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Datenanalyse zeigt, wie absurd das Design von Frauen-Hosentaschen ist

Das Google Pixel passt in nur 5 Prozent aller getesteten Taschen, das neueste iPhone in weniger als die Hälfte. Diese beeindruckende Visualisierung zeigt, was beim Design von Frauenhosen falsch läuft.
17.8.18
Das st ein Google Pixel und es passt in kaum eine Hosentasche für Frauen | Screenshot: The Pudding

Frauen und Männer sind nicht gleichberechtigt. Das zeigen nicht nur Gender Pay Gap, Vorurteile von Ärzten oder absurde Regeln über Brüste in der Öffentlichkeit, sondern auch das Design von Hosentaschen. Denn Hosentaschen von Frauen sind viel zu klein, um alltagstauglich zu sein – oder fehlen gleich einfach komplett. Über diesen Umstand schrieben zahlreiche Autorinnen zahlreiche Artikel, Tweets und sogar modehistorische Essays. Was fehlte, waren Daten. Die liefern jetzt zwei Journalistinnen vom Datenvisualisierungs-Blog The Pudding.

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Die beiden Journalistinnen Amber Thomas und Jan Diehm analysierten 80 Hosenpaare der 20 beliebtesten und größten Jeansmarken der USA. Sie besuchten Läden mit Stift, Papier und Maßband, um zu skizzieren, wie sich die Taschen von Frauen- und Männerhosen unterscheiden.

Das Ergebnis hielten sie in einem beeindrucken Stück Datenjournalismus fest, das alle Vorurteile gegenüber Frauenhosen bestätigt: "Hosentaschen für Frauen sind absurd", bilanzieren sie über das Design der Hosentaschen.

So schlecht passen Handys in Hosentaschen von Frauenjeans

Wie lächerlich Frauen-Hosentaschen sind, verdeutlichen folgende Zahlen: Hosentaschen für Frauen sind im Durchschnitt 48 Prozent kürzer und 6,5 Prozent schmaler als Hosentaschen für Männer.

Auch wie sich diese Unterschiede praktisch auswirken, zeigen die beiden Journalistinnen von The Pudding. Sie testen die Hosentasche jeder Hose, die es in einer Fassung für Frauen und Männer gibt, mit einer Reihe von Alltagsgegenständen: Brieftasche, Stift und drei aktuelle Smartphones. Dabei sind das iPhone X, ein aktuelles Samsung Galaxy und ein Google Pixel. Bei ihrer Analyse konzentrierten sich die Blogger nur auf Jeanshosen.

Visueller Vergleich von Hosentaschen für Frauen und Männer.

Nicht mal Hände passen in Hosentaschen für Frauen – komplett nutzlos | Screenshot: The Pudding

Gerade die Smartphones zeigen den Unterschied zwischen den Jeans deutlich. Das iPhone X passte in jede getestete Männerhose, aber nur in knapp 40 Prozent der Frauenhosen. Noch viel düsterer sieht es bei den größeren Telefonen, Samsung Galaxy und Google Pixel aus. Nur 20 bzw. 5 Prozent aller Frauenhosen konnten die beliebtesten Android-Telefone beherbergen. Dagegen passte das Pixel in 85 Prozent aller Männerhosen, das Samsung Galaxy sogar in 95 Prozent der Männer-Hosentaschen. Die Hosentaschenanalyse zeigt auch: Diese Unterschiede ziehen sich durch unterschiedliches Hosen-Designs. Die Analyse konzentriert sich allerdings auf US-Marken, in anderen Ländern könnten die Unterschiede anders ausfallen.


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Bei den Gesäßtaschen sind die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenhosen übrigens nicht so stark ausgeprägt. Doch es wäre ein Fehler zu sagen, Frauen sollen einfach auf die hinteren Hosentaschen ausweichen, schreiben die Autorinnen der Analyse. "Für Frauen ist das eine Frage der Gleichberechtigung", so Jan Diehm und Amber Thomas. Die Modeindustrie mache es Frauen schwerer, sich frei zu bewegen, schränke ihre Privatsphäre ein und erschwere es, Dinge sicher zu transportieren und dabei beide Hände frei zu haben.

Hosentaschen sind politisch. Das wussten schon die Suffragetten im frühen 20. Jahrhundert und forderten Hosentaschen, um politische Kampfschriften sicher zu transportieren. Verändert hat sich seitdem, das zeigt die Datenanalyse von Amber und Diehm, kaum etwas. Hosentaschen für Frauen sind immer noch lächerlich klein. Aber zumindest gibt es jetzt die Daten, um zu zeigen, wie absurd klein sie wirklich sind.

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