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Drogen

Ecstasy: Das sind die aktuellen Pillenwarnungen

In Deutschland ist Drug-Checking illegal. Aber da es die Pillen auch über die Grenze schaffen, haben wir geschaut, was unsere Nachbarn darin gefunden haben.

von VICE Staff
06 Juli 2018, 3:44pm

Symbolbild: Grey Hutton

Drug-Checking heißen die chemischen Tests, bei denen Konsumierende in Großbritannien und unseren Nachbarländern Österreich, der Schweiz und den Niederlanden ihre Pillen auf deren Inhalt testen lassen können. Finden die Tester hoch dosierte Pillen oder welche, die kein MDMA enthalten, warnen sie vor diesen. In Deutschland ist Drug-Checking illegal. Entsprechend gibt es hierzulande auch keine Warnungen.

Wir wollen niemanden dazu ermuntern, Drogen zu nehmen und die Gesundheitsrisiken einzugehen, die damit in jedem Fall einhergehen. Wenn sich Menschen allerdings dazu entscheiden, Ecstasy zu nehmen, sollten sie dies mit den bestmöglichen Informationen tun – so spärlich die eben auch sind in Deutschland. Deshalb haben wir alle aktuell verfügbaren Pillenwarnungen aus dem Ausland zusammengetragen.

Sie stammen von der gemeinnützigen britischen Firma The Loop, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, der Innsbrucker Drogenarbeit Z6, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB). Die Stadt Zürich betreibt zudem die Webseite saferparty.ch, von der einige zusätzliche Informationen stammen.

Die Testergebnisse geben allerdings bestenfalls einen Hinweis darauf, was in einer Pille stecken könnte. Selbst Pillen, die in Farbe, Form und Prägung identisch aussehen, könnten unterschiedlich zusammengesetzt sein. Deshalb sind folgende Safer-Use-Regeln in jedem Fall zu beachten, um Schäden zu minimieren:

Generell sollte man nur freiwillig und in entspannter Stimmung konsumieren. Einen Mitmach-Druck darf es nicht geben. Genausowenig ist es empfehlenswert, Drogen spontan auf der Straße oder auf einem Festival zu kaufen: Die Gefahr ist höher, gepanschte Ware zu erhalten.

Nebenwirkungen können bereits ab 120 Milligramm MDMA auftreten – etwa Kopfschmerzen, Kiefermahlen, Krämpfen und Übelkeit –, im schlimmsten Fall kommt es zu einer lebensgefährlichen Überhitzung, Atembeschwerden und Kreislaufstörungen. Saverparty warnt, maximal 1,5 Milligramm MDMA pro Kilogramm Körpergewicht für Männer zu dosieren und maximal 1,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht für Frauen.

Um den Körper nicht unnötig aufzuhitzen, gilt es, warme, überhitzte Räume wie enge Festivalzelte und die pralle Sonne zu meiden und hin und wieder einen Schluck Wasser zu sich zu nehmen. Das Gin-Tonic-Glas sollte man allerdings stehenlassen: Mischkonsum verstärkt viele gesundheitsschädigende Effekte von MDMA und anderen Substanzen.

Freunde sollten aufeinander aufpassen und sich darüber informieren, was sie wann genommen haben. Nach dem Konsum von MDMA braucht der Körper eine längere Erholungsphase, um sich vollständig zu regenerieren. Drogenberatungsstellen empfehlen deshalb, mindestens eine dreimonatige Pause zwischen zwei Drogen-Erlebnissen mit MDMA einzulegen.

Ecstasy-Pillen haben im Schnitt heute einen viel höheren MDMA-Gehalt als noch vor wenigen Jahren. Auch deshalb sollten Konsumierende stets maximal mit einer Viertelpille starten, um die Wirkung zu testen. Wenn man nachlegt, sollte man das frühestens nach zwei Stunden tun.

Pillen gleicher Form, Farbe und Prägung können sich stark in ihrer Zusammensetzung unterscheiden. Gewissheit kann nur ein Test bringen. Solange diese in Deutschland allerdings nicht legal sind, bieten Pillenwarnungen aus anderen Ländern ein Minimum an Informationen.

Die folgenden Pillenwarnungen aus den Monaten Mai und Juni haben wir zuerst nach Farbe und dann nach Namen der Prägung und Form sortiert. Die Reihenfolge: rosa, rot, orange, beige, gelb, gelb-grün, grün, blau, lila, weiß, grau, schwarz. Alle Pillen sind entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthalten gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille hier nicht gelistet ist, heißt das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayrischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert. Letztes Update vom 19. Juni 2019.

