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„Er war besessen von Disney“: Warum Eltern die Partner ihrer Kinder nicht mögen

Als ob es nicht auch so schon schwer genug wäre, einen passenden Partner zu finden—Eltern und ihre persönlichen Fimmel schaffen es meist, eine unangenehme Situation noch viel unangenehmer zu machen.

von Jessica Pan
07 Dezember 2016, 8:00am

Photo by Jovana Milanko for Stocksy

Als ich noch auf der Highschool war, wurde mir eines Tages klar, dass die Mutter meines damaligen Freundes immer ziemlich kühl mir gegenüber war. Nachdem ich etwas nachgebohrt hatte, gestand mir mein Freund schließlich, dass sie mich nicht mochte, weil sie sich noch immer über den Zweiten Weltkrieg und das Verhalten der Japaner während des Krieges ärgerte—auch wenn ich eigentlich Chinesin bin und es der Beginn 21. Jahrhunderts war.

Rassismus ist in jeder Form abstoßend, aber das Maß an Dummheit war in diesem Fall wirklich überwältigend. Meine Reaktion war ähnlich konfus: War ich nun im Namen aller japanischen Menschen dieser Welt wütend? War ich wütend, weil sie mich aus einem so lächerlichen Grund nicht mochte? Vielleicht war es auch nur eine Ausrede von ihr und eigentlich mochte sie mich nicht, weil ich Asiatin bin?

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Einen passenden Partner zu finden, ist eigentlich auch so schon schwer genug. Wenn man dann auch noch die Fimmel der engsten Familienangehörigen mit einberechnen muss, kann es ziemlich kompliziert werden. Wir haben Menschen gebeten, uns von den seltsamsten Gründen zu erzählen, warum sie von den Familien ihrer Partner nicht gemocht wurden—oder ihre eigene Familie ihre Partner nicht mochte.

Cindy*
Am Anfang hat wirklich jeder meinen Freund gehasst, weil sie dachten, er wäre zu besessen von Disney—den Themenparks, den Filmen und was sonst noch alles dazugehört. Meine Familie dachte, er hätte irgendeinen seltsamen Hang dazu, in Fantasiewelten leben zu wollen und käme nicht mit der Realität zurecht. Die anderen dachten einfach nur, er wäre schwul.

Disney-Manie hin oder her: Ich habe selbstverständlich nicht auf sie gehört, weil ich nunmal verliebt war. Schlussendlich haben wir in Disney World geheiratet und mittlerweile leben wir in Orlando. Vielleicht übertreibt er es wirklich ein bisschen, aber ich mag Florida—und deswegen ist das alles absolut OK für mich.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich mir zum ersten Mal den Kopf rasiert habe und er zu mir meinte, dass ich aussehen würde wie ein ‚Arsch mit Ohren.'

Jerome
Der Vater meiner Ex-Freundin dachte, dass ich nicht gut genug für seine Tochter wäre. Ich glaube, das lag vor allem an seinem übertriebenen, machohaften Beschützergehabe. Vielleicht war aber auch einfach die Tatsache, dass wir Fans von rivalisierenden Footballteams waren, das Problem. Er hat mir dreieinhalb Jahre lang die kalte Schulter gezeigt, mich beleidigt und mir damit gedroht, mich umzubringen, wenn ich seiner Tochter zu nahe kommen würde.

Ab und zu haben wir zusammen Football gespielt. Er nahm das Ganze immer ziemlich ernst und versuchte, mich so hart wie möglich anzugehen. Ich kann mich noch erinnern, wie ich mir zum ersten Mal den Kopf rasiert habe und er zu mir meinte, dass ich aussehen würde wie ein „Arsch mit Ohren." Außerdem machte er ständig Witze darüber, dass ich zu dürr wäre (er war ziemlich übergewichtig) und aus der Mittelschicht kam (anders als er).

