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Der bekannteste Streamer auf Twitch will nicht mit Frauen spielen

Hunderttausende Zuschauer hat Ninja, wenn er mit Stars wie Drake oder Marshmello spielt, doch Gamerinnen sind nie in seiner Squad. Der Grund dafür ist ziemlich abstrus.

von Dennis Kogel
14 August 2018, 10:44am

Tyler 'Ninja' Blevins ist aktuell der größte Star von Twitch. Auf der Livestreaming-Plattform folgen dem 27-jährigen Gamer über 10 Millionen Nutzer. Ninja hat sogar schon mit Drake 'Fortnite' gespielt. Über 600.000 Fans sahen dabei zu, wie er zusammen mit dem DJ Marshmello das erste Celebrity-Turnier des aktuell beliebtesten Videspiels der Welt gewann. In seinen Streams können die Zuschauer unglaubliche Skills in Fortnite erwarten. Doch es gibt eine Sache, die Fans aktuell nicht auf Ninjas Kanal sehen werden: Frauen.

"Ich spiele nicht mit weiblichen Gamern", das erklärte Blevins jetzt in einem Interview mit Magazin Polygon. In seinen täglichen Streams sollen demnach keine Gamerinnen vorkommen, sondern nur Männer. Der Grund, den Blevins dafür angibt, ist bizarr: "Wenn ich beim Spielen mit einer Streamerin rede und es klingt auch nur ansatzweise nach einem Flirt … das landet dann in jedem einzelnen Video und wird für immer Clickbait bleiben."

Blevins befürchtet also, dass Gespräche als Flirt missverstanden werden und dann als Schmierkampagne gegen ihn eingesetzt werden können. Besonders wichtig sei ihm dabei die Beziehung zu seiner Ehefrau, der Streamerin Jessica 'JGhosty' Goch: "Ich habe gesagt: 'Ich liebe unsere Beziehung', und 'Nein, du sollst sowas nie durchmachen müssen'", so der Streamer zu Polygon.

In der Twitch-Community sorgen Ninjas Aussagen für kontroverse Debatten

Doch der Versuch, auf diese Weise Kontroversen zu vermeiden, könnte gerade das Gegenteil bewirkt haben. Denn die Aussagen von Ninja werden von internationalen Twitch-Streamern teils sehr kritisch aufgenommen. "Wir sagen nicht, Ninja muss mit Frauen streamen", schreibt die Illustratorin und Twitch-Streamerin Austen Marie auf Twitter. "Wir sagen: Seine Aussagen sind problematisch und helfen Frauen nicht in einer Industrie, die jeden Menschen mit Titten als Hure bezeichnet."

Tyler Blevins auf dem roten Teppich
Tyler Blevins auf dem roten Teppich bei einem Microsoft Sport-Event | Bild: imago | Birdie Thompson

Tatsächlich hat Twitch ein Sexismus-Problem. Immer wieder berichten Streamerinnen von sexistischen Beleidigungen, die sie im Chat und im Spiel bekommen. Nachdem sich viele Nutzer über freizügig gekleidete Streamerinnen beschwerten, führte Twitch Regeln für Bekleidung ein, die zwar für alle Streamer unabhängig vom Geschlecht gelten, letztendlich aber vor allem Frauen betreffen. Viele Streamer müssen beachtliche Zeit und Mühe einsetzen, um Beleidigungen im Live-Chat einzudämmen. Ein Moderator, der im Kanal der Rocketbeans streamt, erzählte im Interview mit Motherboard: "Solche Momente können dich mit wenig Erfahrung hart treffen und aus der Bahn werfen". Deswegen müssen sich viele Streamer, selbst mit kleinen Kanälen, aktiv Taktiken überlegen, wie Beleidigungen und Belästigung auf ihren Kanälen gestoppt werden können. "Ich unterbreche meine Spielsession", erzählte die Streamerin Janina 'OddNina' Kozubik im Interview mit Motherboard, "ich schaue dann direkt in die Kamera und sage deutlich, dass ich ein solches Verhalten nicht sehen will."

In Deutschland befindet sich unter den den zehn größten Streamenden auf Twitch keine einzige Frau. Für Streamerinnen wie Austen Marie sendet Ninja gerade in dieser Atmosphäre ein falsches Signal.


Bei Motherboard: Dieser Mann hütet eines der wichtigsten Kabel des Internets


Für Ninja stellt sich die Situation jedoch anders dar. Ninja schreibt auf Twitter zur Kontroverse: "Einige Leute haben mir unterstellt, ich hätte etwas dagegen, mit Frauen zu zocken", so Ninja. "Ich möchte das klarstellen: Das Problem, das ich angesprochen habe, ist 'Online Harassment' und mein Versuch, dass wir so wenig davon abbekommen wie nur möglich. Dieses Problem betrifft alle Streamer, vor allem solche, die ihre Beziehung öffentlich machen", so Ninja auf Twitter. "Ich wollte auf dieses Problem aufmerksam machen und meine Aussagen sollten als nichts anderes dargestellt werden."

Auch Twitch ist in der Verantwortung, etwas gegen Belästigung zu tun

Die Kontroverse um Ninja zeigt zwei Dinge sehr deutlich. Erstens: Streamer werden oft sehr unerwartet zu Stars mit einem Millionenpublikum, die unvorbereitet in der Öffentlichkeit stehen. Ihre Aussagen in Interviews sind daher oft unüberlegt und führen zu Missverständnissen.

Zweitens: Es ist wichtig, über die Verantwortung von Twitch als Plattform zu sprechen. Wenn selbst Stars wie Tyler Blevins aus Sorge um ihre Familie nicht mit Frauen streamen wollen, um Belästigung zu minimieren, dann gibt es offensichtlich ein Problem.

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