ROSA

Rosafarbene Pille ohne Name *KEIN MDMA

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Pillenfotos: Checkit! | DIB | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Diese Pille wurde bereits als Ecstasy verkauft, obwohl sie statt MDMA das anabole Steroid Metandienon enthält. Das hat ein Test der Drogenarbeit Z6 in Innsbruck im Juni ergeben. Z6 warnt: "Metandienon, auch bekannt als Methandrostenolon oder unter dem Handelsnamen Dianabol, […] zählt zu den am häufigsten missbrauchten Anabolika. Nebenwirkungen: Akne, Bluthochdruck, Haarausfall am Kopf, Gynäkomastie (Ausbildung einer weiblichen Brust beim Mann), Zunahme des Unterhautfettgewebes und Wassereinlagerungen im Gewebe. Bei Männern kann es zudem zu einer Beeinträchtigung der Hormon- und Spermienproduktion und in Folge zu einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit kommen. Bei längerer Einnahme von Metandienon sind Leberschädigungen zu erwarten."

Hellrosa runde Pille ohne Namen oder Logo

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Eine hellrosafarbene, runde Pille kam in Zürich Mitte März 2019 auf 157 Milligramm MDMA, eine hohe Dosis.

Rosafarbene, eckige Pille ohne Logo oder Namen

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Pillenfotos: Checkit! | DIB | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Ist der Aufdruck auf einer Pille nicht mehr zu erkennen, ist erst recht Vorsicht geboten, weil man sich beim Inhalt nicht mal mehr am Logo orientieren kann – auch wenn da ja ohnehin Vorsicht geboten ist. Bei einer rosafarbenen, eckigen Pille, die vielleicht noch ein wenig an eine Eule erinnert, wurden im August von "Checkit!" in Wien 142 Milligramm MDMA gefunden; eine hohe Dosis.

Rosafarbene "Audi"

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Eine Pille mit dem Logo des Autoherstellers "Audi" wurde Ende September in Brüssel auf eine hohe Dosis von über 150 Milligramm MDMA getestet. Im August wurde in Innsbruck eine altrosafarbene Pille dieser Form auf 319 Milligramm MDMA getestet, das ist eine wirklich extrem hoch dosierte Pille. Eine lilafarbene Variante enthielt im Juni in Wien weniger als die Hälfte MDMA.

Rosafarbene oder rote "Bluetooth"

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Im April 2019 erreichte eine solche Pille 152 Milligramm MDMA, eine gefährliche "Verbindung". Getestet wurde die "Bluetooth"-Pille von Checkit! in Wien.

Rosafarbene "Chupa Chups"

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Nicht zu verwechseln mit den bunten Lutschern. Bei einer Pille mit diesem Logo fand Eurotox in Belgien eine extrem hohe Dosis von mehr als 200 Milligramm MDMA. In der Schweiz testete das DIB+ in Bern Mitte August 2019 eine rosafarbene "Chupa Chups" auf 146 Milligramm MDMA. Anfang April 2019 kam eine solche Pille dort auf 182 Milligramm MDMA.

Rosafarbene Erdbeere

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Dieses Früchtchen war bei einem Test in der Berner Drogeninfostelle DIB Mitte Juni hoch dosiert. Auf 163 Milligramm MDMA kommen drei unbekannte Synthese-Nebenprodukte. In Wien wurde im Juni eine dieser Pillen getestet, sie enthielt 155 Milligramm MDMA und eine unbekannte Substanz. Saferparty schreibt: "Es liegen uns keine Informationen betreffend Risiken, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit MDMA vor. Beim Konsum dieser Tablette geht man daher ein unbekanntes Gesundheitsrisiko ein." Keine Synthese-Nebenprodukte und keine unbekannte Substanz fand das DIZ Ende Juni in einer Pille, dafür die hohe Dosis von 170 Milligramm MDMA. Eine weitere pinke Erdbeere wurde Mitte November in Zürich getestet und enthielt ausser 145 Milligramm MDMA auch ein Synthesenebenprodukt. Ebenso enthielt eine solche Pille in Zürich Anfang März 2019 ein unbekanntes Synthesenebenprodukt und 155 Milligramm MDMA.

Rosafarbene Ente

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Eine extrem hohe Dosis von 205 Milligramm MDMA enthielt eine im Juni in Wien getestete Enten-Pille.

Rosafarbene "Ferrari" *KEIN MDMA

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Eine solche Pille wurde kurz vor Weihnachten auf Mallorca getestet. Statt MDMA enthielt sie die Chemikalie N-Ethyl-Pentylon. Die psychoaktive Substanz zählt zu der Stoffgruppe der Amphetamine. Da noch wenig über Nebenwirkungen und Langzeitfolgen des Stoffes bekannt ist, rät das Tester-Team von Energy Control vom Konsum ab.

Rosafarbene Flügel

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Pillenfotos: Checkit! | DIB | DIZ | Drogenarbeit Z6 | Eurotox | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Eine Pille in dieser Farbe und Form mit diesem Logo enthielt 213 Milligramm MDMA, als sie Mitte Juli in Zürich getestet wurde – eine extrem hohe Dosis. Eine andere Pille mit demselben Logo erreichte vor einem