Der VICE Guide zum Überleben in Österreichs Städten

Der VICE Guide zum Überleben in St. Pölten

Versuch gar nicht erst, dir das Nachtleben schönzureden. Kauf dir keinen Festivalpass für das Frequency – du hörst die Musik sowieso in der ganzen Stadt. Zeig dem Europaplatz-Kreisel nicht, wie viel Angst du vor ihm hast.
15 Januar 2019, 12:18pm
Ein Foto von St. Pölten mit der Inschrift "VICE Guide zum Überleben in St. Pölten"
Grafik: VICE Media 

St. Pölten ist ein Mysterium. Fast jeder war schon einmal dort, aber die meisten Menschen kennen die Welthauptstadt der Kreisverkehre nur aus dem Shuttle-Bus, der sie vom Bahnhofsgelände zum Frequency fährt. Die Stadt ist aber mehr als das Frequency und ein Auffangbecken für Medienmanagement-Studierende aus Wien, die lieber jeden Tag zwei Stunden pendeln, als nur eine Nacht in St. Pölten zu verbringen.

Wo findet man nach dem Fortgehen noch etwas zu essen? Muss man sich desinfizieren, wenn man die Traisen in den Wochen nach dem Frequency betritt? Ab welchem Alkoholpegel ist es okay, ins La Boom zu gehen? Es ist an der Zeit, dass sich jemand dieser wirklich wichtigen Fragen annimmt. Wir haben notwendige Überlebenstipps für alle St. Pöltner und die, die es noch werden wollen.

Nachtleben

  • Versuch gar nicht erst, dir das Nachtleben in St. Pölten schönzureden.

  • Finde dich damit ab, dass Molti, Spotzl, Pichla und Eigi lokale Fortgeh-Legenden sind.

  • Es ist okay, um vier Uhr morgens vom Warehouse ins La Boom zu gehen, aber in der Geschichte St. Pöltens ist noch nie jemand vom La Boom ins Warehouse gegangen – sei du nicht die erste Person.

  • Sorge dafür, dass im La Boom niemand seine Zigarette in deinem Gesicht ausdrückt. Ja, du hast richtig verstanden.

  • Meide den kleinen Mann mittleren Alters, der dort immer mit leerem Blick auf der Tanzfläche steht und sich nicht bewegt.

  • Sofern du kein Fan von 40-jährigen Strippern mit geflochtenem Ziegenbart bist, solltest du auch die "Ladies Night" im La Boom nicht besuchen.

  • Genauso wenig solltest du dich in die Nähe dieser einen Theke stellen, auf der ständig Leute tanzen. Es sei denn, du möchtest, dass dir jemand versehentlich mit dem Fuß ins Gesicht tritt.

  • Wenn du über 15 bist, dann geh auf keinen Fall feiern ins Nårrnkastl.

  • Wenn du dich unterhalten willst, ohne dein Gegenüber wegen lauter Musik anzuschreien, geh ebenfalls nicht ins Nårrnkastl.

  • Wenn du nach dem Feiern heimgehst, dann geh vorher unbedingt noch ins Nårrnkastl. Dort gibt es das beste Post-Fortgeh-Essen der Welt.

  • Solltest du dir nicht sicher sein, ob du noch weiter trinken kannst oder schon erbrechen musst, mach dich auf zum Vino. Dort findest du einen Alkoholtester, der zwar nur manchmal funktioniert, dir aber mit halber Sicherheit sagt, ob du noch einen Drink verträgst.

  • Die günstigste Möglichkeit, nach Hause zu kommen, ist mit dem Sammeltaxi. Aber Vorsicht: Bestell es am besten schon viel früher, ansonsten wirst du eine Stunde warten und das Taxi am Ende verpassen, weil du an der Bushaltestelle eingepennt bist.

Der Südpark in St. Pölten

Der Südpark im Winter ist so leer wie die Innenstadt unter der Woche nach 18 Uhr | Foto: Beate Schusta

Kulinarik

  • Unterschätz die St. Pöltner Kaffeehauskultur nicht.

  • Probier die Waffeln im Emmi.

  • Den besten Kaffee gibt es im Schubi, und wenn du dort keinen Platz bekommst, dann geh ins Wellenstein.

  • Den besten Kaffee gibt es auch im Emmi, weil das Emmi und das Schubi zusammengehören.

  • Es kann sein, dass du reich und bürgerlich bist. In diesem Fall solltest du ins Schauspiel. Dort wirst du zwar wahrscheinlich keinen Platz bekommen und viel zu viel bezahlen, aber hey, wenigstens kannst du zeigen, dass du reich und bürgerlich bist.

  • Wenn du eine Betriebsfeier planst, fahr zum Teufelhof.