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Wenn er sich ab und zu Tee machte, drückte er immer seinen heißen Teelöffel auf meinen Arm, weil er es witzig fand und natürlich wollte er damit auch seine männliche Dominanz über seinen 15-jährigen Widersacher demonstrieren. Nach der Highschool ging ich auf die Uni. Meine damalige Freundin hat mich für einen kiffenden Skatertypen verlassen, der sie geschwängert hat, aber trotzdem weiterhin fremdging. Vielleicht denkt ihr Vater ja jetzt, dass ich gut genug für seine Tochter gewesen wäre.

Lily
Meine Eltern mochten meinen Freund nicht, weil er sich immer auf den Stuhl meines Vaters gesetzt hat. Immer wenn er Sonntags zu uns kam, ließ er sich auf seinen Stuhl fallen, vergrub sich hinter einer Zeitung und wartete, bis meine Mutter das Mittagessen auf den Tisch stellte. Meinen Vater verbannte er auf einen anderen Stuhl.

Nachdem ich ihm während meinem Urlaub auf einer tropischen Insel nicht anhänglich genug war, hat er mich verlassen. Ich ging danach sechs Monate lang reisen, während er die gesamte Zeit über versuchte, mich zurückzugewinnen. Er schrieb sogar meinen Eltern und bat sie um Hilfe. Erfolglos. Mein Vater hat ihm seinen Sitzklau nie verziehen.

Jane
Die Eltern meines Freunds hat es schon immer gestört, dass ich Vegetarierin war. Seine Mutter machte immer ein ziemliches Aufhebens um mich und meine Ernährungsgewohnheiten, kochte am Ende aber doch einfach, was sie wollte. Ich kann mich noch erinnern, wie wir beim Abendessen saßen und sie Entenbraten gemacht hat. Sie fragte mich in einem ziemlich passiv-aggressiven Tonfall, ob ich es „nicht einfach essen" könnte. Das war allerdings nicht ihr einziges Problem mit mir.

Sie bat mich, einen Rock anzuziehen, obwohl mein Freund, sein Bruder und sein Vater Shorts trugen. Eigentlich trug auf Barbados jeder Shorts außer seiner Mutter und mir.

Bei einem Familienurlaub auf Barbados beschloss ich, Shorts anzuziehen, weil es extrem heiß war. Seine Mutter schien das ziemlich zu stören. Sie behauptete, dass die Leute auf Barbados ziemlich formell gekleidet wären und sie es anstößig finden könnten, wenn ich in kurzen Hosen rumlaufe.

Sie bat mich, einen Rock anzuziehen, obwohl mein Freund, sein Bruder und sein Vater Shorts trugen. Eigentlich trug auf Barbados jeder Shorts außer seiner Mutter und mir. Mittlerweile sind wird verheiratet und ich weiß, dass ich in der Gegenwart seiner Mutter niemals wieder Shorts tragen werde. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich leichter ist mich anzupassen, wenn ich ab und zu Fleisch esse.

Joanne
Als wir frisch zusammen waren, kam mein späterer Mann bei meinen Eltern zum Abendessen vorbei. Allerdings zeigten sie ihm danach monatelang die kalte Schulter. Irgendwann fand ich dann heraus, dass es daran lag, dass er sich nur einmal am Ende des Abends für das Essen bedankt hatte. Anscheinend nicht oft genug für meine Eltern.

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Als ich ihm davon erzählte, reagierte er ziemlich betreten. Es war ihm peinlich, dass er etwas „falsch" gemacht hatte, ohne es zu merken. Er wollte sie aber von sich überzeugen, also begann er die „Operation überschwängliche Dankbarkeit."

Mittlerweile lieben ihn meine Eltern. Allerdings bedankt sich mein Mann noch immer überschwänglich—selbst wenn ihm meine Mutter einfach nur ein Glas Wasser einschenkt. Unsere Kinder haben das mittlerweile auch übernommen: Laut den Eltern ihrer Freunde bedanken sie sich immer mehrfach, wenn ihnen etwas angeboten wird.


*Alle Namen wurden geändert.

Titelfoto: imago | Westend61

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