  • Freu dich am besten das ganze Jahr auf die Fressmeile, weil dann in der Innenstadt endlich mal was los ist. Ignoriere dabei die Tatsache, dass immer eine Person alleine eine halbe Stunde den Tisch besetzen muss und das Event dadurch eher unkommunikativ ist.

Infrastruktur:

  • Hab immer(!) ein Busticket mit. Ansonsten fährt genau an dem einen Tag, an dem du es zuhause vergisst, dieser eine gemeine Busfahrer, der sogar Schulkinder aussteigen lässt, wenn sie ihren Ausweis nicht mithaben.

  • Leg dir ein Auto zu.

  • Im Ernst, du wirst es brauchen. Am Wochenende kommst du nach 18:30 nämlich nirgends mehr mit den Öffentlichen hin.

  • Zeig dem Europaplatz-Kreisel nicht, wie viel Angst du vor ihm hast. Der Europaplatz spürt das.

  • Hast du schon ein Auto?

Der Rathausplatz St. Pölten

Der Rathausplatz ist einer der wenigen Orte St. Pöltens, an dem normalerweise mehr los ist als auf diesem Foto. (Foto: Beate Schusta)

Kultur und Freizeit:

  • Sei nicht ständig so überrascht, wenn du hörst, dass St. Pölten ein üppiges Kulturangebot hat.

  • Wenn du schon in St. Pölten wohnst, dann wenigstens nah genug am Festival-Gelände, um Anrainerkarten für das Frequency zu bekommen.

  • Ansonsten musst du dir aber keinen Festivalpass kaufen, du hörst die Musik sowieso in der ganzen Stadt.

  • St. Pölten hat nicht umsonst zwei Seen mitten in der Stadt – nutz sie.

  • Am Viehofner See bleibst du am besten gleich auf der großen Wiese und holst dir bei der Seedose Eis und kalte Getränke. Außer du willst Privatsphäre, dann nimm dir hinten eine kleinere, ruhige Bucht.

  • Im Juni oder Juli kannst du auch in die Traisen hüpfen, um dich abzukühlen.

  • Manchmal liegen tote Fische am Wasserrand, also vielleicht ist abkühlen doch keine so gute Idee.

  • Achtung! Hüpfe auf KEINEN Fall Ende August in die Traisen. Nach dem Frequency schwimmt dort jede Körperflüssigkeit, die existiert.

  • Sei jedes Jahr aufs Neue fasziniert davon, wie schnell die Traisen nach dem Frequency wieder hergestellt ist.

  • Das Cinema Paradiso wurde einmal zum besten Kino Europas gewählt, also geh hin und glaub den bösen Zungen nicht, die behaupten, dass jedes Alternativkino in Europa schon einmal so eine Auszeichnung erhalten hat.

  • Wenn du traurig bist, kannst du in den Hammerpark gehen und dort Meerschweinchen und Hasen streicheln, was mindestens die Hälfte deiner Probleme lösen wird.

See in St. Pölten

Ja, am See ist es im Sommer wirklich so kitschig wie auf diesem Bild. (Foto: Noemi Lixandroiu)

Sonstiges:

  • Niemand mag die Leute aus dem BORG – außer die Leute aus dem BORG.

  • Hör nicht auf die ganzen Menschen aus Wien, die an der FH studieren und dir sagen, dass St. Pölten hässlich ist. Sie haben nicht mehr von der Stadt gesehen als den Campus und den Bahnhof.

  • Die ganze Stadt spielt "Das Regierungsviertel ist Lava", denn niemand hat es je betreten.

  • Das Regierungsviertel ist für St. Pölten, was der Vatikan für Rom ist.

  • Ja, das heißt, dass Erwin Pröll der Papst ist.

  • Wenn du eine Person aus St. Pölten fragst, wer momentan Landeshauptmann ist, wird sie binnen Sekunden "ERWIN PRÖLL" brüllen, denn niemand hat es bisher geschafft, sich umzugewöhnen.

  • Gerüchten zufolge sitzt Erwin Pröll immer noch irgendwo im Regierungsviertel. Niemand kann das bestätigen oder dementierten, weil (siehe oben).

  • Falls du so privilegiert bist, dass dir deine Eltern ein WG-Zimmer in Wien finanzieren, dann sei dankbar. Im Gegensatz zu Studierenden aus anderen Städten schläfst du schließlich ohnehin nur drei Nächte pro Woche in Wien und verbringst deine restliche Zeit zuhause, weil dort immer noch alle wohnen, mit denen du damals im BORG warst.

  • Betreibe keinen auffälligen Vandalismus. Die Polizei hat wenig zu tun und freut sich sehr über jugendliche Opfer. Außerdem ist die Chance hoch, dass der jeweilige Polizist deine Familie kennt.

  • Finde dich damit ab, dass die Innenstadt am Sonntag so ausgestorben ist, dass sie in einem Western mit einem durchrollenden Strohballen illustriert werden würde.

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